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Verein vermittelt Freunde fürs Leben

Kontaktbörse für Behinderte Verein vermittelt Freunde fürs Leben

Der Verein Spectrum koordiniert deutschlandweit das Projekt „Best Buddies“. In den USA boomt die Vermittlung von Freunden seit Jahren, nun soll von Marburg ­ausgehend die Inklusion vorangetrieben werden.

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Ezne Hopkins (rechts) unterstützt Christina Gerke, Chao Feng (rechts hinten) verbringt Zeit mit Jörg Schlienbecker.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Acht Freundschafts-Paare haben sich in Marburg in den vergangenen Monaten getroffen und gefunden. Ein Buddy-Tandem bilden Christina Gerke (45) und Ezne Hopkins.„Zusammen singen wir in einem Chor, dabei kann ich überhaupt nicht singen“, sagt die 27-Jährige. „Es ist einfach eine Bereicherung, Dinge zu tun, die man sonst nie gemacht hätte“, sagt die Engländerin.

Ihre Freundin Gerke lacht und sagt: „Bei allem Bemühen, aber ich singe auch nicht gut.“ Der vor einigen Monaten geknüpfte Kontakt zu Hopkins sorge für mehr Abwechslung in ihrer Freizeit, „macht einfach Spaß“. Sei es beim Muffins backen, beim Filmeschauen im Kino oder eben im Chor. Die Kontakte vieler Behinderter seien häufig beschränkt auf Wohnheim und Werkstätten, sagt Tim Thielicke, Spectrum-Geschäftsführer.

„Wir wollen die Leute rausholen aus den Sonderwelten, aus dem Verhältnis Behinderter und Betreuer, Hilfsbedürftiger und Vormund. Es sollen sich Freundschaften auf Augenhöhe entwickeln, zwischen Menschen, deren Interessen und Hobbys sich decken.“

So, wie zwischen Jörg Schlienbecker (39) und Chao Feng. „Als Ausländer, der neu in der Stadt ist, ist das Programm eine tolle Möglichkeit, jemanden kennenzulernen“, sagt der 28-Jährige. Schlienbecker zweifelte zunächst: „Ich war skeptisch, dachte so, naja, ob das auf diese Weise funktioniert“, sagt er.

Zwei Mal pro Monat soll sich jedes Duo treffen

Er habe aus Jugendzeiten zwar noch einen guten Bekannten, aber für die Stammtische bei Spectrum, die vermittelte Freundschaft zu Feng, ist er dankbar. Schlienbecker schrieb kürzlich seine erste E-Mail auf chinesisch. „Mit Hilfe eines Übersetzers“, gesteht er. „War doch witzig, ich habe alles verstanden“, sagt Feng. Der Chinese und Schlien­becker frotzeln gerne.

„Er hat mir aus Asien ein Geschenk mitgebracht. Ich kenne den Sinn davon nicht, aber beim Anschauen im Schrank sieht es gut aus“, sagt der 39-Jährige. Ohnehin entwickele er durch Feng einen Asien-Faible. „An der Gegend habe ich nie Interesse gehabt, aber jetzt überlege ich, ob wir irgendwann mal zusammen in seine Heimat fliegen“, sagt er. Vorher steht noch kochen auf dem Programm – natürlich chinesische Küche.

Der Marburger Verein Spectrum, um die neue Best-Buddies-Geschäftsführerin Catrin Dankowski, startet das Projekt neu. Denn bereits 2005 gab es so einen Verein, doch dessen deutschland- weite Ausbreitungsversuche scheiterten. Die ersten Erfolge stellen sich Thielicke zufolge bereits ein. In verschiedenen Städten gibt es die ersten Best-Buddy-Paare.

Diese sind an Grund-, Regel- und Hochschulen oder in Vereinen verankert – oder werden ohne übergeordnete Organisation zwischen Bürgern vermittelt. Ein Jahr lang, mindestens zwei Mal pro Monat, soll sich jedes Duo treffen, zudem ebenso oft telefonieren oder sich Nachrichten schreiben. Sinn der Freundschaften zwischen Nicht-Behinderten und Geistig- sowie Lernbehinderten ist es, die Inklusion zu verstärken.

  • Mehr Infos, etwa über die Teilnahme oder Spendenmöglichkeiten, unter Telefonnummer 0 64 21 / 1 68 92 58 oder im Internet unter www.bestbuddies.de

von Björn Wisker

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