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Unruhige Zeiten verängstigen Urlauber

Tourismus Unruhige Zeiten verängstigen Urlauber

Die jüngsten Attentate sowie die politisch unruhige Situation machen sich auch in den heimischen Reisebüros bemerkbar.

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Wunderschön, und trotzdem derzeit nicht hoch im Kurs bei deutschen Touristen: Urlaub in der Türkei, wie zum Beispiel hier an der lykischen Küste.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Angst sei bei den Kunden spürbar, sagt Susann Lau vom Reisebüro „Hai Travel“ in Kirchhain. 80 Prozent der Türkei-Reisen seien umgebucht worden. Besonders Familien seien sehr vorsichtig. Das bestätigt auch Maren Becker vom Reisebüro Stingel in Cappel. Reisen von Großeltern mit ihren Enkeln in die Türkei würden überhaupt nicht mehr gebucht, so Becker. Sie berichtet auf Anfrage auch davon, dass die Reisenden Angst haben, dass am Flughafen etwas passiert: „Es gibt viele Nachfragen.“ Paare seien hingegen mutiger, ebenso Reisende, die immer das gleiche Ziel wählen. „Eingefleischte Türkeifans fliegen trotzdem“, sagt die Reiseverkehrskauffrau. Auch Laura Rösser vom Marburger Reisebüro Mundial sagt: „Wer immer fährt, fährt trotzdem.“ Die Auswahl an möglichen Zielen sei aber zurzeit eingeschränkt.

Umbuchen ist nicht immer einfach möglich

Die beliebtesten Reiseziele seien gerade Spanien und Italien, erläutert Rösser. Auch Buchungen nach Griechenland seien gestiegen, so die Auszubildende. Bei „Hai Travel“ in Kirchhain ist die Anzahl der Griechenland-Reisen sogar um das Vierfache gestiegen, wie berichtet wird. Neben Mallorca werde gerade Bulgarien immer beliebter – vor allem weil bei vielen Reisezielen die Preise angestiegen seien. „Die Türkei war halt immer günstig.“ Die Türkei sowie Ägypten und Tunesien, wo es im vergangenen Jahr Anschläge gab, seien dieses Jahr sehr unbeliebt, heißt es aus allen drei Reisebüros. „Alle wollen nach Spanien“, sagt Maren Becker.

Am Montag wurde bekannt gegeben, dass Tui gebuchte Reisen in die Türkei bis zum 31. August kostenlos umbucht oder storniert. Zuvor hatte das Auswärtige Amt seinen Sicherheitshinweis dahingehend aktualisiert, dass es für Personen sowohl mit deutscher als auch mit türkischer Staatsangehörigkeit durch die Notstandsregelung in der Türkei Reisebeschränkungen bei der Ausreise geben könne.

Eine Umbuchung sei aber nicht immer einfach möglich, bestätigen die Reisebüros, die das für die Kunden übernehmen. Die Umbuchungsgebühr könne je nach Veranstalter 30 bis 40 Prozent des Reisepreises betragen, bestätigt Maren Becker. Es gebe aber Reiseveranstalter, wie Ögertours, die Sonderkonditionen bei Umbuchungen von Türkeireisen anbieten. Sie empfiehlt ihren Kunden für Reisen in die Türkei, Ägypten oder Tunesien eine sogenannte „Flex-Option“, mit der bis zu zehn Tage vorher eine kostenlose Umbuchung möglich sei.

Die Nähe lockt mehr als die Ferne

Eine Reiserücktrittsversicherung greife bei Reisen etwa an die türkische Riviera nicht, betont Susann Lau, da es für diesen Zielort keine aktuelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gebe. Die genauen Konditionen legen aber die Veranstalter fest, so Laura Rösser vom Reisebüro Mundial. Eine Sonderregelung gebe es laut ihren Informationen nur für Istanbul. Ankara sei in ihrem Reisebüro nicht gefragt. Ausdrücklich gewarnt wird vor sogenannten
„X-Reisen“, die besonders günstig über Internet-Portale erhältlich sind. Diese Reisen seien überhaupt nicht umbuchbar. Beim Umbuchen sei man auf jeden Fall an den gewählten Reiseveranstalter gebunden, sagt auch Maren Becker.

„Die meisten würden jetzt gerne in Deutschland bleiben“, berichtet Susann Lau von „Hai-Travel“. Doch die Pauschalreisen könnten nur auf eine andere umgebucht werden, und diese beinhalten keine Ziele innerhalb Deutschlands. Bei Neubuchungen sieht sie einen Anstieg der Nachfrage nach Reisen im Inland, etwa in Ferienhäuser oder in kleineren Hotels. Auch Maren Becker vom Reisebüro Stingel bestätigt, dass Reisen innerhalb Deutschlands sehr gefragt seien. „Da ist kurzfristig aber kaum was zu kriegen“, sagt Becker.

Situation wirkt sich auf den Flugverkehr aus

Insgesamt seien die Reisen in die Türkei stark zurückgegangen, berichtet Maren Becker. Die geringe Auslastung führe auch dazu, dass nicht alle Hotels vor Ort wirklich geöffnet seien. Wenn eine Kette am Strand in der Türkei drei Hotels führe, könne es sein, dass nur eines geöffnet ist und die Touristen das Hotel dann wechseln müssen, erklärt sie. Ebenso können sich die Abflugzeiten der Flüge wegen der Situation ändern. Die Reisenden würden aber rechtzeitig vor der Abreise darüber informiert, erläutert Becker.

Während es aus Kirchhain heißt, Städtereisen nach Paris würden überhaupt nicht mehr gebucht, scheint die
Lage in Marburg ruhiger. „Disneyland ist trotzdem beliebt“, sagt Maren Becker. Städtereisen seien aber allgemein weniger ein Geschäft für Reisebüros, wo eher Pauschalreisen gebucht würden.

von Mareike Bader und unserer Agentur

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