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Verfahren geht in die Verlängerung

Sozialbetrug Verfahren geht in die Verlängerung

In dem Verfahren vor dem Amtsgericht hat der Anwalt der Angeklagten aufgrund des neuen Vorwurfs eine Vertagung erreicht.

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Eine Mutter von fünf Kindern soll Geld zu Unrecht bezogen haben und muss sich deshalb vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Fünf Kinder als alleinerziehende Mutter zu versorgen ist nicht leicht, weswegen der Staat Bedürftigen mit entsprechender Unterstützung aushilft. Problematisch wird die Situation jedoch, wenn der Vater zwar offiziell von der Mutter getrennt lebt, die Behörden aber den Eindruck haben, dass er doch Teil des Haushalts ist und diesen möglicherweise finanziell mehr unterstützt als angegeben. Einen solchen Fall verhandelte Richterin Melanie Becker am Amtsgericht Marburg. Seit Jahren stand gegen die Angeklagte immer wieder der Vorwurf im Raum, dass der Vater ihrer Kinder doch inoffiziell bei ihr wohnt. Mittlerweile sind einige der Kinder aus dem Haus und die Mutter arbeitet als Regalauffüllerin im Supermarkt. Da sie von diesem Gehalt ihre Familie aber nicht vollständig versorgen kann, beantragte sie auch in den vergangenen Jahren noch entsprechende Unterstützung. Auf einen anonymen Tipp hin, demzufolge der Vater regelmäßig in der Wohnung ein und aus gehe, was vor allem durch dessen markanten Geländewagen auffiel, soll sie dabei pro Jahr rund 2 300 Euro mehr erhalten haben als ihr zustehe.

„Das kommt alles seit Jahren von meinem Bruder, mit dem habe ich schon lange Streit, deswegen ruft der immer wieder bei den Behörden an“, sagte die Angeklagte. Der Vater der Kinder gab selbst an, in der Wohnung lediglich seine Papiere aufzubewahren, da er diese in seinem Eigenheim, einer Gartenlaube, nicht sicher wähnt. „Ich besuche meine Kinder und deren Mutter vielleicht ein-, zweimal die Woche, vor allem um als Vater da zu sein, ist das verboten? Außerdem habe ich überhaupt nicht die Mittel, irgendwen groß zu unterstützen, ich wohne selbst auf 25 Quadratmeter ohne Wasseranschluss“, gab der vermeintliche Untermieter der Beklagten an und bemerkte: „Ehrlich gesagt verstehe ich dieses Aufheben nicht, hat das Gericht nichts Besseres zu tun?“

Die drei Polizisten, die den Fall bearbeitet hatten und als Zeugen geladen waren, berichteten, dass in der Tat häufig das bekannte und erstaunlich hochwertige Fahrzeug des Mannes vor der Wohnung gesichtet wurde, was aber noch nicht beweist, dass sich dieser auch stets zu diesem Zeitpunkt dort aufhielt. Bei anschließenden Durchsuchungen der Wohnung fand sich bis auf die besagten Papiere kein Hinweis auf einen regelmäßigen Aufenthalt.
Da die Staatsanwaltschaft schließlich sogar darüber nachdachte, den Vorwurf des gewerbsmäßigen Betruges zu erheben, erbat Anwalt Thomas Strecker eine Vertagung, um sich auf diese neue Situation vorzubereiten. Diesem Antrag wurde stattgegeben, das Verfahren wird am Donnerstag, 21. Januar, ab 9.30 Uhr im Amtsgericht fortgesetzt.

von Marcus Hergenhan

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