Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Vermissten Menschen auf der Spur

Personenspürhunde Vermissten Menschen auf der Spur

Zurzeit gibt es in Hessen fünf ausgebildete Personenspürhunde des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). 16 weitere werden gerade ausgebildet und in Zusammenarbeit mit der Polizei eingesetzt.

Voriger Artikel
Name „nicht mehr tragbar“
Nächster Artikel
„Wir müssen Angebote schaffen“

Hund Fido, geführt von Heidrun Wicht, hat die gesuchte Person, Leon Hinterberger, aufgespürt und wird nun von diesem belohnt.

Quelle: Nico Arnold

Marburg. Personenspürhund Fido schnuppert sich beim Training der DRK-Landesstaffel für Personenspürhunde die Universitätsstraße entlang. „Im Mai hat er die polizeiliche Prüfung bestanden“, erzählt Hundeführerin Heidrun Wicht. Seitdem ist er „Mantrailer“. Er sucht gezielt nach vermissten Personen. „Wichtig ist, dass wir eine gesicherte Geruchsprobe und den letzten Aufenthaltsort der Person haben“, erklärt Dr. Christine Elsner vom DRK. Sie leitete das Training. Geruchsproben können Kleidungsstücke, aber auch eine Zahnbürste der Person sein.

Fido verfolgt die Spur eines DRK-Helfers, der sich vor dem Training im Südviertel versteckt hat. Auf Höhe des Kaufhauses Ahrens will der dreieinhalbjährige Schäferhund so abrupt die Straßenseite wechseln, dass Hundeführerin Heidrun Wicht ihn stoppen muss. Eigentlich sei der Helfer dem Gehweg weiter gefolgt, sagte Dr. Elsner. „Aber der Wind weht Teile der Fährte oft fort.“ Immer wieder biegt der Spürhund auch in Hauseingänge ein, merkt dann, dass die Spur endet, kehrt um und sucht weiter. Es komme sogar vor, dass Spürhunde der Fährte auch in Parallelstraßen zum eigentlichen Laufweg der Person folgen.

„Naseleistung, Konzentrationsfähigkeit und Findewille sind die drei Säulen des Mantrailing“, erklärt Dr. Elsner. Die Hunde müssen im Einsatz nicht nur andere menschliche Gerüche ignorieren, sondern auch Imbissstände oder Cafés. „Das ist eine große Gedächtnisleistung.“ Deshalb müssen die Hundeführer ihre Tiere, die sie privat halten, häufig auch außerhalb des Diensts in belebte Gebieten ausführen. Die Hundeführer sind ausgebildete Sanitäter des DRK. Die Hundestaffel des Landesverbands trifft sich monatlich zum gemeinsamen Training. Momentan haben sie 5 ausgebildete Personenspürhunde, 16 andere durchlaufen ihre Ausbildung.

Wenn die Polizei nach vermissten Personen sucht, kann sie die Spürhunde des DRK anfordern. „Wir sind ein zusätzliches Hilfsmittel neben Polizeihubschraubern und Suchtrupps am Boden“, sagt Ulrike Hinterberger vom DRK-Kreisverband Marburg-Biedenkopf.

Während des Einsatzes tragen die Mantrailer ein spezielles Geschirr. „Sie wissen dann, dass sie die Richtung angeben sollen, nicht mehr der Hundeführer. Das ist Teamarbeit“, erklärt Dr. Elsner. Diese müssen ihre Geschwindigkeit dann dem Hund anpassen und lassen ihn laufen. Die Leine bleibt gespannt, damit die Hundeführer die Körpersignale ihrer Tiere bemerken. Sobald die Suche beendet ist, wird das Geschirr wieder abgenommen.

Die gesamte Ausbildung verläuft spielerisch

Schließlich findet Fido seine Zielperson in einer Grundstückseinfahrt im Südviertel. Etwa zehn Minuten hat er für die 600 Meter Fußweg gebraucht.

Die Belohnung für den Hund folgt sofort. Leon Hinterberger, der als Zielperson auf Fido gewartet hat, hat eine ganze Dose Hundefutter bei sich.

Die Ausbildung der Personenspürhunde dauert zwischen zwei und drei Jahren. Die gesamte Ausbildung ist spielerisch angelegt, damit die Hunde besser lernen können. „Die Belohnung ist ganz wichtig“, erklärt Dr. Elsner. „Wenn sie etwas richtig machen, gibt es entweder ein Spielchen mit dem Ausbilder oder Futter.“ Die Ausbildung beginnt mit Maßnahmen zur sogenannten Opferbindung. Dabei lernen angehende Spürhunde, sich nur auf die Personen zu fokussieren, die sie suchen. Sie spielen in dieser Phase mit vielen verschiedenen Personen und müssen diesen ihre bedingungslose Aufmerksamkeit geben wie auch ihrer Fährte im Sucheinsatz. Danach beginnen erste Such­übungen über kurze Distanzen. Später wird die Distanz länger.

„In der Polizeiprüfung müssen die Tiere innerhalb einer Stunde zwei bis vier Kilometer lange Fährten verfolgen“, sagte Dr. Elsner. Wenn sie fertig ausgebildet sind, können sie bis zu sechs Tage alte Fährten erkennen. Alle 18 Monate muss die Prüfung jedoch wiederholt werden.

von Nico Arnold

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr