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Verneigung vor einem Macher

Festakt für Friedrich Bohl Verneigung vor einem Macher

Nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Friedrich Bohl: Dem Juristen, Politiker und Manager widmeten mehr als 40 Autoren eine Festschrift zu seinem 70. Geburtstag.

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Friedrich Bohl blättert gemeinsam mit Frau Elisabeth in der Festschrift zu seinen Ehren.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Jean-Claude Juncker, Dr. Angela Merkel, die früheren Bundesminister Hans-Dietrich Genscher, Norbert Blüm, Theo Waigel und Christian Schwarz-Schilling, DVAG-Gründer Dr. Reinfried Pohl oder der frühere Vorsitzende des Bundesarbeitsgerichts Professor Dr. Friedhelm Rost: Wer es schafft, derart prominente Autoren in einer Festschrift zu seinen Ehren zu versammeln, der muss sich in seinem Leben ein hohes Maß an Anerkennung erarbeitet haben.

Der frühere Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, im März 70 Jahre jung geworden, hat dies erreicht. In einem Festakt überreichten ihm Jura-Professor Dr. Gilbert Gornig und der frühere Marburger CDU-Partei- und Fraktionschef Philipp Stompfe die 637 Seiten starke Festschrift mit dem Titel Rechtspolitische Entwicklungen im nationalen und internationalen Kontext“.

Auch für die Hochschulmedizin "einfangen lassen"

Als Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Kanzleramts war Bohl von 1991 bis 1998 „geschäftsführender Bundeskanzler“, wie ihn Festredner Philipp Stompfe bezeichnete; als Vorstandsmitglied (1998 bis 2009) und Aufsichtsratsvorsitzender (seitdem) der DVAG gehört er zu den wichtigen Wirtschaftsführern in Deutschland; zudem hat er sich, darauf wies Universitätspräsidentin Professor Dr. Katharina Krause hin, „einfangen lassen für eines der schwierigsten Themen für Marburg und die Philipps-Universität: die Hochschulmedizin“: als Mediator im Konflikt um Stellenabbau am UKGM (2012), als Vorsitzender (ab 2012) der von-Behring-Röntgen Stiftung, die aus dem Erlös beim Verkauf des Klinikums an den Rhön-Konzern gegründet wurde und seitdem Exzellenzmedizin in Gießen und Marburg fördert und schließlich  als Mitglied des Hochschulrats der Philipps-Universität. Krause argwöhnte, eine Festschrift sei oft der Zeitpunkt, „an dem der Geehrte sich so langsam zurückzieht“ und warnte: „Das könnten wir gar nicht gebrauchen!“

Festredner Stompfe machte klar, warum das so ist: „Macht bedeutet für ihn Machen – er leitet aus der auf Zeit verliehenen Machtstellung einen klaren und eindeutigen Gestaltungsauftrag für sich selber ab.“  Bohls „Erfolgsgeheimnis“ führt Stompfe auch auf seine Erdung im Marburger Land zurück und darauf, dass Bohl in der Politik immer pragmatische Lösungen gesucht habe: Er baute Brücken, keine Staudämme, umschrieb Stompfe.

Kampfvokabeln als Adelungen aufgefasst

Das heißt nicht, dass Bohl den politischen Gegner geschont hätte. Die Kampfvokabeln „Wadenbeißer“ und Kläffer seien aber „Adelungen“, sagte Stompfe, der auch daran erinnerte, dass Bohl in seiner Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer (1984 bis 1989) der CDU-Bundestagsfraktion als „Meister der  Geschäftsordnung“ galt: Legendär ist, so erzählte Stompfe, eine Debatte im Bundestag, in der die Opposition
die nicht anwesenden Minister Wolfgang Schäuble und Klaus Töpfer per Beschluss herbeizitieren wollte; es drohte eine öffentliche Blamage der Regierung. Bohl verhinderte dies, „er griff auf die Kunst des Filibusterns zurück“, berichtete Stompfe. Filibustern bedeutet, durch Dauerreden eine Beschlussfassung im Parlament zu verzögern – in diesem Fall so lange, bis die Minister herbei­telefoniert waren.
Den Einfluss Bohls auf die deutsche Politik hat der Marburger CDU-Politiker Walter Troeltsch einmal in vier Worten zusammengefasst: „Ohne Bohl kein Kohl.“

Klarheit und Direktheit sind die Eigenschaften, die im Zusammenhang mit Friedrich Bohl immer wieder fallen. Und  Stompfe bemühte einen Satz des verstorbenen DVAG-Gründers Dr. Reinfried Pohl aus der Festschrift für seinen „langjährigen Freund“ Friedrich Bohl: „Wer in einer verantwortungsreichen Führungsposition kein Menschenfreund ist, der erleidet Schiffbruch.“

von Till Conrad

Festschrift
Festschrift für Friedrich Bohl zum 70. Geburtstag, „Rechtspolitische Entwicklungen im nationalen und internationalen Kontext“, herausgegeben von Professor Dr. Gilbert Hornig in Zusammenarbeit mit Philipp Stompfe, Verlag Duncker und Humblot, 637 Seiten, 99,90 Euro.
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