Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Unschuldigen ins Gefängnis gebracht

Aus dem Amtsgericht Unschuldigen ins Gefängnis gebracht

Der 37-jährige Marburger musste sich wegen falscher Verdächtigung und Freiheitsberaubung verantworten. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis.

Voriger Artikel
Einheit ist so bunt wie die Vielfalt
Nächster Artikel
Laufen für den guten Zweck

Die Verhandlung fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Erklärung des Angeklagten war kurz und knapp. „Er hat mir mehrmals Geld gestohlen. Ich war sauer. Daher wollte ich mich an ihm rächen“, erklärte er zu Beginn des Strafprozesses vor dem Marburger Amtsgericht.

Die Rache des 37-Jährigen an seinem ehemaligen Mitbewohner ging aber nach hinten los.

Als er wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz im September 2013 eine polizeiliche Aussage tätigte, gab der Angeklagte gegenüber der Polizei an, dass sein Mitbewohner ihm große Mengen an Betäubungsmitteln verkauft habe. Aufgrund von Fluchtgefahr nahm die Polizei den Mitbewohner in Untersuchungshaft. Doch diesen traf nicht die geringste Schuld.

Staatsanwalt Nicolai Wolf ging mit dem Angeklagten hart ins Gericht: „Sie haben billigend in Kauf genommen, dass Sie einen Unschuldigen hinter Gittern bringen.“

„Als ich zwölf war, habe ich mit Marihuana angefangen“

Weil der Vater des zu Unrecht im Gefängnis Sitzenden 20000 Euro Kaution hinterlegen konnte, kam dieser nach nur zehn Tagen Haft wieder auf freien Fuß. „Wäre dies nicht geschehen, hätte dieser Mann mehrere Monate in Untersuchungshaft sitzen können“, führte Staatsanwalt Wolf dem 37-Jährigen vor Augen.

Dass sein ehemaliger Mitbewohner aufgrund seiner Aussage in Untersuchungshaft musste, habe er erst „viel später“ erfahren - er befand sich damals selbst im Gefängnis.

Daraufhin entlastete der 37-Jährige seinen Ex-Wohnungsgenossen in einem Brief ans Amtsgericht. Zu dem Zeitpunkt war dieser bereits wieder auf freiem Fuß.

„Ich hätte früher gehandelt, wenn ich das gewusst hätte“, beteuerte der Angeklagte vor Gericht.

Der Angeklagte war der Justiz bereits bekannt. Vor mehr als 20 Jahren war der 37-Jährige zum ersten Mal strafrechtlich in Erscheinung getreten - meist wegen Drogenhandels.

„Als ich zwölf war, habe ich mit Marihuana angefangen. Mit 14 kam dann Chemisches wie LSD dazu“, sagte er. Einige Jahre später fügte er seinem Bundeszentralregistereintrag mehrere Einträge wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung hinzu.

Er „scheint Warnsignale nicht zu begreifen“

Seine Freundin war das Opfer. Während der Taten stand der Mann fast ausschließlich unter massivem Drogeneinfluss.

Weil Geld-, Bewährungs- und bereits eine Gefängnisstrafe anscheinend keine Wirkung erzielt hatten, wollte sich Staatsanwalt Wolf nicht erneut auf eine Strafaussetzung einlassen. „Der Angeklagte scheint Warnsignale nicht zu begreifen und versteht es prächtig, der Gesellschaft auf der Nase herumzutanzen“, sagte er.

So sah es auch das Schöffengericht um Richter Thomas Rohner, das eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten sowie eine achtmonatige Bewährungsstrafe verhängte - eine Gesamtstrafe unter Berücksichtigung vorangegangener Verhandlungen.

von Benjamin Kaiser

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr