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Kreisseniorenrat Vernetzen, helfen und weiterentwickeln

Jetzt geht es richtig los. Der Kreisseniorenrat hat seine Aufgabenfelder klar umrissen und geht nun daran, sie in die Kommunen des Landkreises zu tragen.

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Dr. Horst Tritschler (von links), Brigitte Adler-Zaffke, Herbert Bodenbender und Hildegard Kräling gehören dem Vorstand des Kreis­seniorenrats an. Für sie ist Bürgerhilfe in all ihren Ausprägungen das zentrale Thema für ihre Seniorenarbeit.

Quelle: Götz Schaub

Marburg. Ja, es gab politische Kritik am Wahlmodus zum neuen Kreisseniorenrat. Doch das ist für die Gewählten nun echt Schnee von gestern und eigentlich auch unrelevant, denn sie sehen sich, auch wenn man eine eindeutige SPD-Lastigkeit feststellen kann, alles andere als politisch. „Klassische Politik ist wahrlich nicht unsere Aufgabe“, stellt der Vorsitzende Dr. Horst Tritschler entsprechend heraus. Und: „Wir werden in den Kommunen schon anders wahrgenommen, weil wir Vertreter eines gewählten Gremiums sind. Das schafft ein anderes Bewusstsein bei den Bürgerschaften.“

Also steigen wir ein: Einst im Berufsleben als Schulleiter aktiv gewesen, weiß Tritschler etwas mit dem Begriff und der Bedeutung von Inklusion anzufangen. Doch Inklusion sei kein Begriff, der sich ausschließlich auf Schulen bezieht, findet er. Inklusion treffe auch auf ältere Menschen zu, deren Unterschiedlichkeit in einer erfolgreichen ganzheitlichen Seniorenarbeit unbedingt Berücksichtigung finden müsse. Der Kreisseniorenrat versteht sich als Mittler, Informationsgeber und -verteiler, als Ansprechpartner und Unterstützer von Seniorenarbeit in den einzelnen Kommunen.

Ausgebaute Strukturen weiterentwickeln

„Wir drücken niemanden ein Schema auf, sondern versuchen, da zu helfen, wo Hilfe benötigt wird, da Impulse zu geben, wo sie gewünscht werden“, sagt Hildegard Kräling vom Vorstand. Und wenn sie das so sagt, dann meint sie das auch so, denn sie kommt direkt aus der Initiative Bürgerhilfe, die der Bürgerverein Mardorf und Umgebung aufgebaut hat. Sie weiß, dass die Strukturen von Ort zu Ort, von Kommune zu Kommune unterschiedlich sind und jedes freiwilliges Bürgerengagement nur funktionieren kann, wenn man die Begebenheiten vor Ort respektiert.

Das sieht auch Herbert Bodenbender aus Fronhausen so: „Wir wollen keine gut laufenden Strukturen gefährden, indem wir Änderungen vornehmen. Wir wollen aber gerne dabei helfen, aufgebaute Strukturen weiterzuentwickeln.“ Bei aller Unterschiedlichkeit in der Vorgehensweise oder Struktur der bereits vorhandenen Bürgerhilfevereine gibt es natürlich Themenkomplexe, die immer und überall eine tragende Rolle spielen wie  „Drohende Vereinsamung im Alter“, „Barrierefreiheit“ und „Mobilität“.

„Wir wissen, dass rund 30 Prozent der Menschen, die in Pflegeheimen leben, dort nicht leben wollen und auch gar nicht müssten. Für viele bietet sich nach einer erfolgten Reha keine andere Alternative mehr an, als ein Heimaufenthalt, weil es ihnen in ihrem Wohnort an Anschlusshilfen fehlt“, sagt Tritschler. Das können natürlich nicht ausschließlich Ehrenamtliche leisten.

Guter Mix aus Betreuung, Pflege und Alltagshilfe

„Wir brauchen da einen Mix. Die pflegerischen Tätigkeiten machen die Profis, die Betreuung und Alltagshilfe Bürger, die sich dafür zur Verfügung stellen. So können Menschen länger in ihrer vertrauten Umgebung wohnen, halten Anschluss und werden gefördert“, so der Vorsitzende des Kreisseniorenrats weiter. „Wir setzen also auf ein Miteinander und nicht auf eine Konkurrenz zu professionellen Pflegeanbietern. Unsere Alltagsbegleiter wissen, wo ihre Grenzen sind“, sagt Hildegard Kräling. Dabei sind die Aufgabengebiete sehr unterschiedlich, manche benötigen schon eine gewisse Qualifizierung, sprich Hintergrundwissen, etwa im Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden. Entsprechend bieten Bürgerhilfevereine themenbezogene Schulungen an.

So wird es auch mal möglich, pflegende Angehörige zu entlasten, etwa durch Betreuung in Geselligkeit oder mal stundenweise, um Angehörigen es zu ermöglichen, Besorgungen zu machen“, sagt Kräling. Es geht aber auch darum, älteren Menschen, die fit sind, sinnvolle Beschäftigungen bieten zu können. „Das Repaircafé in Cölbe ist ein gutes Beispiel, wo sich ältere Menschen mit handwerklichen und technischen Fähigkeiten gewinnbringend für alle einbringen können“, nennt Brigitte Adler-Zapf ein Beispiel aus der Bandbreite an Möglichkeiten, ältere Menschen mitten in der Gesellschaft zu halten.

Und wie sieht das Vorgehen des Kreisseniorenrats nun konkret aus? Im 2. und 3. September werden Workshops veranstaltet mit einer Bestandsaufnahme aller einzelnen Initiativen und Aufnahme der Wünsche, die an den Kreisseniorenrat gerichtet werden. Danach sollen alle Bürgermeister der Kommunen angeschrieben werden und Regionalkonferenzen mit Vertretern der Gemeindevorstände beziehungsweise Magistrate organisiert werden.

von Götz Schaub

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