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Vergewaltigungs-Prozess: Entscheidung vertagt

Marburger Schöffengericht Vergewaltigungs-Prozess: Entscheidung vertagt

Ohne Urteil endete am Donnerstag eine Verhandlung vor dem Marburger Schöffengericht, bei der sich ein 29-Jähriger wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung verantworten muss.

Marburg. Ohne Urteil endete am Donnerstag eine Verhandlung vor dem Marburger Schöffengericht, bei der sich ein 29-Jähriger wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung verantworten muss. Der Angeklagte überraschte Richter Mirko Schulte mit der Aussage, dass es zum Sex mit der Nebenklägerin gekommen sei, dies jedoch im beiderseitigen Einvernehmen.

Er schilderte die Vorkommnisse am 25. Mai 2008 so: Er habe die damals 27-Jährige erst an dem Abend bei zwei Freunden kennengelernt. Dort habe die Frau auf einem Laptop Bilder gezeigt, die bei einem Fotoshooting gemacht wurden, darunter auch Oben-ohne-Fotos.

Man wollte auf eine Kirmes und ging zuvor in einem Lokal eine Pizza essen. Dort habe man getrunken und getanzt und sich unterhalten. Die Frau habe ihm unter anderem erzählt, dass sie schon mal vergewaltigt worden sei, aber deshalb nichts unternommen habe.

Später hätten sich seine Freunde im Taxi nach Hause fahren lassen. Daraufhin habe die Frau, die im Gießener Raum wohnte, verärgert ihre Sachen beim damaligen Freund abgeholt und dem Angeklagten angeboten, ihn nach Hause zu fahren. Dabei sei sie in einen Feldweg abgebogen. Man sei sich näher gekommen, habe geküsst und sie habe die Initiative ergriffen – erst oral, dann habe sie sich auf ihn gesetzt. Weil im Auto nicht genug Platz war, habe man sich auf die schon leicht feuchte Wiese begeben. Als es stärker anfing zu regnen, habe er vorgeschlagen aufzuhören. Er könne sich nicht erklären, weshalb er der Vergewaltigung bezichtigt werde, könne er doch aufgrund seiner Krankengeschichte niemandem etwas zuleide tun.

Die Version der Nebenklägerin wich von dieser Schilderung in einigen Punkten ab. Die 28-Jährige berichtete, das der Angeklagte ihr beim Pizza-Essen sein Messer anbot, das er bei sich trage. Auch habe er sie durch seine Wegbeschreibung auf den Feldweg gelotst, den Zündschlüssel herumgedreht und aus dem Schloss gezogen. Als er zudringlich wurde, habe sie sich gegen die Autosäule gelehnt und versucht, ihn aus dem Auto zu treten. Dann sei er ums Auto gegangen, forderte von ihr, sich auszuziehen, und als sie dieser Aufforderung nicht nachkam, schlug er sie ins Gesicht. Sie floh, wurde eingeholt und vom Angeklagten durch ein Feld gezogen und schließlich habe er sich an ihr vergangen.

Die beiden Freunde sagten aus, dass sie frühmorgens bei ihrem Freund völlig aufgelöst, durchnässt und verdreckt auf sich aufmerksam machte. Ein Gutachter erklärte, dass die Verletzungen zu den geschilderten Schlägen passen könnten. Die Verhandlung wird am Montag um 10 Uhr im Raum 159 fortgesetzt. Bis dahin wird auch entschieden, ob zwei Beweisanträge der Verteidigung angenommen werden. Zum einen soll der behandelnde Arzt eines Klinikums erklären, ob der Angeklagte aufgrund seiner Krankengeschichte körperlich in der Lage sei, eine Frau über den Boden zu schleifen, zum anderen, ob die Tritte, die die Frau ihm zugefügt haben will, für ihn lebensgefährlich gewesen wären. Staatsanwältin Annemarie Wied lehnt diese als ungeeignet für die Beweisführung ab.

von Gianfranco Fain

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