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Vater sieht seine Kinder beleidigt und rastet aus

Aus dem Amtsgericht Vater sieht seine Kinder beleidigt und rastet aus

Weil er grundlos einen im Haus arbeitenden Techniker angegriffen und dem Mann mehrere Tritte versetzt haben soll, muss sich ein Marburger wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.
Der geschädigte Hauptzeuge erschien trotz Ladung nicht vor Gericht. Die Verhandlung wurde auf Mittwoch, 13. August, um 11.30 Uhr vertagt.

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Weil ein Techniker die Kinder eines 34-jährigen Mannes angeschrieen habe, trat der Vater zu und muss sich nun vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

Quelle: Marcus Fuehrer / Pixelio.de

Marburg. Anfang September vergangenen Jahres holte der Marburger morgens seine beiden Kinder in der Wohnung der Mutter ab. Im Flur des Mehrparteienhauses wurden die Kinder anscheinend etwas lauter, was einen gerade im Treppenhaus arbeitenden Techniker störte. Dieser habe lautstark nach Ruhe verlangt, „er fing richtig an zu schreien, meine Kinder waren geschockt“, gab der 34-jährige Vater an.

„Meine Kinder schreit man nicht an“, erklärte der Angeklagte. Nachdem er den Techniker nach dem Grund für sein Verhalten gefragt hatte, versuchte dieser an ihm vorbei zu gehen. Der Vater stellte sich ihm in den Weg, drängte ihn zurück, schleuderte ihn gegen das Treppengeländer und die Hauswand.

Es folgte ein lautstarker Streit, währenddessen der aufgebrachte Angeklagte sein Gegenüber zu Boden warf. Zugetreten oder gegen den Kopf geschlagen habe er nicht. „Es war wie ein Ringkampf, ich wollte ihn nicht verletzen“, betonte der 34-Jährige. Der andere Mann soll durch die Auseinandersetzung mehrere Hämatome und Schürfwunden erlitten haben. Im Anschluss habe man sich schließlich „einvernehmlich getrennt“, der Geschädigte begab sich zu einem Kollegen, der im Keller des Hauses arbeitete, so der Beschuldigte.

Arbeits- oder Turnschuhe?

Misstrauisch sei er ihm jedoch gefolgt, traf auf den zweiten Mitarbeiter. Schließlich stellte sich heraus, dass nicht der Geschädigte, sondern der Kollege die Kinder angeschrien und nach Ruhe verlangt hatte. Nach dessen Eindruck habe der Familienvater kurz davor gestanden, auch ihn „anzufassen“, gab der Zeuge an. Sein Mitarbeiter habe weiter arbeiten können, jedoch über Schmerzen geklagt.

Von der Auseinandersetzung bekam der Techniker im Keller wenig mit, konnte sich lediglich an „ein ausgestrecktes Bein“ erinnern, das er durch das Treppengeländer gesehen haben will. „Ich vermute, der Mann wollte nach meinem Kollegen treten“, sagte der Zeuge. Ob er aus seiner Position heraus überhaupt etwas sehen konnte, bezweifelte die Verteidigung und schlug eine Einstellung des Verfahrens vor.

Dies lehnte Rechtsreferendar Robert Müller als Vertreter der Staatsanwaltschaft ab. Hauptstreitpunkt vor Gericht sind die Schuhe, die der Angeklagte trug. Der Zeuge erinnerte sich an „feste Arbeitsschuhe“. Strafrechtlich können solche als gefährliches Werkzeug gelten – das Strafmaß damit entsprechend erhöhen. Dem widersprach der Angeklagte: Er habe Turnschuhe getragen und nicht getreten.

Dass die Situation dermaßen ausartet, habe er nicht gewollt, sich später schriftlich bei dem Geschädigten entschuldigt und ein kleines Schmerzensgeld angeboten. Der geschädigte Hauptzeuge erschien trotz Ladung nicht vor Gericht. „Ohne Zeuge geht es nicht weiter“, entschied Richterin Melanie Schweiger und vertagte die Verhandlung auf Mittwoch um 11.30 Uhr.

von Ina Tannert

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