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Unerlaubter Waffenbesitz wird für 68-Jährigen teuer

Aus dem Amtsgericht Unerlaubter Waffenbesitz wird für 68-Jährigen teuer

Amtsrichterin Dr. Antonia Alles verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 420 Euro.

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Der Angeklagte bewahrte zu Hause einen Vorderlader auf und musste sich deshalb vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dass der 68-Jährige den Besitz der Schusswaffe – eine sogenannte Tingle-Pistole – nicht absichtlich verheimlicht hatte, kaufte Dr. Antonia Alles dem Angeklagten ab.

Dennoch machte die Vorsitzende Richterin ihm bei einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Marburg deutlich, dass das Sprichwort „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ auch in der Rechtsprechung Einzug findet.

Dem Marburger wurde zur Last gelegt, mehrere Jahre eine sogenannte „Tingle-Pistole“ – eine anmeldepflichtige Schusswaffe – besessen und diese nicht auf seinem Waffenschein aufgeführt zu haben.
Bei der Waffe handelt es sich um einen Vorderlader aus den USA.

„Wer so ein Ding besitzt, der kann noch lange nicht damit schießen. Man braucht Schießpulver, die ganz speziellen Bleikugeln sowie ein Zündhütchen und einen Stopfen zum Nachladen, um die Waffe schussbereit zu machen“, klärte der Angeklagte das Gericht auf. Er habe aber nie mit Waffen geschossen, sondern sei lediglich ein „Sammler“ gewesen.

Rentner will Waffe von Bekanntem erhalten haben

Bis Anfang der 1990er Jahre war die „Tingle-Pistole“ nicht anmeldepflichtig, was sich jedoch durch eine Änderung im Waffengesetz geändert hat.

„Es kommt häufig vor, dass Sammler Gesetzesänderungen nicht mitbekommen“, sagte eine als Zeugin geladene Mitarbeiterin des Landkreises Marburg-Biedenkopf, die für Waffenbesitzkarten zuständig ist.

Wie der Rentner an die Waffe gekommen sei, war reichlich ominös: Er beteuerte, die Waffe von einem „Bekannten“ erhalten zu haben, den er 1975 bei einem Fest eines Schützenvereins kennengelernt habe.

„Wir kamen ins Gespräch, und er hat mir die Pistole quasi als Pfand hinterlegt, weil er sich einige meiner Waffen ausleihen wollte“, berichtete der Angeklagte.

Den „Bekannten“ habe er danach niemals wiedergetroffen. Die Waffe bewahrte der Rentner auf.

Unwissenheit wirkt sich strafmildernd aus

Fast 40 Jahre lang befand sie sich in seinem Besitz. Dass er nun für die Aufbewahrung bestraft werden sollte, schmeckte dem Angeklagten ganz und gar nicht.

Vorsitzende Dr. Antonia Alles wies den Rentner zurecht. „Auch wenn die Waffe nicht Ihr Eigentum war, war sie dennoch in Ihrem Besitz“, meinte sie und feuerte aus allen Rohren: „Was wäre denn passiert, wenn ein Kind die Waffe gefunden und mit ihr Schlimmes angestellt hätte?“

Aufgrund der Unwissenheit des Angeklagten sei eine Geldstrafe von 420 Euro jedoch „ausreichend“.

von Benjamin Kaiser

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