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Unser Schlagerstar für Hamburg

René Weiß Unser Schlagerstar für Hamburg

In seiner Heimat kennt man ihn als Norman, in der Schlagerszene ist der Rauschenberger unter dem Namen René Weiß auf dem Sprung zum großen Erfolg.

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Norman Merkel-Herwig alias René Weiß in Ralf Erkels Tonstudio in Lahntal-Goßfelden. Morgen wird er beim Schlagermove in Hamburg  vor Tausenden singen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich glaube, ich habe schon gesungen, bevor ich sprechen konnte“, sagt Norman Merkel-Herwig. Seine Eltern haben Schlager gehört und so konnte auch er sich immer schon mit der Musik identifizieren. Vor allem Andrea Berg beeindruckte Merkel-Herwig als Jugendlichen. Die Königin des deutschen Schlagers war damals sehr populär und „da bin ich einfach mitgegangen“, sagt der junge Rauschenberger. Morgen geht für ihn ein Traum in Erfüllung. Er wird bei der größten Schlagerveranstaltung Deutschlands, dem Hamburger Schlagermove auftreten.

Sechs bis achttausend Menschen werden  ihm zuhören und hoffentlich applaudieren. „Natürlich habe ich Lampenfieber – natürlich habe ich schon überlegt, was wäre, wenn keiner klatscht“, sagt er. Aber diese Ängste gehören dazu. „Wer sagt, dass er kein bisschen nervös ist vor so einem Auftritt, der lügt“, ist sich Merkel-Herwig sicher. Er findet es sogar gut, dass er noch Lampenfieber verspürt: „Sonst hätte ich wahrscheinlich zu niedrige Ansprüche an meine Arbeit.“

Der Auftritt beim Schlager­move ist der Höhepunkt seiner jungen Karriere. Sie begann vor einem Jahr bei seiner Hochzeit. Hundert Mal gesungen, hundert Mal ist nichts passiert – aber an diesem Tag war außer Familie und Freunden auch der Produzent Ralf Erkel dabei. Erkel spielte bei der Hochzeit mit seinen Bandkollegen von den Zillertalern und fand gut, was der Bräutigam da spontan auf die Bühne brachte. „Ich habe ihm ein Demotape geschickt, er hat mich ins Studio eingeladen und dann ging es auch schon los.“ Erkel hat sein Studio in Lahntal-Goßfelden und nennt sich nicht aus Selbstüberschätzung „Hitproduzent“: Er hat schon für Tic Tac Toe und Gildo Horn gespielt, für eine Produktion mit Letzterem sogar einen Echo bekommen.

Hitproduzent Erkel nutze seine Kontakte

Ohne einen Produzenten hätte Merkel-Herwig wohl kaum eine Einladung zum Schlagermove bekommen. „Da muss man sich bewerben. Mit einer Art Bewerbungsmappe – mit Songs und möglichst auch mit Videos“, erklärt er. Mit dem Hitproduzenten an der Seite kein Problem: Erkel komponierte und er stellte auch den Kontakt zu Deutschlands – wie Merkel-Herwig sagt – aktuell erfolgreichsten Liedtexterin her. Jutta Staudenmayer hat im Jahr 2011 den „Musikautorenpreis der Gema“ bekommen und ihrer Website zufolge schon mehr als 900 Titel veröffentlicht. Merkel-Herwigs Staudenmayer-Song gehört noch nicht dazu. Bei allem, was er im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat, fehlt nämlich noch ein wichtiger Schritt: „Ich habe noch keine eigene CD im Handel. Für den großen Vertrieb braucht man eben auch einen großen Investor, eine Plattenfirma. Deutschlandweit veröffentlichen ist unglaublich teuer“, sagt Merkel-Herwig. In der Tat ist das OP-Video aus dem Lahntaler Tonstudio die erste Veröffentlichung zumindest eines Teils seines Repertoires.

Von der Musik leben kann Weiß noch nicht

Im Gegensatz zu anderen Musiksparten ist deutscher Schlager auch heute noch wirtschaftlich erfolgreich. Die deutsche Sprache ist ein wichtiger Teil des Erfolgs. „Der moderne Pop-Schlager ist vor allem im ländlichen Bereich verbreitet. Dass auf einer Burschenschaftsparty  Helene Fischer aufgelegt wird, ist deutlich wahrscheinlicher, als dass man sie in einem Frankfurter Club hört“, sagt Merkel-Herwig.
Obwohl die Plattenverkäufe im deutschen Schlager unter Youtube, iTunes, Spotify und Konsorten nicht annähernd so stark gelitten haben wie in anderen Sparten, bleibt das professionelle Musikerdasein für Merkel-Herwig vorerst ein Traum. Ein Zeichen seiner Professionalisierung wird er aber bald schon im Portemonnaie mit sich herumtragen: Auf der Bühne heißt Norman Merkel-Herwig jetzt René Weiß.

Und der Künstlername kommt bald auch auf seinen Personalausweis. Zu Anfang sei es noch ungewohnt gewesen, sich mit dem neuen Namen vorzustellen, aber inzwischen habe er sich daran gewöhnt. „Pseudonyme sind im Schlager üblich. Der Name sollte hohen Wiedererkennungswert haben, er muss einfach sein und am liebsten deutschsprachig“, sagt Merkel-Herwig. Namen wie Berg, Fischer oder eben Weiß. Seinen Vornamen konnte er nicht verwenden, weil es mit Norman Langen schon einen Norman im Schlager gibt. „Das sind  Marketing-Fragen“, sagt Merkel-Herwig und macht den Eindruck, dass es ihm gleich ist, wie er heißt, solange er singen kann. Mit dem Vornamen „René“ hat es aber doch eine tiefere Bewandtnis: „Ein Freund, der vor fünf Jahren tödlich verunglückt ist, hieß René. Deshalb fand ich den Vorschlag „René Weiß” sofort gut. Das klang in dem Moment wie eine Bestimmung für mich.“

Von Thomas Strothjohann

  • Morgen geht es drum. Wenn der Rauschenberger vor dem großen Publikum besteht ist wohl auch die eigene Platte nicht mehr weit. In der Region wird René Weiß als Nächstes auf den Christopher Street Days in Frankfurt am Main (19. bis 21. Juli) und Kassel (24. August) auftreten.
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