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Vereinigung PriMa will "Sex-Arzt" rauswerfen

Nach Missbrauch eines Drogensüchtigen Vereinigung PriMa will "Sex-Arzt" rauswerfen

Aufgregung unter Marburgs Medizinern: Nach der Verurteilung eines Arztes, der einen Drogenabhängigen mehrfach sexuell missbrauchte, will dieser weiter praktizieren.

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Mitte August wurde das Urteil gegen den Marburger Arzt (links) gesprochen, wenige Tage später legte sein Anwalt Hans-Joachim Wölk Rechtsmittel ein.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Ärztegenossenschaft PriMa hat ein Ausschlussverfahren gegen einen Marburger Arzt (49) eingeleitet. „Er ist nicht mehr tragbar, wir wollen ihn nicht mehr in der Genossenschaft haben. Alles was wir machen, soll dem Wohl des Patienten dienen. Da ist es keinem vermittelbar, wie so jemand bei PriMa bleiben dürfte“, sagt Dr. Hartmut Hesse, Vorstandsvorsitzender. Einstimmig haben seiner Aussage zufolge Vorstand und Aufsichtsrat diesen Beschluss gefasst.

PriMa hat nach eigenen Angaben aktuell 264 Mitglieder. Schon nach der Urteilsverkündung - gegen das Strafmaß legte der Täter Rechtsmittel ein - reagierte Prima, bat den Arzt zum freiwilligen Austritt. Das habe dieser abgelehnt, darauf verwiesen, dass er nicht rechtskräftig verurteilt sei, Einspruch gegen das Urteil eingelegt worden sei.

Der 49-Jährige ist Mitte August vom Amtsgericht des mehrfachen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Arzt-Patientenverhältnisses (Paragraf 174c, Strafgesetzbuch) schuldig gesprochen worden. Urteil: ein Jahr und zehn Monate Haftstrafe auf Bewährung und 10 000 Euro Geldstrafe.

PriMa rechnet mit Rechtsstreit

„Die Ausnutzung beruflich bedingter Abhängigkeitsverhältnisse, die ja selbstverständlich auch im Bereich privater Beziehungen auftreten können, ist nicht nur absolut unprofessionell, sondern bekanntlich strafbar“, heißt es von PriMa auf OP-Anfrage. „Das Urteil erscheint uns der Gesetzes- und Beweislage angemessen.“

Ein Mitte 2013 wegen Kindesmissbrauch verurteilter Mediziner aus Marburg ist nach PriMa-Angaben nach dessen Verurteilung - auf Bitten der Organisation - freiwillig ausgetreten. Im Fall des 49-Jährigen gehen die Prima-Ärzte nicht von einem freiwilligen Austritt aus, sie glauben, dass dieser einen Rechtsstreit anstreben werde. „Wir werden 100-prozentig auf einem Ausschluss behaaren, auch wenn wir uns mit seinen Anwälten auseinandersetzen werden müssen“, sagt Hesse.

Unabhängig von einem Gerichtsentscheid über eine Straftat kann bei einem Arzt die zuständige Landesärztekammer (LÄK) immer ein Berufsgerichtsverfahren zum Entzug der Approbation einleiten. Die LÄK bestätigt auf OP-Anfrage, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden ist. „Ärztinnen und Ärzte dürfen im Umgang mit Patientinnen und Patienten sexuelle Kontakte weder aufnehmen noch dulden“, zitiert eine Sprecherin die Berufsordnung.

Frage der Approbation noch unbeantwortet

Der Marburger Mediziner muss mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro rechnen - die LÄK kann zudem nach einer Prüfung zu der Feststellung gelangen, dass „ein Berufsangehöriger unwürdig ist, den Beruf auszuüben“, wie Maren Grikscheit, LÄK-Sprecherin sagt.

Für die Frage nach einer möglichen Entziehung der Approbation sei indes das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) und für die vertragsärztliche Zulassung die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) zuständig. Dort sollen bereits Beratungen zu den während des mehrwöchigen Prozesses aufgedeckten Vorfällen in der Universitätsstadt laufen.

von Björn Wisker

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