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Verliebt in „Miss Handwerk“

Dachdecker-Paar Verliebt in „Miss Handwerk“

Dachdeckermeister Yannick Müller ist stolz auf seine Freundin: Auf der Internationalen Handwerksmesse in München wurde die Pfälzerin Sonja Theisen am Sonntag zur „Miss Handwerk“ gekürt.

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Yannick Müller und Sonja Theisen formen mit den Händen ein Herz. Mit einem selbstgemachten Schieferherz eroberte der 22-Jährige aus Nesselbrunn das Herz der Pfälzerin. 

Quelle: Nadine Weigel

Nesselbrunn. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Yannick Schneider aus Nesselbrunn fiel Sonja Theisen unter den rund 100 männlichen Auszubildenden am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen nicht einmal auf. „Ich hatte außerdem nur meine Lehre im Kopf“, sagt Sonja.

Doch dann kam der schüchterne Yannick mit einem Schieferherzchen als Geschenk an - er eroberte ihr Herz. „Das Geschenk hatte mein Lehrer angefertigt. Er wusste, dass ich in Sonja verliebt war und nahm das in die Hand. Ich traute mich ja nicht“, berichtet Yannick Müller. Heute, zweieinhalb Jahre später, ist er nicht mehr schüchtern, sondern stolz: Seine Sonja wurde am Sonntag auf der Internationalen Handwerksmesse zur Miss Handwerk 2013 gekürt.

Unter den anfänglich 200 Bewerbern war sie die Gewinnerin des Preises, der erst zum dritten Mal vergeben wurde und daher noch nicht so richtig bekannt sei in Deutschland, bedauert Yannick.

Der 22-Jährige hofft, dass mit diesem Titel das Handwerk mehr an Anerkennung unter den Menschen in seinem Alter gewinnt. „In Rheinland-Pfalz wird das Handwerk viel mehr beworben“, sagt der Dachdeckermeister und selbstständige Energieberater. Das kann Sonja nur bestätigen. Sie kommt aus dem Ort Monreal nahe Koblenz. Dass sie Dachdeckerin werden möchte, stand für die 21-Jährige schon seit der Kindheit fest. „Ich übe den Beruf dann in der sechsten Generation unserer Familie aus. Wir haben zwar keinen eigenen Betrieb, aber meine Vorfahren waren alle Dachdecker“, sagt sie. Yannick kennt den Beruf auch durch seinen Vater Hans-Werner Müller.

Dachdeckerin in sechster Generation

„Mich fasziniert an dem Beruf, dass man abends sieht, was man gemacht hat. Man steht ganz weit oben und ist immer an der frischen Luft“, strahlt die „Miss Handwerk 2013“. Auch sie möchte einmal ihren Meister machen.

Doch zunächst muss sie ihre Ausbildung beenden. Dann, im Sommer, will sie zu ihrem Freund nach Weimar-Nesselbrunn ziehen. Sie wird im Betrieb der Müllers als Dachdeckerin arbeiten. Ob sie als Kollegen auch so gut harmonieren? Beide bejahen dies wie aus einem Munde. „Wir werden gut zusammen arbeiten können. Wir können uns ja auch im Büro abwechseln und müssen nicht immer alles gemeinsam erledigen“, sagt der 22-Jährige. In dieser Woche können beide ausnahmsweise viel Zeit miteinander verbringen. Der Grund ist nicht nur der Schnee, sondern auch der Gipsarm von Sonja. Sie hat eine Sturzverletzung - aber nicht von der Arbeit.

Der Gips hat ihr am Sonntag aber nicht geschadet. „Der Wettbewerb hat richtig Spaß gemacht. Das war eine tolle Erfahrung. Man kommt herum, macht das Handwerk bekannt und lernt viel Neues“, sagt die Auszubildende.

In Nesselbrunn wird sie ab dem Sommer eine neue Region kennenlernen. Die ländliche Idylle gefällt ihr, auch sie lebt mit ihrer Familie im Grünen. Sonja Theisen hat ihren Freund mit ihrer Begeisterung für den Wettbewerb zur Miss Handwerk angesteckt. Er möchte sich im nächsten Jahr für den Titel „Mister Handwerk 2014“ bewerben. Am Sonntag wurde Fleischermeister Matthias Weiland (26) aus Doberlug-Kirchhain der diesjährige Sieger.

Wie vor zweieinhalb Jahren, als der Lehrer Yannick den entscheidenden Ruck gab, so hat ihn jetzt seine Sonja davon überzeugt, dass er das schaffen kann. Und vor allem wird er dann seine Herzensangelegenheit, das Handwerk unter Schülern in der Region attraktiv zu machen, in die Tat umsetzen.

von Anna Ntemiris

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