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Unzufriedenheit trotz Zugeständnissen

Kifög Unzufriedenheit trotz Zugeständnissen

Etwa 100 Marburger - die meisten von ihnen Erzieherinnen - waren am Dienstag mit dabei, als in Wiesbaden gegen das anstehende hessische Kinderförderungsgesetz (Kifög) demonstriert wurde.

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An der Demonstration in Wiesbaden nahmen auch Marburger Erzieherinnen teil.

Quelle: Foto: Kristina Gerstenmaier

Marburg. Trotz der Zugeständnisse vonseiten der Landesregierung sehen die Demonstranten weiterhin die Notwendigkeit zu protestieren. „Das zentrale Problem, nämlich, dass einer Kindergruppe nur bei einer Gruppengröße von 25 Kindern die vollen Fördermittel zugesprochen werden, bleibt weiterhin bestehen“, sagt Julian Jaedicke von der Gewerkschaft „Verdi“ Mittelhessen. Denn mit dem neuen Gesetz sollen die Kindergruppen nicht mehr wie bisher pro Gruppe, so dass die Kinderanzahl selbst festgelegt werden kann, sondern pro Kind bezuschusst werden.

Langfristig habe dies Auswirkungen auf Fördermöglichkeiten des Kindes und in der Konsequenz auch auf den Personalschlüssel. Deshalb lohne es sich weiterhin zu protestieren, um wenigstens den Status Quo der Kinderbetreuung oder gar Verbesserungen zu erhalten, so Jaedicke.

Wer will da den Job noch machen?

Auch viele der Marburger Erzieherinnen stehen dem Gesetzentwurf trotz der Absage gegenüber fachfremdem Personal von 20 Prozent und dem Zugeständnis einer geringeren Gruppengröße von 12 Kindern für U3-Gruppen weiterhin skeptisch gegenüber. Cordula Tschierschnitz ist „Verdi“-Mitglied und arbeitet seit über 20 Jahren als Erzieherin in einem Marburger Kindergarten. Neben allen anderen Kritikpunkten sieht sie vor allem den Erzieher-Nachwuchs gefährdet.

Es gebe jetzt schon einen Mangel an Erzieherinnen. Aber unter den geplanten Bedingungen sieht sie eine weiter abnehmende Bereitschaft, den Beruf zu erlernen. Die Bedingungen dafür seien jetzt schon skandalös, sagt sie. Die Bezahlung sei schlecht, und Förderungsmöglichkeiten für die Kinder bezeichnete sie aufgrund struktureller Mängel als unzureichend.

In den vergangenen 20 Jahren, in denen sie in ihrem Beruf arbeitet, hätten sich die Bedingungen zwar allmählich verbessert. Und 2009 hätten die Erzieherinnen auch das Gefühl gehabt, endlich wahrgenommen zu werden. „Aber nur vier Jahre später kommt so etwas wie das Kifög. Wir waren fassungslos“, sagt sie. Der Gesetzentwurf habe große Unruhe unter die Erzieherinnen gebracht.

„Ich sehe für den Elementarbereich schlechte Jahre auf uns zukommen. Und irgendwann werden wir in die Situation kommen, dass wir Nicht-Fachkräfte nehmen müssen“, sagt Tschierschnitz.

von Kristina Gerstenmaier

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