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Verstörendes aus Hinterzimmern der neuen Nazis

Film "Blut muss fließen" Verstörendes aus Hinterzimmern der neuen Nazis

Was passiert, wenn Rechtsextreme unter sich sind? Thomas Kuban hat sich jahrelang in der Szene bewegt und heimlich gefilmt. Und der Regisseur Peter Ohlendorf drehte einen Film, der Fragen beantwortet und neue aufwirft.

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Das Foto zeigt eine mit versteckter Kamera gedrehte Konzertszene aus dem Film „Undercover unter Nazis“. Obwohl der Film sogar auf der Berlinale gezeigt wurde, hat er bis heute keinen Verleih gefunden. 

Quelle: Filmfaktum

Marburg. Der Sänger grölt Gewaltparolen, singt das berüchtigte „Blutlied“, die Neonazis toben und die Arme gehen hoch zum Hitlergruß: So wird im Pressetext beschrieben, was der Journalist Thomas Kuban erlebt und mit versteckter Kamera von Rechtsrock-Konzerten in Deutschland - etwa in Kirtorf - und in anderen europäischen Ländern festgehalten hat.

Das „Beratungsnetzwerk Hessen - Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus“ zeigt am kommenden Dienstag, 12. Februar, um 17 und 19 Uhr den Film „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis“ im Marburger Cineplex-Kino - im Beisein des Regisseurs Peter Ohlendorf.

Die drastischen Undercover-Aufnahmen des Journalisten Kuban werden in dem Dokumentarfilm durch Aufnahmen Ohlendorfs ergänzt, der Thomas Kuban bei dessen Rückkehr an die damaligen Drehorte begleitet hat. Vor Ort sucht Kuban das Gespräch mit Entscheidungsträgern, mit Politikern und Bürgern. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum die Rechtsrock-Konzerte trotz der Straftaten, die Kuban mit seiner gefährlichen Arbeit seit 2003 dokumentiert hat, überhaupt stattfinden konnten und wie sie künftig verhindert werden können.

Das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus verfolgt mit der Veranstaltung mehrere Ziele, sagen die Koordinatoren der Beratungsstelle, die Marburger Erziehungswissenschaftler Rainer Becker und Professor Benno Hafeneger.

Wie Jugendliche in rechte Szene gezogen werden

Zum einen mache der Film bewusst, wie und warum manche Jugendliche für solche Rechtsrock-Konzerte begeistert werden können - allein schon der Anfahrtsweg zu einem der bis zuletzt geheim gehaltenen Veranstaltungsorte gleiche ja einer Art Abenteuer, einer „Schnitzeljagd“, so Becker. Zum anderen diene die Veranstaltung auch dazu, das Beratungsnetzwerk im Landkreis bekannter zu machen, das seit 2011 seinen Sitz in Marburg hat. Die Landeskoordinierungsstelle bietet Ausstiegswilligen aus der Szene Hilfe und berät zum Beispiel Eltern und Lehrer im Umgang mit rechtsorientierten Jugendlichen. Im Anschluss an die Vorführung um 17 Uhr steht der Regisseur dem Publikum für Fragen zur Verfügung. Nach der Vorführung um 19 Uhr findet eine Podiumsdiskussion statt, an der neben dem Regisseur auch ein Berater sowie der Leiter des Beratungsnetzwerks Hessen teilnehmen. Schulklassen können den Film bereits um 9, 11 oder 13 Uhr sehen. Auch hier wird der Regisseur im Anschluss Fragen beantworten und mit Schülern diskutieren.

  • Karten können ab sofort beim Cineplex Marburg erworben werden, entweder direkt an der Kinokasse oder über die Homepage des Cineplex.

von Michael Agricola

Hintergrund

Dem Beratungsnetzwerk Hessen gehören eine Vielzahl staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen an, von Kirchen über Gewerkschaften, Sportjugend, Städte- und Gemeindebund bis hin zum Landesamt für Verfassungsschutz. Die mobilen Interventionsteams bieten schnelle, professionelle und kostenlose Beratung, als „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Landeskoordinierungsstelle ist an der Philipps-Universität Marburg angesiedelt.

Weitere Informationen per E-Mail an kontakt@beratungsnetzwerk-hessen.de, über das Kontaktformular auf der Homepage www.beratungsnetzwerk-hessen.de oder über die Telefon-Hotline 06421/2821110

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