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Verein tritt für anerkannte Form der Sexarbeit ein

Vortrag Verein tritt für anerkannte Form der Sexarbeit ein

Notwendiges Übel. Schleichendes Gift der Gesellschaft. Schutz der bürgerlichen Frau vor der männlichen Triebhaftigkeit. Solche und ähnliche be- und verurteilende Bezeichnungen wurden und werden im Zusammenhang mit Prostitution häufig genutzt.

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Theodora Becker referierte auf Einladung des Zentrums für Gender Studies im Hörsaalgebäude.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Wie Theodora Becker in ihrem Vortrag „die (un) kontrollierte Frau“ im Hörsaalgebäude referierte, wurde gerade der Widerspruch aus akzeptierter Notwendigkeit und Verurteilung bereits im 19. Jahrhundert heftig diskutiert.

Becker hielt den Vortrag, der vom Zentrum für Gender Studies arrangiert wurde, vor allem als Mitglied des Vereins Hydra, der sich seit 1980 für die rechtliche und soziale Gleichstellung von Sexarbeiterinnen mit anderen Erwerbstätigen einsetzt. Um ihr Philosophiestudium zu finanzieren, arbeitete Becker seinerzeit selbst zehn Jahre lang gelegentlich als Prostituierte in der Schweiz, wo diese Tätigkeit als Beruf deutlich klarer anerkannt und geregelt ist.

Im Feminismus besteht große Uneinigkeit darüber, wie mit dem Thema Prostitution umzugehen ist. „Viele Feministinnen kämpfen energisch für die totale Abschaffung, während wir für eine selbstbestimmte, sichere und anerkannte Form der Sexarbeit eintreten“, sagte Becker. In ihrem Vortrag behandelte sie chronologisch, wie der deutsche Staat seit dem 19. Jahrhundert mit dem Thema verfuhr, mal mehr, mal weniger reglementiert, immer mit einer gewissen pragmatischen Akzeptanz, meist jedoch einhergehend mit klarer moralischer Verurteilung.

Auch außerhalb von Deutschland gibt es wenig Konsens. In den nordischen Ländern ist die Arbeit erlaubt, die Freier machen sich aber strafbar, während in Frankreich zwar die Tätigkeit direkt nicht belangt wird, aber jegliche Form finanzieller Unterstützung als Zuhälterei geahndet werden kann, selbst dann, wenn die Mutter ihren Sohn unterstützt.

Auch in Deutschland liegt der Fokus vor allem auf der Bekämpfung von Zuhälterei und Menschenhandel, wobei aus Sicht von Hydra die Anerkennung als Erwerbstätigkeit und Sozialversicherungspflicht zwar zu begrüßen ist, das neue Prostituiertenschutzgesetz aber kritisch gesehen wird.

Forderung nach Bordellen ohne Zuhälter

„Es steht zu befürchten, dass vor allem die ohnehin gefährdeten Frauen in den prekären Niedriglohnbereichen darunter leiden werden, weil die Auswahl durch die Eindämmung der erlaubten Zonen geringer wird. Außerdem werden die geforderten Interviews durch die Polizei oft nicht viel nützen und vermutlich eher als Gängelung empfunden“, sagte Becker.

In der anschließenden Diskussion gab es von den rund 100 Besuchern vorrangig zustimmende Aussagen. Darüber hinaus wurden vor allem Forderungen nach klareren Regeln, Bordellen ohne Zuhälter sowie besserem Mutter- und Zeugenschutz geäußert.

von Marcus Hergenhan

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