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Uni rechnet ab 2016 mit mehr Millionen

Hochschulpakt Uni rechnet ab 2016 mit mehr Millionen

Die Philipps-Universität erhält künftig mehr Geld vom Land Hessen. Die Landesregierung will in den kommenden fünf Jahren etwa 500 Millionen Euro mehr für die grundlegende Finanzausstattung der hessischen Hochschulen ausgeben.

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Der Hochschulpakt 2016 bis 2020, den die Landesregierung mit den Universitäten ausgearbeitet hat, wird offenbar dafür sorgen, dass die Marburger Wissenschaftseinrichtung deutlich mehr Geld bekommt.

Quelle: Julia Brinkmann (Montage)

Marburg. Das geht aus dem Hochschulpakt 2016 bis 2020 hervor, dessen Eckpunkte während der Sitzung des Uni-Senats vorgestellt worden sind. Die konkreten Summen seien noch unklar, jedoch werde Marburg „überdurchschnittlich stark von den Neuerungen profitieren“, sagte Universitätspräsidentin Professorin Katharina Krause.

Der Pakt umfasst das Volumen von rund 1,55 Milliarden Euro. Beträge, die in Forschung, Lehre, Technik, Personal, Neubauten und Sanierung fließen sollen. Die Budgets aller 13 hessischen Universitäten und Fachhochschulen werden aufgestockt. Die aktuell verfügbaren Mittel der Uni Marburg – ohne Drittmittel – betragen rund 237 Millionen Euro, wie Pressesprecherin Andrea Ruppel auf OP-Anfrage mitteilt.

Der 27 500 Studenten zählende Uni Marburg nutzt vor allem eine Reform der Festlegungskriterien bei der Grundfinanzierung: Künftig gilt hessenweit eine sogenannte festgeschriebene Leistungszahl, die auf der durchschnittlichen Studentenanzahl aus den Jahren 2012 bis 2014 basiert – einem Zeitraum, in dem die Einschreibungen an der Philipps-Universität stark gestiegen sind.

Unis versuchten, möglichst viele Studenten zu locken

Bislang galt ein gleitender Dreijahres-Durchschnitt, der dementsprechend alle zwölf Monate neu berechnet wurde. Deshalb änderte sich auch die Finanzlage der Universitäten jedes Jahr.

Um weiterhin möglichst viel Geld vom Land zu bekommen, versuchten die Hochschulen daher möglichst viele Studenten zu locken – unabhängig davon, ob sie ausreichend Personal oder Lehrräume zur Verfügung hatten oder nicht.

Mit der Neuerung im Hochschulpakt 2016-2020, so sagt Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne, „lohnt es sich nicht mehr, bedingungslose Zuwächse bei Studentenzahlen zu generieren“.  Die Einschätzung von Katharina Krause: „Die Zeit des reinen Mengenwettbewerbs ist vorüber.“  Im März sollen die konkreten Summen aus dem Hochschulpakt bekannt werden.

Klar ist: In den kommenden fünf Jahren steigt das Gesamtbudget alle zwölf Monate um ein Prozent über der Inflationsrate (2014 lag diese bei 0,9 Prozent, womit die Unigelder ab 2016 um weitere 1,9 Prozent erhöht werden).Ein Teil des zusätzlichen Geldes – 81 Millionen Euro pro Jahr – stammt aus den vom Land gesparten Bafög-Kosten. Der Bund trägt diese Kosten seit 1. Januar alleine.

„Fünf Jahre lang wird es für uns eine deutlich bessere finanzielle Lage geben als zuletzt. Auch, weil viele kleine Stellschrauben verändert wurden“, sagt Krause. „Erstmals seit Jahren gibt es keine weitere Auszehrung der Uni. Somit können wir den Fachbereichen ab nächstem Jahr mehr Geld zuweisen.“ Der „unmittelbare Druck“ sei mit dieser Regelung „raus, weil es mehr Geld gibt, vor allem aber, weil es uns stabilere Finanzen und Planung beschert“, ergänzt Nonne.

Hochschul-Standorte in Südhessen, speziell Frankfurt und Darmstadt, sind nach Ansicht des Präsidiums die Verlierer, obwohl auch diese mehr Geld bekommen – aber in geringerem Umfang als im Vergleich etwa zu den Standorten in Mittelhessen.

„Trendwende – weg von Rhein-Main-Privilegierung“

„Eine Art Trendwende ist erreicht, es geht weg von der Priviligierung des Rhein-Main-Gebiets. Der neue Hochschulpakt geht, wenn er so beschlossen wird, zu unseren Gunsten“, sagt Krause. Speziell der Fachbereich Medizin werde künftig sowohl auf den Lahnbergen als auch an der Justus-Liebig-Universität Gießen bessergestellt.

Erleichterung herrscht bei den Mitgliedern des Uni-Senats: „Marburg ist nun nicht mehr der Verlierer, jetzt müssen wir hoffen, dass andere, die weniger profitieren, nicht so mächtig sind und diese Regelung kippen“, sagt Professor Frank Königs (Fachbereich Erziehungswissenschaften). Die kommenden fünf Jahre könnten „entspannter werden als die Vergangenheit, wir kennen hier nämlich ganz andere Situationen“. Man könne „froh sein, dass man aus dem törichten Rennen nach immer mehr Studenten raus ist“, sagt Professor Michael Bölker (Fachbereich Biologie).

„Der Abwärtstrend ist zwar gestoppt, aber perspektivisch werden die Unis in der Gesamtheit verlieren. Denn die Fachhochschulen sollen gestärkt, dort neue Studiengänge aufgebaut und mehr Hochschüler angezogen werden“, sagt Martin Schäfer (Fachbereich Medizin). Der Wissenschaftler sieht durch den Trend das exklusive Promotionsrecht der hessischen Unis gefährdet.

von Björn Wisker

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