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Uni-Türme werden gesprengt

Stadtplanung Uni-Türme werden gesprengt

Paukenschlag in Sachen Stadtplanung: Die Türme der Philosophischen Fakultät an der Stadtautobahn werden noch vor dem Semesterstart gesprengt, kündigte Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause am Montag auf OP-Anfrage an.

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Die Tage der „Türme“ sind gezählt. Auch der Historikerturm wird gesprengt. Dabei werden die Erfahrungen von der Sprengung des Uni-Hochhauses in Frankfurt berücksichtigt.

Quelle: Grafik: Nikola Ohlen

Marburg. Ursprünglich sollten die geisteswissenschaftlichen Türme der Universität mindestens bis zum Jahr 2020 für Lehre und Forschung genutzt werden. Doch dieses Planungs-Szenario hat sich kurzfristig zerschlagen, wie die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause der OP mitteilte.

Die maroden und energiefressenden Türme müssen abgerissen werden. Dass es jetzt so schnell geht, liegt vor allem an zwei Komponenten:

Das Land Hessen hat vor einigen Wochen gute Erfahrung mit der Sprengung eines Frankfurter Uni-Hochhauses gemacht. Das dort im Einsatz befindliche Sprengteam einer Spezialfirma kann die in Frankfurt gewonnen Erfahrungen nunmehr auch in Marburg einsetzen. Die Herausforderung wird sein, alle fünf Türme der Philosophischen Fakultät so zu sprengen, dass sie parallel in sich zusammenfallen, ohne dass der Verkehr auf der Stadtautobahn gestört wird.

Philfak-Türme weichen "Philipps-Arena"

Zudem steht kurzfristig eine zweistellige Millionensumme für die Marburger Universität aus dem gemeinsamen Fonds von Bund und Land zum Thema „Innovatives Denken und Handeln“ zur Verfügung. Finanziell gefördert wird damit neben der Sprengung besonders eine spezielle unternehmerische Idee der Universität für das Areal der Türme. Denn die Uni-Leitung plant auf dem Gebiet eine kombinierte Kongress- und Konzerthalle, die sogenannte „Philipps-Arena“.

Mit dem Bau dieser Multifunktionshalle könnte die Universität gleich zwei Vorteile miteinander kombinieren: Große wissenschaftliche Kongresse mit rund 1000 Teilnehmern wären damit künftig ohne weiteres in Marburg möglich, und die Veranstalter von der Uni Marburg müssten nicht mehr wie bisher in Großstädte ausweichen. Zudem könnten Rock-Konzerte mit bis zu 3000 Zuschauern über die Bühne gehen, eine Zahl, die bisher in Marburg nicht erreicht wurde und womit Marburg auch in Konkurrenz zur Arena in Wetzlar treten würde. Auch eine weitere Idee gebe es für den Silberwürfel der Uni-Bibliothek direkt neben den Türmen. Darin würde die Uni ein spezielles „Bed and Breakfast“-Hotel errichten, das auch von Gaststudenten und Dozenten von außerhalb genutzt werden könnte.

„Wir setzen auf diese Weise das Schlagwort von der unternehmerischen Hochschule in die Praxis um und nehmen auch einen Profilwechsel der Universität vor“, sagte die Uni-Präsidentin im Gespräch mit der OP. Zwar ist sie sich bewusst, dass ein gewisses unternehmerisches Risiko mit dem ambitionierten Bauplan verbunden ist.

Termin für die Sprengung steht schon fest

Jedoch sei es in der heutigen Zeit auch für die Universitäten unerlässlich, sich neue Einnahmequellen zu erschließe, so Krause. Zudem sei die Universitätsstadt Marburg mit mehr als 25000 Studierenden und einer Vielzahl von Professoren, die Kongresse organisieren, ein ideales Pflaster für solch eine Halle.

Ein Termin für die Sprengung steht auch bereits fest: Es wird Ende kommender Woche sein, also kurz vor dem Start des Sommersemesters. Bis dahin warten noch einige Aufgaben auf die Uni-Verwaltung. So müssen die Türme freigeräumt werden. Kurzfristig ist in diesem Zuge die Umsiedlung der Geisteswissenschaftler in den Neubau der Chemie auf den Lahnbergen vorgesehen, der soeben fertiggestellt wurde. In einer Übergangszeit von einigen Jahren, bis der Campus Firmanei am Botanischen Garten fertiggestellt ist, müssen dann die Chemiker zunächst weiter in ihrem Altbau bleiben, der dafür aber eine energetische Zwischensanierung erhält.

Krause warb um Verständnis dafür, dass sie aufgrund der kurzfristigen Förderzusage den Senat erst in der kommenden Sitzung genauer über die Planungen informieren werde.

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von Manfred Hitzeroth

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