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Versorgungslücke bei Osteoporose

Marburger Studie Versorgungslücke bei Osteoporose

Jede vierte Frau und jeder 15. Mann in Deutschland leidet an der Osteoporose-Krankheit. Doch selbst nach mehreren Knochenbrüchen erhält nur die Hälfte von ihnen die adäquate Therapie.

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Professor Peyman Hadji und MTA Alexandra Naumann in der Osteoporose-Ambulanz des Uni-Klinikums.

Marburg. Der Marburger Osteoporose-Spezialist Professor Peyman Hadji vom Uni-Klinikum Marburg hat soeben eine Studie vorgelegt, die den aktuellsten Datenstand zu Versorgung der Osteoporose-Patienten in Deutschland vorlegt. Sie beruht auf der Auswertung von Daten von 1,7 Millionen Versicherten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2006 bis 2009.

Mit der Krankheit Osteoporose gehen Knochenabbau und eine Verringerung der Knochendichte einher. Pro Jahr sind der Studie zufolge bei 3,6 Prozent der Frauen und 0,9 Prozent der Männer Neuerkrankungen zu verzeichnen. Insgesamt ist also mit 885000 neu an der Knochenerkrankung leidenden Patientinnen und Patienten pro Jahr zu rechnen.

Dass Osteoporose besonders bei Frauen über 74 Jahren eine Volkskrankheit ist, belegen die Zahlen: Hochgerechnet war fast jede zweite dieser Frauen osteoporosekrank, so Hadji.

Ein großes Problem sind bei Osteoporose-Erkrankten Knochenbrüche: Im Beobachtungszeitraum der Studie traten bei 13,8 Prozent der Patienten Unterarmbrüche auf, knapp dahinter lagen in der Häufigkeit Brüche von Rippen, Brustbein und Brustwirbelsäule dahinter.

Jeder dieser Knochenbrüche bedeute für die größtenteils älteren Patienten nicht nur Schmerzen, sondern auch Bewegungsverlust. „Vor allem Schenkelhalsbrüche und Wirbelkörperbrüche schränken die Lebensqualität erheblich ein und gehen mit einer erhöhten Sterblichkeitsrate einher“, macht Hadji klar. Deswegen sei es umso wichtiger, dass die Patieten in diesen Fällen leitli­niengerecht behandelt würden. In dieser Hinsicht hat der Marburger Medizin-Professor einerseits in der Studie positive Trends ausgemacht, andererseits gebe es aber auch erhebliche Versorgungslücken. Im Gegensatz zu früheren Studien belegt die aktuelle Studie laut Hadji, dass auch Männer mittlerweile genauso häufig wie Frauen Basismedikamente verordnet bekommen. Durchschnittlich 13 Prozent aller Osteoporose-Patienten erhalten eine Basistherapie verordnet, die über die Krankenkasse abgerechnet werden kann. Wenn zur Krankheit noch ein Knochenbruch hinzu kommt, dann sind es sogar 33 Prozent. Da viele Patienten ihre Versorgung mit den Basismedikamenten Kalzium und Vitamin D selbst bezahlen, ist die Versorgungslage aus Sicht des Mediziners zufriedenstellend.

Spezifische Medikamente erhalten durchschnittlich 18 Prozent der Patienten. Viel zu selten werden jedoch spezielle Osteoporose-Medikamente bei Patienten mit Knochenbrüchen verschrieben, was aus Sicht Hadjis eine „Versorgungslücke“ darstellt. Zudem hat er eine „geringe Therapietreue“ ausgemacht: Nur 16,8 Prozent der Patienten setzen die Behandlung mindestens ein Jahr lang fort. Beide Faktoren sorgen aus Sicht des Mediziners dafür, dass viele Patienten ohne ausreichenden Schutz vor Knochenbrüchen sind.

Hadji meint, dass daraus nicht nur individuelles Leid für die Patienten entstehe, sondern auch Folgekosten - hochgerechnet bundesweit Gesamtausgaben von 4,5 Milliarden Euro. „Wir müssen die Ärzte davon überzeugen, dass Osteoporose keine Bagatellkrankheit, sondern eine fortschreitende Erkrankung. Wir müssen die Ärzte auch davon überzeugen, die Patienten im Fall einer solchen Erkrankung zu den Spezialisten weiterzuschicken.

  • An der Marburger Uni-Frauenklinik bieten Professor Hadji und sein Team eine Osteoporose-Sprechstunde an. Information: Telefon 06421/58644­55.

von Manfred Hitzeroth

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