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Umbruch nährt Koalitions-Hoffnungen der Grünen

Neuer vorstand Umbruch nährt Koalitions-Hoffnungen der Grünen

Die Jugend rückt in die erste Reihe: Die Grünen haben sich bei der Vorstandswahl gegen kommunalpolitische Erfahrung und für „andere Perspektiven“ entschieden.

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Marion Messik und Christian Schmidt sind die Parteichefs,
Roland Stürmer (links), Barbara Amend, Dr. Elke Neuwohner und Maximilian Walz komplettieren den Vorstand.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Das neue Führungs-Duo bilden Marion Messik (36) und Christian Schmidt (24). Während die ehemalige Stadtverordnete 100 Prozent der Stimmen erhielt, setzte sich Politikstudent Schmidt knapp gegen seinen Herausforderer, das ur-grüne Ex-Magistratsmitglied Roland Stürmer durch.

Auffällig: Beide Vorstands-sprecher klammerten - im Gegensatz zum 64-jährigen Stürmer - konkrete kommunalpolitische Themen weitgehend aus. Sie fokussierten eher auf Grünen-Grundsätze wie „Marburg als sozial-ökologische Stadt voranzubringen“ (Messik) und „mit unseren Inhalten eine breitere Basis anzusprechen“ (Schmidt). Ein Hauptziel der Doppelspitze: Studenten-Anliegen mehr Beachtung schenken. Das Wählerpotenzial an der Universität solle verstärkt mit Vorschlägen zur Wohnungsnotbekämpfung und zum Nahverkehr abgeschöpft werden.

Landespolitikerin fordert innerparteiliche Reformen

„Frischer Wind, neue Leute, andere Perspektiven - das brauchen wir nach dem Kommunalwahlergebnis in der Partei“, sagt Madelaine Stahl, Neu-Stadtverordnete, ebenfalls Teil der neuen Grünen-Generation. Eine Generation, die vor allem aus der Anhängerschaft der Marburger Landtagsabgeordneten Angela Dorn-Rancke kommt. Die Landespolitikerin war es auch, die für eine parteiinterne Aufarbeitung der Wahlschlappe bei einer Klausurtagung sowie eine grundsätzliche Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Parteispitze, Fraktion und Geschäftsstelle sowie Kreisverband warb. „Wir haben eine Menge zu lernen und zu verändern nach diesem Wahlergebnis. Zufrieden waren wir vielleicht mit unserer Arbeit und unseren Themen, aber mit dem Ergebnis war es keiner“, sagt sie.

Über die zukünftige inhaltliche Ausrichtung der Grünen wurde entgegen der Tagesordnung der Mitgliederversammlung nicht gesprochen, es gab nur ein Bekenntnis zu einer „konsequenten Energiewende“ in Marburg - „auch gegen viele Vorbe-halte“. Auf OP-Nachfrage kündigte Messik zudem an, speziell auf die Umsetzung des Altenhilfe-Konzepts, das 2015 noch von Ex-OB Egon Vaupel vorgelegt wurde, zu drängen. Ein Vorhaben, an dessen Realisierung Grünen-Mitglieder Zweifel äußerten, falls sie nicht Teil der neuen Stadtregierung werden. „Man muss natürlich schauen, wie es und was genau unter den neuen finanziellen Rahmenbedingungen noch gemacht werden kann“, sagt Messik, die in Dorns Abgeordnetenbüro arbeitet und von 2011 bis 2016 im Sozialausschuss des Stadtparlaments war.

Sondierungen mit SPD und Linken in dieser Woche

Strategisch arbeitet indes vor allem die Fraktion auf eine Fortsetzung der Koalition mit der SPD hin. Während gestern Abend Gespräche zwischen Grünen und Linken geführt wurden, sollen heute auch die Sozialdemokraten zu Sondierungen für ein gesamtlinkes Bündnis dazustoßen. Eine rot-rot-grüne Dreierkonstellation ist der Wunsch sowohl der Grünen als auch der Linken. Nicht ausgeschlossen ist für die Grünen aber auch eine Neuauflage von Rot-Grün unter Beteiligung der „Bürger für Marburg“ - was die Mehrheit von 30 der 59 Parlamentssitze bedeuten würde.

„Gute Signale“ habe es von der SPD bereits gegeben, sagt Dietmar Göttling, Fraktionschef: „Uns bekommt aber niemand zum Nulltarif, eine Senkung der sozialen und kulturellen Standards etwa machen wir nicht mit.“ Eine Vergrößerung der ehrenamtlichen Magistratsposten von zehn auf 13 peile man zudem weiter an.

von Björn Wisker

  • Der Vorstand: Der für zwei Jahre gewählte Parteivorstand wird neben den Chefs Marion Messik und Christian Schmidt von Dr. Elke Neuwohner, Barbara Amend, Maximilian Walz und Roland Stürmer komplettiert.
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