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"Unsere Vielfalt ist unsere Stärke"

Benefizveranstaltung "Unsere Vielfalt ist unsere Stärke"

Die Deutsch-Kurdische Juristenvereinigung hat zu einer Benefizveranstaltung zugunsten von Frauen und Kindern in den vom IS angegriffenen Städten Shingal und Kobane eingeladen.

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Auch zu Rapklängen kann man, ebenso wie zuvor zu kurdischer Traditionsmusik, in der Runde tanzen. Auf der Bühne (von links) Rapper Servan mit seiner Mutter Hozan Hediye, die traditionelle kurdische Lieder sang, und Rapper Mefyn.

Quelle: Manfred Schubert

Elnhausen. „Die Kinder, die hier lachen, die fröhlichen Gesichter, geben mir die Hoffnung, dass wir am Ende die Gewinner dieser Sache sein werden“, erklärte Ferhat Akman, nachdem er zwei Kurzfilme über die Zerstörungen und die schlimme Lage der Menschen in Shingal (Irakisch-Kurdistan) und Kobane (Syrisch-Kurdistan) gezeigt hatte. Während der Benefizveranstaltung in der Mehrzweckhalle Elnhausen betonte er aber auch: „Ich bin ein Kind von Amnesty International. Ich möchte als Kurde kein Kurdistan ohne Menschenrechte, ohne Frauenrechte oder ohne Klärung und Schutz der Rechte der Minderheiten.“

Aslan Kizilhan zeigte einen Bericht von seiner Reise mit der Gesellschaft Ezidischer Akademiker nach Shingal und über die katastrophale Lage in den Zelt-Flüchtlingslagern im Irak und der Türkei. Nach dem mittlerweile 74. Genozid an den Eziden gebe es nur noch etwa eine Million von ihnen, vor 100 Jahren waren es noch zwei Millionen. „Wenn sie überleben sollen, müssen sie ein autonomes Gebiet im Irak haben, das sie verwalten und wo sie sich schützen können“, sagte er.

Unterschiedliche Ansichten und Religionen seien keine Schwäche

Zehnah Sino appellierte an die Kurden, dass alle ihre Fähigkeiten gebraucht würden. „Wir sind Deutsche, die kurdische Werte mit ihrer Vielfalt in sich tragen. Es ist keine Schwäche, dass wir unterschiedliche Ansichten und Religionen haben, wir müssen uns für Kurdistan, Eziden, Moslems und Christen einsetzen. Unsere Vielfalt ist gerade unsere Stärke, wir müssen sie nur nutzen“, mahnte sie zum Zusammenhalt.

In der anschließenden Diskussion der drei Referenten unter der Moderation des Journalisten Enno Lenze unterstrich Akman nochmals seine Forderung nach einer Positionierung der Kurden in der Frage der Minderheitenrechte, forderte aber auch: „Ich kann in der Türkei nicht friedlich leben, ich will ein freies Kurdistan.“

Kizilhan erklärte, die nach dem Ersten Weltkrieg von den Kolonialmächten willkürlich mit dem Lineal gezogenen Grenzen würden jetzt neu gezogen, die vielen Minderheiten, Religions- und Volksgruppen in Kurdistan müssten sich jetzt organisieren und um ihre Rechte kämpfen. „Es muss kein unabhängiges Kurdistan sein, wir müssen in kleinen Schritten denken und uns gegenseitig respektieren. Alle, auch in den umliegenden Ländern, müssen in Freiheit leben“, sagte er.

Tanz zu traditioneller kurdischer Musik und Rap

Umrahmt wurde die Veranstaltung in der von 200 Gästen gefüllten Mehrzweckhalle von musikalischen Beiträgen, in denen sich ebenfalls eine große Vielfalt widerspiegelte. Hozan Hediye sang beispielsweise traditionelle kurdische Lieder, bevor ihr Sohn Servan mit seinem Kollegen Mefyn und der Gruppe „Freefighter Musik“ aus Stuttgart politischen Rap in deutscher Sprache vortrug. „Wir sind keine Terroristen, wir sind Kurden, wir könne genauso wenig dafür, als Kurden geboren zu sein, wie Deutsche, als Deutsche geboren zu sein“, rief Servan.

Mehrmals erhoben sich viele Gäste, die Frauen teils in farbenprächtigen traditionellen kurdischen Kleidern, und tanzten vor der Bühne einen Rundtanz. Weiter traten die Rapper S. Castro, Koma Tore, Koma Sor und Sänger Dindar auf.

von Manfred Schubert

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