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Umstrittener Koffer-Raub

Aus dem Landgericht Umstrittener Koffer-Raub

Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, sich während einer Bahnfahrt von Frankfurt nach Gießen am 29. Mai 2015 des räuberischen Diebstahls schuldig gemacht zu haben, als er einer älteren Frau einen Reisekoffer klaute.

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Ein 38-jähriger Drogenkonsument ist vor dem Landgericht wegen eines Kofferdiebstahls angeklagt.

Quelle: Archiv

Marburg. Angeblich wurde der Angeklagte beim räuberischen Diebstahl des Reisekoffers einer Seniorin auf frischer Tat ertappt. Außerdem soll der 38-Jährige wenige Stunden später auf dem Bahnsteig des Hauptbahnhofs Gießen einem Mann dessen Handy gestohlen haben.

Die geschädigte Seniorin nahm der Staatsanwaltschaft jedoch den Wind aus den Segeln, als sie aussagte, dass sie damals auf dem Weg von Frankfurt nach Paris gewesen sei.

Der Delinquent konnte den Koffer somit nicht auf der vermuteten Route Frankfurt-Gießen entwendet haben. Wie und ob der Angeklagte überhaupt in den Besitz des Koffers gelangte, ist noch unklar.

Als zwei alarmierte Polizisten den 38-Jährigen am Tattag auf dem Bahnsteig in Gießen festnahmen, hatte dieser jedenfalls keinen Koffer bei sich. „Ich kann mich auch nicht daran ­erinnern, dass irgendwo einer herumlag“, meinte ein Polizist.
Statt eines Koffers hatte der Verdächtige jedoch einen Rucksack bei sich. Inhalt: Drei Handys, von denen bereits eins dem rechtmäßigen Besitzer wiedergebracht wurde.

Polizisten zwingen Mann zur Kapitulation

Als die Polizisten den Angeklagten ansprachen, kam dieser mit einem „Gegenstand in der Hand“, wie ein Polizist aussagte, auf sie zu. „Ich konnte nicht genau sehen, was es war“, sagte­ der Polizeibeamte. Mit gezogener Waffe zwang das Duo den Angeklagten zur Kapitulation. Wir haben in der Nähe ein Messer gefunden.

Daher sind wir davon ausgegangen, dass es dieser Gegenstand war“, sagte der Kommissar, der vermutete, dass der Verdächtige sich mit der Waffe­ im Besitz „seiner Beute“ halten wollte.

Ein Großteil der Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft zielten darauf ab herauszufinden, ob der Angeklagte zum Zeitpunkt seiner Festnahme unter dem Einfluss von Drogen stand. Der Angeklagte, der wegen weiterer Vergehen in Haft sitzt, berichtete nämlich von einem massiven Drogenkonsum: Täglich sollen es eine Flasche Whisky sowie – ein bei Epilepsie häufig eingesetztem Beruhigungsmittel – gewesen sein. Des Weiteren sei er häufig in den Genuss von Marihuana gekommen. Auch am besagten Tag war er nach eigenem Eingeständnis „heftig unter Drogen“. Der angebliche Grund, warum er sich an rein gar nichts erinnerte. Dass der Tatverdächtige zum Zeitpunkt seiner Festnahme unter Drogeneinfluss stand, konnte der Kommissar allerdings nicht bestätigen.

„Er hat einen normalen Eindruck gemacht“, sagte der ­Polizeibeamte. Aufgrund dessen ­habe es auch keine Veranlassung für Drogentests gegeben.
Die Verhandlung wird am Donnerstag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts fortgesetzt.

von Benjamin Kaiser

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