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Uni will Kugelhaus Ende 2017 räumen

Verkauf Uni will Kugelhaus Ende 2017 räumen

Das Kugelhaus soll verkauft werden. Interesse an einem Kauf hat die ­Katholische Kirche.

Das im Landesbesitz befindliche Kugelhaus in der Kugelgasse ist ein Einzelkulturdenkmal.

Quelle: Ibrahim Namo

Marburg. Bereits seit einigen Jahren wird hinter den Kulissen um einen Verkauf des Kugelhauses verhandelt, das seit Jahrhunderten von der Universität genutzt wird. Jetzt scheint nach OP-Informationen eine Entscheidung bevorzustehen, wie es weitergeht. Im Zuge der Campus-Planungen war schon seit rund zehn Jahren klar, dass die Philipps-Universität das im Landesbesitz befindliche Gebäude abgeben möchte. Bereits im Jahr 2014 sind die Völkerkundler (heute Institut für Kultur- und Sozialanthropologie) inklusive der Völkerkundlichen Sammlung aus dem Kugelhaus ausgezogen und in das neue Gebäude im „Campus Firmanei“ umgezogen.

Derzeit befindet sich noch die Bibliothek der Sportwissenschaften im Kugelhaus. Dies wird in die neue Uni-Bibliothek verlagert, die im Herbst 2017 betriebsbereit sein soll. Zudem sind noch Mitglieder der Arbeitsgruppe des Sportwissenschaftlers Professor Ralf Laging im Kugelhaus untergebracht, erläuterte Uni-Baudezernent Eckart Diehl auf OP-Anfrage. Die AG Laging werde voraussichtlich Ende 2017 in das noch sanierungsbedürftige ­Barockhäuschen umziehen, das sich vor dem Hauptgebäude der Sportwissenschaften an der Barfüßerstraße befindet.

Wenn das Kugelhaus dann vollständig leergeräumt ist, soll es laut Plan Ende 2017 oder Anfang 2018 an das LBIH übergeben werden, erläuterte Diehl. Da das Kugelhaus nicht zum Besitz der Universität gehörte, entscheide dann das hessische ­Finanzministerium, wie danach weiter mit dem Kugelhaus verfahren werde. Die Verantwortlichen der Universität hätten jedoch schon vorab vorsondiert, machte Diehl deutlich. Klar sei auf jeden Fall, dass das Kugelhaus stark sanierungsbedürftig sei. „Wir wollen das Haus in gute Hände abgeben, denn es ist etwas Besonderes“, erläuterte der Uni-Baudezernent zudem.

Nach OP-Informationen gibt es bereits seit 2009 auf jeden Fall einen ernsthaften Kaufinteressenten und zwar die ­Katholische Kirche. Für die Verantwortlichen der Kugelkirche ist das Kugelhaus deswegen interessant, weil die Kugelkirche ­direkt daneben gelegen ist.

Es gebe sogar schon einen ­unterschriftsreifen Kaufvertrag, sagte Dechant Franz Langstein, der auch Pfarrer der Kugelkirche ist. Demzufolge würde das Gebäude für 800000 Euro verkauft werden. „Die Kirchenleitung in Fulda hat uns aber geraten, nach einem Kauf nicht das ganze Haus zu nutzen“, sagte Langstein. Der derzeitige Plan sei so, dass die Kirchenverantwortlichen nach einem Erwerb einen Teil des Kugelhauses in Erbpacht an einen Investor vergeben würden. Dann würde die Kugelkirchengemeinde einen­ Teil des Hauses für Gemeinde­zwecke nutzen.

Ab 1653 Wohnungen für Professoren

Dort könnten­ sich dann Chöre oder Kindergruppen treffen, die derzeit noch unter eher beengten Verhältnissen Räume im rund 200 Meter von der Kirche entfernten Pfarrhaus in der Ritterstraße nutzen. Nach OP-Informationen gibt es einen möglichen Investor, der den nicht von der Kirchengemeinde genutzten Teil des Hauses für die Schaffung von Studentenwohnungen umbauen würde. Noch steht aber das Ergebnis eines Gutachtens zu möglichen Auflagen aus denkmalschutzrechtlicher Sicht aus. Das Kugelhaus liegt direkt neben der Kugelkirche in der Kugelgasse.

Das 1491 fertiggestellte, spätgotische Haus wurde im Auftrag des Ordens „Brüder zum gemeinsamen ­Leben“ (Kugelherren) errichtet.­ Der seit 1476 in Marburg ansässige Orden wurde in den Niederlanden begründet.

Im Zuge der Reformation wurde auch der Orden aufgelöst und seine Gebäude säkularisiert. Das Kugelhaus diente zunächst als Altenwohnsitz für ehemalige Mönche und ging später in den Besitz der 1527 gegründeten Universität über und wurde säkularisiert. Ab 1546 war im Kugelhaus eine Stipendiatenanstalt für Studenten.

Ab 1653 wurden in dem Haus Wohnungen für Professoren eingerichtet. Von 1853 an beherbergte das Kugelhaus das Amtsgericht, ab 1894 das Seminar für Historische Hilfswissenschaften, 1922 das Seminar für mittelalterliche Geschichte, von 1929 bis 1966 das Lichtbildarchiv älterer Originalurkunden und ab 1971 das Völkerkundliche Seminar und die Völkerkundliche Sammlung der Uni.

von Manfred Hitzeroth

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