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Uni will auf Verlagerung des Problems reagieren

Erstsemester-Orientierungseinheit Uni will auf Verlagerung des Problems reagieren

Gedämpfter Event-Charakter, weniger Beschwerden, aber Problemverlagerung von Oberstadt in Richtung Lahnufer: Das ist das Resümee des Runden Tischs „Orientierungseinheit“ (OE) an der ­Philipps-Universität.

Alkohol, Lärm, Müll: Die Stadtrallye verschiedener Fachbereiche durch Marburg sorgt seit Jahren für Kritik. Der Runde Tisch „Orientierungseinheit“ widmet sich dem Thema und kommt für das Wintersemester 2016/2017 zu einem positiven Fazit.

Quelle: Archiv

Marburg. Mehr als zwei Monate nach Ende von Stadt-rallye und Co. haben die Organisatoren eine positive Bilanz gezogen. Der laufende Kursschwenk der OE vom Feier­fokus hin zu mehr Infoveranstaltungs­charakter zeige bereits Wirkung, „die Sensibilisierung für Probleme wie Lärm, Alkohol und Müll ist erhöht worden“, sagt Ulrikka Richter (ZAS). Jedoch: Die Abläufe seien „stark abhängig“ von den Studenten, die sich am Voraborganisations- und Abspracheprozess beteiligen - was bei weitem nicht auf alle Fachschaften zutreffe.

„Diejenigen, bei denen es trotz aller Besprechungen immer wieder eskaliert, klinken sich in diesem Gremium hier aus. Das ist ärgerlich und sorgt für große Probleme“, sagt Patrick Fock, Theologiestudent und in der Fachschaft aktiv.

Die Teilnahme am Runden Tisch verweigern demnach vor allem Mediziner und Chemiker, aber auch Pharmazie-, Rechtswissenschafts- und Fremdsprachenstudenten „fallen nicht ohne Grund immer wieder negativ auf“. Das deckt sich mit dem, was Richters Evaluation ergab - und, dass sich manches Mal an abgesprochene Veränderungen nicht gehalten werde. Die um Kooperation bemühten Fachschaften, etwa Mathematik, Biologie oder Theologie, bemängeln indes, dass „alle Studenten unter Generalverdacht gestellt werden“.

Petra Schmidt, Medienwissenschaftlerin und wissenschaftliche Hilfskraft, sagt: „Dieses Mal war alles aber auch geballt und sehr intensiv, weil am Wochenende vor der OE die Innenstadtkirmes war. Das dürfte den Eindruck verstärkt haben, dass Studenten schuld an Lärm und Exzessen sind.“ Eine Möglichkeit zur Verbesserung könne daher sein, Innenstadtkirmes und Elisabethmarkt nicht mehr direkt vor der OE - also nicht in der Woche vor Vorlesungsbeginn im Oktober - stattfinden zu lassen.

Ortsbeiräte weisen auf Probleme hin

Sabine Schock, Ortsbeiratsvorsitzende Campusviertel, erneuerte ihre Kritik aus dem Herbst: „Es ist bedauerlich, dass nicht eine Gruppe ohne Alkohol auskommt. Im Resultat standen an zwei Tagen rund um die Lahn Bierkästen und Schnapsflaschen herum.“

Es sei schon tagsüber „zu viel Action“ gewesen, gerade angesichts von „explizit ungewünschten Ausziehspielchen“ (die OP berichtete). Eine Verlagerung der Lärmprobleme von der Oberstadt ins Campusviertel bis in den Abend beobachten auch die Behörden: Die Quote der Beschwerden habe sich in diesem Jahr umgekehrt, die Altstadt sei „nicht mehr der Schwerpunkt gewesen“, erläutert Johannes Maaser von der Stadtverwaltung. Im Gegensatz zu vielen Vorjahren seien in diesem Jahr mehrere Veranstaltungen von Fachschaften offiziell bei der Stadt angemeldet worden - „eine Verbesserung, die auch uns einiges erleichtert, auch bei Bürgerauskünften“, sagt er.

Artur Brieger vom Ortsbeirat Altstadt warb indes dafür, „Überraschungen für die Anwohner zu vermeiden“ und vor allem jede Station der Stadtrallye allen Haushalten einige Tage zuvor etwa per Einwurfzettel anzukündigen. „Niemand ist prinzipiell gegen die Veranstaltung, sie gehört auch zur Stadt dazu, allem Lärm zum Trotz.“ Uni und Studenten könnten aber nicht erwarten, dass Nicht-Hochschüler stets die OE-Termine kennen und dann sofort Verständnis für die Feiern haben.

„Das Abendverhalten können wir nicht ändern“

„Das Abendverhalten junger Leute können wir nicht ändern, da gibt es nunmal Grenzen“, sagt Jochen Fischer, Dezernatsleiter der Abteilung Studium und Lehre. Die in den vergangenen zehn Jahren massiv um 10000 Menschen gestiegene Studentenzahl sei „sicher ein Faktor“ für die Entwicklung.

„Das Ziel ist, dass während der OE das Maß nicht überschritten wird“, sagt Astrid Bendix, Projektkoordinatorin in der Stabsstelle „Qualitätspakt Lehre“. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch künftig zu Beschwerden komme sei schon angesichts der Studentenzahl groß - „es sind junge Leute, viele zum ersten Mal von zu Hause weg. Und wenn dann von 6000 Erstsemestern nur ein einziges Prozent ausschlägt, sorgt das für Probleme.“ Aber: „Es sind ja nicht nur Studenten, die an der Lahn zechen.“ Und letztlich seien es, so Fischer, nur vier Tage zu Semesterbeginn - die Entwicklung in der Nordstadt werde man aber auch im Hinblick auf den kommenden Campus Firmanei „mehr ins Blickfeld nehmen“.

  • Neue OE-Absprachen am Runden Tisch: im Juni 2017.

von Björn Wisker

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