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Vaupel will Machbarkeitsstudie

Eintunnelung der B3 Vaupel will Machbarkeitsstudie

Ist die Idee, in Marburg 2029 die Bundesgartenschau zu veranstalten, schon zu den Akten gelegt, ehe sie richtig an Fahrt gewinnt? Diskutieren Sie mit - für diesen Artikel sind die Kommentare aktiviert.

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Quelle: Vera Lehmann

Marburg. Die Antwort des Magistrats auf eine kleine Anfrage des Grünen-Stadtverordneten Dietmar Göttling legt dies zumindest auf den ersten Blick nahe: „Sind die Marburger Vorschläge zur Einhausung/Untertunnelung der Stadtautobahn in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen?“, wollte Göttling wissen - und erhielt von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) die Antwort: „Nein, um eine Aufnahme zu beantragen, bedarf es der Abstimmung mit der Bundes- und Landesstraßenverwaltung.“

Zum Hintergrund: Das Bundesministerium für Verkehr hat im Juni die Projektvorschläge für den Bundesverkehrswegeplan 2015 veröffentlicht, die nun - auch unter Einbeziehung einer Verkehrsprognose für das Jahr 2030 - bewertet werden sollen. Die Aufnahme in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans ist in der Regel Voraussetzung für die mittelfristige Realisierung des Projekts. Die Vorschläge aus Hessen beziehen sich unter anderem auf den Bau der A49 von Schwalmstadt bis zum Anschluss an die A5, aber auch auf Projekte wie den zehnstreifigen Ausbau des Frankfurter Kreuzes.

Die Einhausung der Stadtautobahn ist in den Vorschlägen des Landes nicht enthalten. Sie ist aber zentraler Bestandteil der städtischen Bewerbungsstrategie für die Bundesgartenschau (Buga) 2029. Durch Tieferlegung der B3 zwischen der Wilhelm-Röpke-Straße und der Konrad-Adenauer-Brücke und die Integration des Geländes, auf dem heute noch die Phil-Fak-Türme und die Unibibliothek stehen, ergebe sich „Potenzial für ein innenstadtnahes, neues Stadtquartier an der Lahn“, heißt es in der Konzept-idee der Stadt Marburg.

Entstanden war die Idee von der Tieferlegung (und Einhausung) der B3 ursprünglich in der „Bürgerinitiative Stadtautobahn“, die seit Jahren gegen den von der Straße ausgehenden Lärm ankämpft. Seit 2013 haben sich auch die städtischen Gremien die zunächst utopisch klingende Forderung nach einer Einhausung der Straße zueigen gemacht. Dass die Eintunnelung der B3 nun nach Lage der Dinge nicht im Bundesverkehrswegeplan 2015 steht, ist „kein Todesurteil“ für die Pläne, sagt Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und zuständig für Verkehrspolitik. Es gebe die Möglichkeit, in besonderen Fällen das Bauprojekt nachträglich in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. Der nächste Bundesverkehrswegeplan wird allerdings erst in 10 bis 15 Jahren aufgelegt. Bartol sieht Berlin nicht im Zugzwang: „Der Bund hat ja eine Straße, die funktioniert“, sagte er mit Blick auf die B3. Vielmehr sei es an der Stadt zu überlegen, was sie benötige, um sich erfolgversprechend für die Buga 2029 zu bewerben. „Die Stadtgesellschaft muss sich darüber im Klaren sein, ob sie die Eintunnelung will“, sagte Bartol.

Wille der Bürger muss deutlich werden

Erste Überlegungen in dieser Richtung gibt es bereits - durch Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen, die sich in Semesterarbeiten mit Strategien und Kosten für die Eintunnelung beschäftigten. Durch die finanziellen Mittel, die durch die Buga zur Verfügung stehen könnten, ergebe sich die Chance, die Untertunnelung eines Abschnitts der B3 umzusetzen, hatte die Stadt betont. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) sieht die Buga aber vor allem als eine Chance, die Stadt und ihre Infrastruktur weiterzuentwickeln und die Lebens- und Aufenthaltsqualität langfristig zu erhöhen. „Mag sein, dass die Stadtgesellschaft für die Eintunnelung kämpfen muss“, sagte das Stadtoberhaupt in der vergangenen Sitzung des Parlaments. Vor diesem Hintergrund habe sich die Stadtspitze entschieden, zunächst den Bürgerbeteiligungsprozess abzuschließen und anschließend eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, sagte Vaupel der OP.

Auch Bartol empfiehlt, dass die städtischen Gremien zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Eine solche Machbarkeitsstudie würde mögliche technische, vor allem aber auch finanzielle Fragestellungen zu untersuchen haben.

Vaupel jedenfalls glaubt nach wie vor, dass die zweite Hälfte der 20er Jahre ein guter Zeitraum für große Stadtentwicklungsprojekte ist. In diesem Zeitraum habe die Stadt „eine Chance für Großes“, die nur alle 500 Jahre kommt, sagte Vaupel auch mit Blick auf den 500. Jahrestag der Universitätsgründung im Jahr 2027. „Im Zuge der Vorbereitungen auf die Feiern wird schon deutlich werden, dass die Zerschneidung der Stadt mit der ältesten protestantischen Universität der Welt nicht geht.“

Der Unterstützung von Bartol kann sich die Stadt im Falle einer Initiative für die Eintunnelung sicher sein. „Natürlich würde ich einen solchen Vorstoß unterstützen“, sagte er der OP.

BI fordert von Al-Wazir Tempo 80 auf der B3

Die Bürgerinitiative Stadtautobahn hat unterdessen den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einem Schreiben ermuntert, die Lärmbelastung durch die B3 schnell zu verringern. Entsprechende Zusagen aus der Zeit vor der Landtagswahl sollen „endlich“ in die Tat umgesetzt werden.

Die Bürgerinitiative (BI) Stadtautobahn fordert die sofortige Einführung einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde (km/h) für Pkw und 60 km/h für Lkw. Diese Idee müsse auf der Stadtautobahn von Wehrda bis Cappel umgesetzt werden - „entsprechend dem bereits 1998 gefassten Beschluss der Marburger Stadtverordnetenversammlung“.

Bei einem Tempolimit für die Stadtautobahn handle es sich „um eine Maßnahme, die praktisch kostenneutral umzusetzen wäre (und übrigens bei einer Tunnelführung sowieso notwendig wäre).“ Die Durchfahrtzeiten durch den Bereich der Marburger Innenstadt würden sich laut Bürgerinitiative um etwa zwei Minuten verlängern - „zumutbar“, wie die BI findet.

von Till Conrad

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