Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Vaterunser verbindet Christen weltweit

Hans-Martin Barth präsentiert sein neues Buch Vaterunser verbindet Christen weltweit

„Das Vaterunser zwischen Religionen und säkularer Welt“: So heißt das Buch, das der emeritierte Marburger Theologie-Professor Hans-Martin Barth 
am Donnerstag in der Buchhandlung ­Elwert/
Lehmanns vorstellt.

Voriger Artikel
Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien
Nächster Artikel
Horst Mania bleibt Ortsvorsteher in Moischt

In einer Ausstellung in der katholischen Marburger Kirche St. Peter und Paul symbolisierten lebensgroße Silhouetten religiöse Rituale wie beten. Um das Vaterunser geht es im Buch von Hans-Martin Barth.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Vaterunser ist das am weitesten verbreitete 
Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testaments Jesus von Nazaret selbst seine Jünger gelehrt hat. Es wird von Christen aller Kirchen und Konfessionen gebetet, von den meisten auch im Gottesdienst.

„Wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch das Vaterunser“, bilanziert Hans-Martin Barth in einem soeben erschienen Buch über das Gebet. „Nicht das Glaubensbekenntnis ist allen Kirchen gemeinsam, sondern das Vaterunser“, meint der emeritierte Marburger Theologie-Professor.

Auf 222 Seiten untersucht er in seiner Auseinandersetzung mit dem Vaterunser (Gestaltung: Nicola Ohlen) die existenzielle Bedeutung dieses universellen Gebets. Zugleich fragt er nach der möglichen Bedeutung des Textes angesichts der nicht zu verleugnenden Tatsache, dass immer weniger Menschen heutzutage beten oder sich als Gläubige begreifen.

So fragt Barth nach, ob das Vaterunser in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts auch Atheisten oder Angehörigen anderer Weltreligionen Trost und Zuversicht spenden könne oder eine Einladung darstellen könne, „dem Leben zu vertrauen“.

Im Vorwort macht der Theologe zunächst aber auch deutlich, dass ihm ganz persönlich das Vaterunser weniger gesagt habe als mancher Chroraltext. Und selbst für seinen Vater, einen „frommen fränkischen Pfarrer“ sei das Vaterunser wohl in erster Linie ein Element der 
Liturgie (Gottesdienstordnung) gewesen.

Entschlüsselung der Bedeutungsvielfalt

Zudem kritisiert Barth die „Unsitte“, das Vaterunser im Gottesdienst als Zusammenfassung vorangegangener Gebete „in wenigen Atemzügen herunterzubeten“. Denn man könne in der Eile die Bedeutung des Gebetstextes gar nicht erfassen. In diesem Sinne sei also das 
Vaterunser ein „gemarterter, malträtierter Text“.

Im Folgenden nimmt sich Barth aber viel Zeit, um die hinter den einzelnen Zeilen versteckte Bedeutungsvielfalt zu erklären und entschlüsseln. Das beginnt schon am Textanfang mit der Frage, ob es überhaupt einen (Gott)-Vater im Himmel gibt.

Bedeutet das Reich Gottes, dass dem Gebet zufolge kommen soll, nur eine innere Haltung oder ist damit ein Plädoyer 
für gesellschaftliche Veränderungen hin zu einem Paradies auf Erden gemeint? „Unser tägliches Brot gib uns heute“: Die vierte Bitte des Vaterunser gibt Barth Raum zu Assoziationen rund um die Themen „Nahrung und Religion“, Hungersnöte, kultiviertes Essen und Fastenzeit.

„Die einzelnen Bitten haben ihre je eigene Aufgabe in den unterschiedlichen Situationen des Lebens“, bilanziert der Marburger Theologe. „Sie umgeben uns als die Fülle all dessen, worauf wir hoffen und wonach wir greifen können“. Immer wieder setzt Barth die Aussagen in den Textzeilen auch in Zusammenhang mit Kernaussagen anderer Weltreligionen wie des Buddhismus oder des Islams.

Barth kontert Kritik an seinem Buch

Aber kann das Vaterunser auch Menschen inspirieren, die allem Religiösen ablehnend oder kritisch gegenüberstehen? Das Vaterunser als „unausgeschöpftes Weltkulturerbe“? Aus Sicht des religionskritischen Marburger Philosophen Dr. Joachim Kahl stellt Barths Buch einen „untauglichen Rettungsversuch“ dar, wie er in einer Rezension schreibt. Bei Barth bleibe nur „die Allerweltsweisheit, beten sei ein Ausdruck menschlicher Sehnsucht“.

Barth hält den Einwänden Kahls entgegen: „Für ein Gebet, das weltweit von vielen hundert Millionen Menschen allsonntäglich gebetet wird, muss man keine Rettungsversuche unternehmen“.

Die Lesung von Barth findet bei freiem Eintritt am Donnerstag, 12. Mai, ab 20 Uhr in der Marburger Buchhandlung 
Elwert/Lehmanns in der Reitgasse statt.

  • Hans-Martin Barth: Das Vaterunser zwischen Religion und säkularer Welt. Gütersloher Verlagshaus. 222 Seiten. 19,99 Euro.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr