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Umdenken führte zur Sanierung der Oberstadt

Tag der Stadtgeschichte Umdenken führte zur Sanierung der Oberstadt

"Die Rettung der Marburger Altstadt" war das Thema beim Tag der Marburger Stadtgeschichte, zu dem am Sonntag mehr als 200 Besucher ins Cineplex-Kino kamen.

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Besucher des Tages der Marburger Stadtgeschichte schauen sich im Cineplex-Kino Info-Tafeln an, die die Sanierung der Oberstadt zum Thema haben.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Die Veranstaltung finde zum zweiten Mal statt und solle eine jährliche feste Institution sein, erläuterte Martin Klehm, Mitorganisator und Herausgeber der Schriftenreihe „Der Marburger Nachtwächterbote“. Es gehe darum, den Marburgern die Geschichte ihrer Stadt zu zeigen.

Im Foyer vor dem Kinosaal erinnerten Tafeln mit den Ergebnissen des Städtebauwettbewerbes aus den 70er Jahren an die Geschichte der Sanierung der Altstadt mit Oberstadt und Weidenhausen. Den Auftakt im Saal machte ein Bilder-Stadtrundgang mit historischen Aufnahmen. Hauptredner war Diethelm Fichtner, der ehemalige Leiter der Stadtplanung. Zuvor erinnerte Marburgs ehemaliger Kulturdezernent Dr. Gerhard Pätzold in seinem Grußwort daran, dass in den 60er Jahren noch überhaupt kein Interesse an Sanierungen bestanden habe. Es sei vor allem um Wohnungsbau in der nach dem Zweiten Weltkrieg massiv an Bevölkerung zugenommenen Stadt gegangen. Einiges sei in dieser Zeit bereits abgerissen worden. Ein Umdenken habe erst Anfang der 70er Jahre begonnen, als sich die Bürgerinitiative „Marburger Stadtbild“ gegründet habe, so Pätzold:

Als er bei der Stadt angefangen habe, sei beispielsweise die Planung für das im Volksmund „Affenfelsen“ genannte Hochhaus im Südviertel bereits unumkehrbar abgeschlossen gewesen, das Wirtshaus an der Lahn nicht mehr da, so Fichtner. Zudem habe ein Gutachten noch 1969 ergeben, dass es wirtschaftlicher sei, fast drei Viertel der Altstadt abzureißen und neu zu bauen. Und Wohnungsbaugesellschaften hatten durchaus in den Startlöchern gestanden, ähnlich wie am Richtsberg zu investieren.

Saniert, um Wohnraum zu schaffen  

Aber mit dem 1970 ­gewählten Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler und der Bürgerinitiative habe ein Umdenken eingesetzt. Für die so gelungene und später preisgekrönte Sanierung der Oberstadt und Weidenhausens habe es der richtigen Rahmenbedingungen und engagierter Personen bedurft. Das hessische Denkmalschutzgesetz von 1975 sowie das zuvor in Kraft getretene Städtebauförderungsgesetz hätten die Finanzierung gesichert, ein Drittel der Kosten habe die Stadt tragen müssen.

Ziele der Sanierung seien neben dem Erhalt von Bausubstanz auch preiswerter Wohnraum gewesen. Man habe sich entschieden, nicht blockweise zu sanieren, sondern Haus für Haus, berichtete Fichtner. ­Begleitet worden sei die Altstadtsanierung mit Führungen durch die Objekte und viel Öffentlichkeitsarbeit, um immer mehr Eigentümer zu überzeugen.

Das Material, vor allem Balken, aber auch Türen, habe man zuvor aus Dörfern zusammengetragen. Fichtner erläuterte, dass dort im Zuge des Straßenausbaus Höfe abgerissen worden seien. Und auch in Marburg habe nicht alles erhalten werden können, schloss Fichtner. Er erinnere sich noch an eine Besetzung eines Hauses in der Untergasse, das nicht zu halten gewesen sei. Aber man habe nicht räumen wollen. „Und als einer der Besetzer durch den Boden gekracht ist, wurde das Haus fluchtartig verlassen“. In solchen Fällen sei die Baulücke zwar modern, aber dem Ensemble entsprechend geschlossen worden.

Seinen Vortrag untermalte Fichtner mit zahlreichen Beispielfotos. Nach einer Mittagspause wurden den Besuchern noch zwei Filme gezeigt.

von Heiko Krause

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