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Vater und Sohn müssen in Haft

Schläger-Prozess Vater und Sohn müssen in Haft

Seit Ende Oktober mussten sich ein Familienvater aus Marburg, zwei seiner Söhne sowie ein Bekannter wegen Raubes und Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

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Raub und Körperverletzung lauteten die beiden Anlagepunkte.

Quelle: Archiv

Marburg. Zwei letzte Zeugen machten am letzten Prozesstag Angaben über den Anklagepunkt der Körperverletzung während einer Schlägerei in der Nähe der Weidenhäuser Brücke Anfang des Jahres. Einer der angeklagten Brüder soll dem Geschädigten einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so eine Zeugin. Welcher der beiden den Angriff ausführte, wisse sie jedoch nicht mehr. Eine weitere Zeugin bestritt hingegen eine Beteiligung des älteren Bruders an der Prügelei.

Bevor die Beweisaufnahme geschlossen wurde, ließ der Bekannte der Familie durch seine Rechtsanwältin erstmals eine Erklärung abgeben: Laut Anklage war der 18-Jährige an einem gemeinschaftlich begangenen Raub eines Handys beteiligt gewesen. Er gab zu, der betroffenen Jugendlichen das Handy abgenommen zu haben, allerdings unter der Annahme, das Telefon gehöre einer gemeinsamen Bekannten, der er das Handy zurückgeben wollte.
Umfangreich gestaltete sich schließlich die Verlesung der Einträge des Bundeszentralregisters aller vier Angeklagten. Während der 18-Jährige bereits wegen Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis, der 16-Jährige wegenKörperverletzung sowie gemeinschaftlichen Diebstahls vor Gericht standen, ergab der Auszug der anderen Beschuldigten einen umfangreicheren Straftatbestand.

Vater hat 21 Eintragungen im Vorstrafenregister

Insgesamt 21 Eintragungen befinden sich im Register des Familienvaters aus den vergangenen 30 Jahren. Er stand bereits wegen räuberischer Erpressung, gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, gemeinschaftlichen Raubes und gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht. Zum Tatzeitpunkt befand er sich wie sein älterer Sohn innerhalb einer Bewährungsfrist.
Der 19-Jährige wurde bereits wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Diebstahls und Hausfriedensbruchs verurteilt. Zum ersten Mal straffällig wurde er vor fünf Jahren, nach der Scheidung seiner Eltern, berichtete die Jugendgerichtshilfe. Die Trennung habe den Jugendlichen sehr belastet, auffälliges Verhalten, anhaltender Drogenkonsum und Probleme in der Schule folgten. Allerdings habe ihn die monatelange Untersuchungshaft scheinbar „geläutert“.

Kurz zuvor befand er sich in einem kritischen Stadium, drohte erneut in die Kriminalität abzurutschen, bestätigte auch ein Mitarbeiter der Bewährungshilfe. Die Haft kam quasi „zur rechten Zeit“, habe den Heranwachsenden „sehr beeindruckt“. Er habe nach wie vor ein Drogenproblem sowie eine geringe Frustrationstoleranz, wolle jedoch weitere soziale Hilfe in Anspruch nehmen. Dem 18-jährigen Angeklagten bescheinigte die Jugendgerichtshilfe eine äußerst positive Entwicklung der vergangenen Jahre.

Verteidiger fordern Freispruch und Bewährung

Der Hauptanklagepunkt des Verfahrens war eine Auseinandersetzung zwischen dem Vater und seinen beiden Söhnen mit einem anderen Mann, der während einer Schlägerei im Norden Marburgs massive Kopfverletzungen erlitten hatte. In ihrem Plädoyer bezeichnete Staatsanwältin Annemarie Petri den vorherigen Streit zwischen den drei Jugendlichen als „Vorgeplänkel von entscheidender Bedeutung“ in diesem Fall.
Die „aggressive Situation“ habe sich immer weiter aufgebaut, die Beweisaufnahme erwiesen, dass beide Brüder auf den Mann eingeschlagen hätten. Auch der lange umstrittene Schlag des Vaters mit dem Besenstiel sei aufgrund der Zeugenaussagen sowie der Art der Verletzung eindeutig.

Dem widersprach Verteidiger Markus Plettenberg und forderte einen Freispruch. Sein Mandant sei weder in Schlagreichweite gewesen, noch seien die Aussagen der Zeugen eindeutig. Auch Verteidiger Thomas Strecker betonte verbleibende Zweifel bei anderen Anklagepunkten und sprach sich für eine weitere Bewährungsstrafe des älteren Sohnes aus. Dieser sehe ein, dass er selbst Mitschuld an der Misere trage. Aufgeben dürfe man ihn jedoch nicht, „er hat seine Lektion gelernt“, betonte der Rechtsanwalt.

Das Jugendschöffengericht sah fast alle Anklagepunkte als erwiesen an und verurteilte den 19-Jährigen wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen sowie unter Einbeziehung des vorherigen Urteils zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Der Vorsitzende Richter Cai Adrian Boesken sah „keinen Raum für weitere Bewährung“. Dem Heranwachsenden seien bereits „so viele Chancen“ eingeräumt worden, die er nicht genutzt habe.

Der Vater wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Der 16-jährige Sohn erhielt für eine Körperverletzung sowie gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen eine zweijährige Bewährungsstrafe im Rahmen einer Schuldfeststellung sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit als Auflage. Er habe nun die Chance zu beweisen, dass keine schädlichen Neigungen vorliegen, betonte der Richter.
Der 18-jährige Bekannte muss wegen Raubes in einem minderschweren Fall einen viertägigen Kurzarrest antreten.

von Ina Tannert

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