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Verkehrs-Analysten raten von Seilbahn-Bau ab

Rückschlag für Wunschprojekt der Grünen Verkehrs-Analysten raten von Seilbahn-Bau ab

Der Plan eines Seilbahn-Baus in der Universitätsstadt steht vor dem Aus. Die von der Stadt beauftragten Verkehrsplaner zur Erstellung des Nahverkehrsplans 2015 bis 2020 raten in ihrer Analyse von einem Bau ab.

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Innovation im Nahverkehr oder unnötiges Transportmittel in Marburg? Der Bau einer Seilbahn auf die Lahnberge wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein sogenannter Steigförderer „erscheint keine geeignete Alternative zu sein“, analysieren die Mitarbeiter des Verkehrsplanungsbüros IGDB. Die Experten haben die Auswirkungen einer Seilbahn auf das lokale Busnetz analysiert.

Ergebnis: Die Integration einer Seilbahn in den ÖPNV „erscheint zwar innovativ“. Jedoch sollte in der Gesamtschau „die Weiterverfolgung eines Seilbahnprojekts überdacht werden“ – „insbesondere unter wirtschaftlichen Erwägungen und der Zielsetzung weitgehend umsteigefreier Angebote für die Fahrgäste“.

Aufgrund der sowohl semester- als auch tageszeitbedingen Schwankungen in der Kunden-Nachfrage, was vom ÖPNV eine hohe Variabilität erfordere, sei eine Seilbahn „keine geeignete Alternative“. Zumal deren Betrieb laut zu prüfendem Konzept in der vorlesungsfreien Zeit aus Kapazitätsgründen eingestellt werden würde. Kapazitätsberechnungen hätten ergeben, dass „trotz einer Seilbahnverbindung der Fahrzeugbedarf nur marginal unter dem einer Busdirektanbindung der Lahnberge“ liege.

Zeitersparnis nur auf einer Strecke

Die Verteilung der Hauptwohngebiete und Reiserouten in Marburg zeige, dass im Falle einer Seilbahn-Realisierung „erhebliche Zu- und Abbringerverkehrsleistungen sowohl zur Tal- als auch zur Bergstation eingerichtet werden müssten“. Das Gutachten zur Seilbahn weise ab Standort Firmanei zur Haltestelle UKGM einen Fahrzeitgewinn gegenüber dem Bus von sechs Minuten auf – An- und Abfahrtszeiten zu den Stopps nicht eingerechnet.

In einem diesen Faktor einbezogenen Reisezeitvergleich zwischen einer möglichen Seilbahn und Stadtbussen auf verschiedenen möglichen Strecken, kommt IGDB zu dem Ergebnis, dass es nur bei einer Verbindung eine vierminütige Zeitersparnis gebe (Sachsenring bis Uniklinikum und/oder Botanischer Garten). Auf den meisten Strecken würde die Nutzung länger dauern als die Fahrt mit dem Bus.

Als einzige Vorteile bezeichnen die Verkehrsplaner die Punkte der höheren Fahrtenhäufigkeit, der Pünktlichkeit und dass die Seilbahn ein „sicher stark beachtetes Alleinstellungsmerkmal im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds“ wäre.

Die Grünen haben indes in ihrem Kommunalwahl-Programm für 2016 ihren Wunsch nach einem Seilbahn-Bau erneuert (die OP berichtete). Es sei ein „innovatives, schnelles Transportmittel, das neben der Entwicklung der Lahnberge auch die Zukunft der Innenstadt stabilisiert“, wie die Stadtverordnete Christa Perabo sagte.

von Björn Wisker

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