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Vaupel zu Kahle:"Haben Marburg vorangebracht"

Abschied vom Bürgermeister Vaupel zu Kahle:"Haben Marburg vorangebracht"

Ein halbes Jahr lang will Alexander Müller dem Noch-Bürgermeister Dr. Franz Kahle nach seinem Ausscheiden aus dem Amt Zeit geben, dann muss der wieder ran.

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Dr. Christa Perabo, Dr. Franz Kahle, Nadine Bernshausen, Egon Vaupel und Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne bei der Abschiedsparty für Kahle.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Müller (62), von 1985 bis 1992 Stadtrat für Umwelt und Soziales in Marburg, dann unter anderem Fraktionsvorsitzender der hessischen Grünen im Landtag, Staatssekretär im hessischen Umweltministerium und im Bundesumweltministerium und von 2006 bis 2013 stellvertretender Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), machte bei einem Fest der Marburger Grünen für den scheidenden Bürgermeister deutlich, dass für ihn die Kommunalpolitik die Erfahrungen für die Lösung globaler Probleme birgt.

Insofern werde Kahle noch gebraucht, sagte Müller. Er erinnerte an das Thema „Erneuerbare Energien“, eines der zentralen Handlungsfelder des Bürgermeisters. Mit seiner Solarsatzung zur Förderung der Solarenergie schaffte­ er es sogar auf die Titelseiten von Frankfurter Allgemeine Zeitung und New York ­Times. Die Satzung wurde wegen des Widerstands der Landesregierung nicht umgesetzt, das Thema Solarenergie ist aber aus der täglichen politischen Diskussion nicht mehr wegzudenken. „Das sind Auseinandersetzungen, die in der Kommunalpolitik ausgefochten werden“, sagte Müller.

"Tiefe und lange Spuren"

Auch die Seilbahn ist so ein Thema, bei dem sich Kahle­ nicht durchsetzen konnte. „Aber“, so Alexander Müller, „dass verkehrliche Infrastruktur jenseits der Straße möglich ist, ist in der Marburger Kommunalpolitik verankert.“ „Man braucht ­Ideen, um ein Gemeinwesen voranzubringen.“

Und Einsatz: Das Engagement von Franz Kahle für den fairen Handel, unter anderem mit der Anerkennung der Stadt Marburg als „Deutschlands Hauptstadt des fairen Handels 2009“ ausgezeichnet, vor allem aber die Kinder- und Jugendpolitik Kahles in der rot-grünen Koalition mit der Schaffung Hunderter neuer Betreuungsplätze und sein Eintreten für hohe energetische Standards bei den städtischen Gebäuden seien „tiefe­ und lange Spuren“, die Kahle hinterlassen hat, sagte Müller.

Er will seinen Parteifreund deshalb nicht so einfach in den politischen Ruhestand abtreten lassen. Ein halbes Jahr dürfe er sich Zeit zum Regenerieren nehmen, dann müsse er sich fragen lassen, wie er seine Aufgabe erfüllen will, sein Wissen und seine Erfahrung für die Lösung der globalen Herausforderungen einzubringen.

Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel, im Übrigen einziger Sozialdemokrat bei der Feier, brachte die Zusammenarbeit mit Kahle so auf den Punkt: „Wir haben Marburg vorangebracht - Rot-Grün hat Marburg gut ­getan.“ Vaupel erinnerte augenzwinkernd an die „hohen Investitionssummen“, die die Koalition (vor allem im Dezernat Kahles) aufbringen konnte,­ und sagte,­ wohl mit Blick auf die politische Situation nach seinem Ausscheiden Ende 2015, „wir haben es geschafft, persönliche Animositäten außen vor zu lassen.“ Dass sein Abschiedsgeschenk an seinen früheren Stellvertreter in rotes und schwarzes Geschenkpapier eingepackt war, war da wohl eher ein Versehen als ein wie auch immer gemeinter Fingerzeig.

"Es war ein großer Spaß"

Einer der frühesten Weggefährten Kahles ist Frank Schwalba-Hoth. Schwalba-Hoth gründete 1980 die Grün-Bunt-Alternative Liste (GBAL) an der Marburger Uni, der der junge Franz Kahle alsbald beitrat und für die er 1983/1984 Präsident des Studentenparlaments und 1984/1985 Asta-Vorsitzender war. Schwalbe-Hoth, den es nach seiner Marburger Zeit ins Europaparlament zog und der heute in Brüssel als erfolgreicher Umweltlobbyist arbeitet, schlug Kahle für den Alternativen Nobelpreis vor.

„Es war ein großer Spaß“, charakterisierte Kahle selbst seine 16-jährige Amtszeit als Stadtrat und Bürgermeister. Wie die nun ende, das ärgere ihn aber. Ihren Kurswechsel habe die SPD sachfremd begründet, etwa mit der Notwendigkeit die Kinderbetreuungsgebühren zu erhöhen - „keine sechs Monate später aber will der Oberbürgermeister die Betreuung ganz kostenfrei machen, das passt nicht zusammen.“

Und schließlich formulierte­ Kahle so etwas wie sein politisches Vermächtnis, vielleicht auch in Replik auf Alexander Müllers Laudatio: „Wer, wenn nicht die Öffentliche Hand, geht beim Weg in die Zukunft voran?“

Und Kahle wäre nicht Kahle,­ hätte er die Gelegenheit ausgelassen, noch einmal eine Spitze gegen den SPD-Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies loszulassen: „Unter Kindern ist es normal, dass man sich gegenseitig Bauklötzchen wegnimmt. Wenn aber einer von 12 Bauklötzchen 12 haben möchte, macht das den anderen keinen Spaß mehr.

von Till Conrad

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