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„Unmut über die Verhältnisse wächst“

DGB zum 1. Mai „Unmut über die Verhältnisse wächst“

„Gute Arbeit. Sichere Rente. Soziales Europa.“ Unter diesem Motto stehen die Mai-Veranstaltungen des DGB. Wie immer findet in Marburg eine Demonstration mit Kundgebung und Mai-Feier statt.

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Quelle: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

Marburg. „Immer mehr Menschen wird wieder bewusst, dass der 1. Mai weit mehr ist als ein arbeitsfreier Tag“, sagt Pit Metz, Vorsitzender des DGB Kreisverbandes Marburg-Biedenkopf. Und warum? „Weil der Unmut über die Verhältnisse wächst.“ Überall. Nicht nur in Südeuropa, auch hier in Deutschland. Metz: Es wird immer deutlicher zu erkennen.

„Die Reichen und Superreichen kriegen den Hals nicht voll, während Menschen, die Vollzeit arbeiten, ihre Lebenshaltungskosten nicht aufbringen können“, sagt Metz und schluss­folgert: „Der Mindestlohn muss her.“

Dann holt er aus zur Generalkritik: „Noch immer gibt es zu wenige Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche. Fünf Millionen Menschen arbeiten zu Stundenlöhnen unter 8,50 Euro. Das Aufstocken dieser Hungerlöhne kostet sieben Milliarden Euro im Jahr.“

Ebenso müsse die Leiharbeit in Deutschland ein Ende finden. Metz: „Die Leiharbeit wurde eigentlich in Schweden erfunden. Allerdings wurden damit nur die Spitzen von Produktionstagen abgefangen und die Leiharbeiter erhielten 125 Prozent als Lohn.“

Viele Menschen lernten jetzt sehr schmerzlich, dass man für seine Rechte auf die Straße gehen muss. Und so bekommen auch die Gewerkschaften wieder Aufwind. Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär der DGB-Region Mittelhessen, sagt: „Wir verzeichnen 1,5 Prozent realen Zuwachs bei den Gewerkschaften. Der DGB-Bezirk Hessen-Thüringen hat viermal so viele Mitglieder wie alle Parteien in Hessen und Thüringen.“

Und weiter führt er aus: „Auch die sichere Rente ist für uns ein Hauptthema. Jahrelange Rentenkürzungen, Massenarbeitslosigkeit und die Ausbreitung von Niedriglöhnen haben sich auf das Rentenniveau ausgewirkt.“ Die Rente mit 67 sei nichts anderes als ein „gigantisches Rentenkürzungsprogramm“. Immelt: „Für uns Gewerkschaften gilt: Rente muss zum Leben reichen.“

Und dann wäre da noch der wache Blick auf Europa. Wie weit es beispielsweise schon mit Griechenland gekommen ist, hat Ulrike Eifler am eigenen Leib erfahren: „Dort haben 2000 Schulen geschlossen. Kinder bleiben zu Hause, werden nicht mehr unterrichtet, weil die Eltern kein Geld haben, die Fahrkarte für den Schulbus zu finanzieren. Wer im Krankenhaus behandelt werden will, muss Verbandszeug selbst mitbringen.“

„Dort gibt es noch nicht einmal Seife an den Waschbecken der Toilettenräume. Untersuchungen finden einfach so auf dem Gang statt“, schildert sie das, was sie selbst erlebt hat. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 60 Prozent dramatisch hoch. Eine ganze Generation werde um ihre Möglichkeiten gebracht.

Die DGB-Senioren bieten morgen ab 17 Uhr im Bürgerhaus Cappel eine Veranstaltung mit Gregor Gysi, dem Fraktionsvorsitzenden der Partei Die Linke im Deutschen Bundestag.

„Das ist der Auftakt eine kleinen Reihe“, sagt Julius Klausmann vom Senioren-Leitungsteam. Für ihn ist klar, dass bei den Landtagswahlen in Hessen ein Wechsel herbeigeführt werden muss. „Dazu haben wir Vertreter der drei Oppositionsparteien zu uns eingeladen, um von ihnen zu erfahren, für welche Politik sie stehen und was wir als Gewerkschaft von ihnen erwarten können.“

Die Linke macht nun den Auftakt mit Gysi, auch wenn dieser Bundespolitiker ist. Von den Grünen wird am 5. Juni ab 19 Uhr im TTZ Marburg die Landeslisten-Spitzenkandi­datin Angela Dorn erwartet, die zudem auch noch aus Marburg stammt. Und am 12. Juni wird der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel im Bürgerhaus Cappel befragt.

Ralf Schrader, ebenfalls vom DGB-Senioren-Leitungsteam, stellt heraus: „Das werden keine Schauveranstaltungen. Wir wollen nicht nur einen Regierungswechsel, sondern auch einen Politikwechsel. Da wollen wir auch wissen, wie weit dieser mit den drei Parteien möglich ist.“

  • 11 Uhr: Demonstration ab DGB-Haus Marburg, Bahnhofstraße 6
  • 11.45 Uhr: Zwischenkundgebung auf dem Marktplatz. Dort spricht Klaus Nitschkowski von der IG Metall Mittelhessen.
  • 12.30 Uhr: Kundgebung und Maifeier auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz.Mai-Redner ist Pit Metz, DGB-Kreisvorsitzender Marburg-Biedenkopf.
  • Am Donnerstag, 2. Mai, findet ab 19 Uhr im DGB-Haus im Käte-Dinnebier-Saal ein Vortrag von Dr. Ulrich Schneider statt unter dem Titel „80 Jahre Zerschlagung der freien Gewerkschaften durch die Faschisten“.

von Götz Schaub

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