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Vaupel hält sich jetzt lieber aus der Politik raus

Interview mit Ex-OB Vaupel hält sich jetzt lieber aus der Politik raus

Egon Vaupel fühlt sich vom Wählerwillen geehrt und hat sich entschieden: Er will nun im Ruhestand keine Politik mehr betreiben, dafür aber ehrenamtliche Kinder- und ­Jugendarbeit.

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Ex-OB Egon Vaupel im Interview mit OP-Redakteurin Anna ­Ntemiris.

Quelle: Thomas Breme/mr-media

Marburg. OP: Was machen Sie jetzt eigentlich?
Egon Vaupel: Ich habe mich entschieden, nicht mehr politisch tätig zu sein. Das bedeutet für mich auch, dass ich mein Mandat nicht annehme. Dass ich von Listenplatz 59 auf 3 gerutscht bin, macht mich dankbar und freut mich sehr. Aber ich halte mich aus der Marburger Politik raus, denn ich möchte Konflikte meiden. Dafür werde ich mich aber besonders der ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit widmen. Das macht unheimlich Spaß, ich fördere Kinder und Jugendliche gern und dabei lerne ich viel Neues. Ich habe jetzt einige Tage die U13-Basketballerinnen und die U13-Fußballer in Marburgs Partnerstadt Sibiu in Rumänien begleitet. Als Ziel habe ich mir vorgenommen, Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien bis zum Abitur beziehungsweise einem qualifizierten Berufsabschluss zu begleiten.

OP: Das klingt ambitioniert. Werden Sie immer noch als der OB angesehen, werden Ihnen da Türen geöffnet, wo andere nicht durchkommen?
Vaupel: Ich mag es nicht, wenn ich anders behandelt werde. Ja, es gibt Menschen, die noch denken, dass ich der OB bin und mich als solchen ansprechen oder bei mir anrufen. Das ehrt mich natürlich und so weit ich kann, unterstütze ich auch. Ich nutze meine freie Zeit, um Dinge zu machen, für die ich bisher zu wenig Zeit hatte.

OP: Die Stadt Marburg hat Einbußen in der Gewerbesteuer. Was raten Sie Ihrem Nachfolger?
Vaupel: Er hat reagiert, das ist richtig. Er schaut jetzt alle Projekte und geplanten Ausgaben nochmal durch. Ich hatte im ersten Jahr als OB auch kurzzeitig eine Haushaltssperre verhängen müssen. Es gab das gleiche Prozedere. Zu den einzelnen finanzpolitischen Entscheidungen möchte ich mich nicht äußern. Generell sollte die Stadt jedoch auf den Erhalt der Willkommens- und Integrationskultur, der sozialen, sportlichen und kulturellen Infrastruktur und das politische Klima gerade auch gegenüber den Ehrenamtlichen und der Wirtschaft in Marburg achten.
OP: Sie galten als volksnah, aber auch als wirtschaftsfreundlich. Was meinen Sie konkret mit dem Klima gegenüber der Wirtschaft?
Vaupel: Ich erinnere an die öffentliche Diskussion um die Investitionen und den Umgang mit der Unternehmerfamilie Pohl. Die frühere Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der jetzige hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) haben mir gegenüber, gerade im Umgang mit der Spende, ihr Unverständnis geäußert. Wir können froh sein, dass die Familien Pohl in Marburg leben und investieren. Dies gilt für alle Selbstständigen, gerade auch am Pharmastandort. Wir müssen darauf achten, dass die Rahmenbedingungen für Investitionen erhalten bleiben und somit der Standort weiter gestärkt wird.

von Anna Ntemiris

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