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Unterstützung für den Vitos-Wald

Vogelschutz Unterstützung für den Vitos-Wald

Ein neues Gutachten von Marburgs Vogelschutzbeauftragtem Dr. Martin Kraft listet genau auf, welche Vogelarten durch die Bebauung des Vitos-Parks gefährdet wären.

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Der Wald auf dem Vitos-Gelände: Hier leben viele seltene Vogelarten, die bedroht wären, wenn hier wie geplant Wohnungen entstehen würden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Etwa 200 Wohnungen sind im Vitos-Park geplant, aber die Auseinandersetzungen um die Bebauung sind wenige Wochen vor der geplanten Beschlussfassung durch das Parlament noch immer nicht beendet.

Mehrere Anwohner und Vertreter von Bürgerinitiativen haben beim Verwaltungsgericht Gießen im Juni eine Anfechtungsklage gegen die Rodungsgenehmigung des Kreises vom Januar eingelegt. Zudem ist beim Verwaltungsgericht ein einstweiliges Rechtsschutzverfahren angestrengt, so etwas wie ein Antrag auf eine einstweilige Verfügung. Darüber könnte im September entschieden werden, sagte der Pressesprecher des Verwaltungsgerichts, Reinhard Ruthsatz, der OP.

Eines der Hauptargumente der Kläger: Die Rodungsgenehmigung ist nicht an Bedingungen geknüpft, theoretisch könnten also nach Ende der Schutzzeit Bäume im Vitos-Park fallen, obwohl es noch keine Baugenehmigung für das umstrittene Wohnungsprojekt gibt.

„Der sehr gesunde und dichte Wald hat für das Wohngebiet am unteren Richtsberg und für das Klinikgelände wichtige und wesentliche mikroklimatische Funktion“, sagen die Kläger. Er sorge für Kühle und Feuchte, er schlucke Staub, Schadstoffe und Schall und er schütze vor Wind und unerwünschten Einblicken.

„Die Klimaextreme der letzten Wochen“, darauf weist Johannes Linn, Mitglied des Naturschutzbeirats, hin, „weisen auf dramatische Klima-Änderungen hin.“ Der Erhalt des wüchsigen Roteichenwaldes als Kohlendioxidsenke an der vielbefahrenen Cappeler Straße mit hohen Kohlendioxid-Emissionen sei ein regionaler guter Schritt zu mehr Klima- und Naturschutz.

Experte findet weitere gefährdete Arten

Nun erhalten die Gegner der Vitos-Bebauung auch offiziell Rückendeckung von Marburgs Vogelschutzbeauftragtem Dr. Martin Kraft. Ein von dem Kläger Dr. Andreas Matusch in Auftrag gegebenes Gutachten, das der OP vorliegt, bestätigt das, was Dr. Kraft schon im Frühsommer vermutet hatte: den Vogelreichtum im Vitos-Park. Im Roteichenwald des Vitos-Parks leben 64 Brutvogelarten mit 256 Revieren, davon 47 Brutvogelarten mit 72 Revieren im Roteichenwald. Von den Arten der Hessischen Roten Liste wurden insgesamt 19 festgestellt, wovon 12 Arten auf den Roteichenwald entfallen.

Kraft fand in seinen acht Begehungen von Juni bis August 2015 je ein Paar des streng geschützten Wendehalses sowie der gefährdeten Arten Türkentaube und Gartenrotschwanz. Auf der Vorwarnliste für gefährdete Arten stehen Hohltaube, Kuckuck, Mittelspecht, Pirol, Klappergrasmücke, Kernbeißer, Stieglitz und Feldsperlinge, die Kraft ebenfalls nachweisen konnte. Kraft ermittelt damit etwa doppelt so viele schützenswerte Vogelarten wie das ornithologische Gutachten, das die Vitos-Klinik in Auftrag gegeben hatte.

Linn kündigte an, das Gutachten unverzüglich dem Naturschutzbeirat vorzulegen. Er will erreichen, dass der Beirat seine bisher zustimmende Haltung zu dem Bauprojekt revidiert. Kraft sieht in einer möglichen Rodung einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) konnte am Montag spontan nicht sagen, warum das Gutachten von Kraft einen doppelt so großen Artenreichtum nachweist wie das Ursprungsgutachten, das von dem Planungsbüro des SPD-Stadtverordneten Matthias Simon stammt. Sämtliche Gutachten würden aber in die weitere Planung wie auch in die politische Diskussion einfließen, sagte Vaupel.

von Till Conrad

 
Hintergrund
Für den Bau von Wohnungen auf dem Gelände zwischen Cappeler Straße und Friedrich-Ebert-Straße sollen etwa 1,9 Hektar Wald im südwestlichen Teil des Vitos-Parks gerodet werden. Die Offenlage des Bebauungsplans ist abgeschlossen, nach der parla­mentarischen Sommerpause soll der Bebauungsplan in die Beschlussfassung durch das Stadtparlament gehen.
 
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