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Uni Marburg erbt Reich-Ranickis Bücher

Nachlass Uni Marburg erbt Reich-Ranickis Bücher

Den größten Teil seiner Büchersammlung hat Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki der "Arbeitsstelle Marcel Reich-Ranicki für Literaturkritik" vermacht.

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Im Juli 2010 war Marcel Reich-Ranicki (Zweiter von links) Gast in Marburg. Professor Thomas Anz (links) empfing ihn zur Einweihung der Arbeitsstelle für Literaturkritik Archivfoto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Als einen sehr großen Vertrauensbeweis von Marcel Reich-Ranicki sieht der Marburger Germanistik-Professor Thomas Anz dessen Wunsch an, einen Großteil seiner persönlichen Bibliothek der Universität Marburg zu spenden. „Es sind mehrere Tausend Bücher“, sagte Anz, der Leiter der Arbeitsstelle, der OP gestern auf Anfrage. Anz bestätigte, dass Reich-Ranickis Sohn Andrew ihn gefragt habe, ob die Uni diesen Nachlass übernehmen wolle. „Ihm lag sehr daran, dass der Bestand möglichst komplett erhalten bleibt“, sagte Anz.

Bücher von Thomas Mann, Fontane und Goethe

Anz sagte zu, die Bücher zu übernehmen. Bereits im Jahr 2010 hatte Reich-Ranicki mehr als 1000 Bücher aus seiner persönlichen Sammlung der Marburger Arbeitsstelle vermacht. Damals fehlten aber noch viele Werke, darunter die Bücher seiner Lieblingsautoren. „Jetzt bekommen wir auch die Bücher von Thomas Mann, Fontane und Goethe und von vielen weiteren Schriftstellern“, berichtete Anz der OP. Für Literaturhistoriker stellen die Bücher eine besondere Fundgrube dar, um mehr über die Vorlieben des Literaturpapstes zu erfahren. Denn Reich-Ranicki habe nur die Bücher behalten, die für ihn besonders wertvoll gewesen seien. Auch die „Benutzer-Spuren“, die Reich-Ranicki in den Büchern hinterlassen habe, seien sehr aufschlussreich, betonte Anz. Die Bücher, die den Grundstock für die Marburger Sammlung bildeten, stehen in der Germanistik-Bibliothek. Dorthin soll nun auch der Rest der Bücher gehen. „Wir haben das Erbe sehr gern angenommen“, sagte Lydia Kaiser, die Leiterin der Germanistik-Bibliothek, die auch für die Katalogisierung der Bücher verantwortlich sein wird. Die Arbeitsstelle archiviert alle Zeitungsartikel, die der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bisher veröffentlicht hat und die von ihm selbst gesammelt wurden, seine Buchpublikationen, Bücher über ihn und aus seiner Bibliothek sowie diverse andere Arbeitsmaterialien.

Nachlass einer "überragenden Kritikergestalt"

Nicht nach Marburg kommen Bücher mit persönlichen Widmungen von Autoren für Reich-Ranicki. Der Nachlass mit der Korrespondenz von Reich-Ranicki geht an das Deutsche Literaturarchiv Marbach (Baden-Württemberg). Der Nachlass wird nach Ansicht des Archivleiters noch Generationen beschäftigen. „Reich-Ranicki war eine überragende Kritikergestalt, der die deutschsprachige Literatur wie kein anderer nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt hat“, sagt Ulrich von Bülow.

„Marcel Reich-Ranicki hat es geschafft, die Literaturkritik aus einem elitären Milieu herauszuholen und der Literatur neue Leserschichten zu erschließen“, betont Professor Anz.

Erinnerungen an den Besuch von Marcel Reich-Ranicki im Jahre 2010:

 

von Manfred HItzeroth und Björn Wisker

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