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Versorgung auch nach Klinik-Aufenthalt

Nachsorge Versorgung auch nach Klinik-Aufenthalt

Im Universitätsklinikum Marburg hat eine Fachtagung stattgefunden - mit dem Ziel, die sozialmedizinische Nachsorge chronisch und schwerkranker Kinder in Hessen auszubauen.

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Etwa 50 Menschen nahmen an der Tagung teil. Die kleine Angelina kam viel zu früh zur Welt. In der ersten Zeit nach der Krankenhausentlassung war ihre Mutter Semina Kortic froh, professionelle Unterstützung zu bekommen.Fotos: Krause

Marburg. Die kleine Angelina ist heute ein Jahr alt und ein aufgewecktes fröhliches Kind. Aber das war nicht immer so, denn ihr Start ins Leben verlief nicht reibungslos. Wie Professor Rolf Maier, Leiter der Marburger Kinderklinik, berichtete, kam die Kleine in der 23. Woche zur Welt, also 17 Wochen zu früh. Im Krankenhaus gab es die beste Versorgung, aber zum errechneten Geburtstermin wurde Angelina entlassen.

Und dies ist der Zeitpunkt, wo die Nachsorge beginne, erläuterte Andreas Podeswik, Vorstand des Bundesverbandes Bunter Kreis. Die Organisation vernetzt bundesweit etwa 80 Nachsorge-Einrichtungen und hat sich den deutschlandweiten Ausbau auf die Fahne geschrieben. Maier verwies darauf, dass aufgrund der modernen Medizin immer mehr Patienten überlebten, sie seien dann aber oft ein Leben lang auf Hilfe angewiesen. Im Krankenhaus hätten sie die beste Versorgung, aber danach würden sie ohne sozialmedizinische Nachsorge alleine gelassen.

Dass diese nach der Entlassung aus dem Krankenhaus für die Familien Betroffener sehr wichtig ist, ist unbestritten. Trotzdem gibt es in ganz Hessen nur an zwei Standorten Nachsorgezentren, in Marburg und in Frankfurt-Höchst. Aus diesem Grund sei das Bundesland unterversorgt, obwohl die Nachsorge seit 2009 eine gesetzliche Regelleistung der Krankenkasse sei. Von deutschlandweit 4000 Kindern seien es im vergangenen Jahr in Hessen nur 48 gewesen, die sie in Anspruch hätten nehmen können.

Um dies zu ändern, habe die Kinderklinik zusammen mit der Marburger Nachsorge mit Unterstützung der Aktion Mensch die Tagung zum aktuellen Stand und Perspektiven organisiert, sagte Maier. Eingeladen worden seien Vertreter aller hessischen Kinderkliniken, sozialpädiatrische Zentren, Frühförderstellen und Einrichtungen der häuslichen Krankenpflege. Insgesamt nahmen etwa 50 Menschen teil.

Laut Podeswik würden Mitarbeiter der Nachsorgezentren bereits in der Klinik Kontakt mit den Eltern aufnehmen, deren Kinder beispielsweise einen Unfall gehabt hätten, an Stoffwechsel- oder Herzerkrankungen litten und zu früh geboren seien. Später kämen sie nach Hause, um unter anderem bei der Therapie zu helfen, Krankengymnastik oder einen Kinderarzt zu vermitteln oder bei der richtigen Pflege zu unterstützen.

15 Hausbesuche pro Kind werden bewilligt

„Wir hatten Menschen, die uns wirklich sehr geholfen haben“, betonte Angelinas Mutter, Semina Kortic. Tipps und Ratschläge habe sie auch wirklich brauchen können, beispielsweise den Hinweis auf die Frühförderstelle. „Die Nachsorge ist sehr individuell, je nach den Bedürfnissen der jeweiligen Familie“, so Ute Seik von der Sozialmedizinischen Nachsorge Marburg-Biedenkopf. Wie sie berichtete, seien 2013 im Landkreis Marburg-Biedenkopf 23 Kinder aufgesucht worden. Bewilligt seien 15 Hausbesuche, die in der Regel in drei Wochen erfolgten. Auch wenn eine Familie zunächst keinen Bedarf gesehen habe, könne sie auch kurz nach dem Ende des stationären Klinikaufenthalts auf die Nachsorge zukommen.

Kirsten Günter und Andrea Christiansen berichteten von ihren Erfahrungen bei der Frankfurter Nachsorge. Als Rückmeldung der Eltern käme immer wieder, dass die Nachsorge ihnen Sicherheit gebe, weil sie immer kompetente Ansprechpartner hätten.

Und das entlaste auch die Kassen, hob Podeswik hervor, denn so würden erneute stationäre Aufenthalte verhindert. Um ein Nachsorgezentrum aufzubauen, bedürfe es natürlich eines Projektmanagements und Ressourcen an Personal.

Leider würden die Kassen pro Einsatz bei Kosten von etwa 85 Euro nur um die 70 Euro erstatten und auch keine Fahrtkosten übernehmen, weshalb man zusätzlich auf Spenden angewiesen sei.

von Heiko Krause

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