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Ulli Lotzmann wirbelt durch das All

Himmelskörper Ulli Lotzmann wirbelt durch das All

Nach dem Marburger Zahnmediziner Professor Ulrich Lotzmann ist seit dem 9. Juni ein Asteroid benannt.

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Ulrich Lotzmann steht in Arizona vor dem Teleskop, mit dem der nach ihm benannte Asteroid entdeckt wurde.

Quelle: privat

Marburg. Ulli Lotzmann ist ein Mars-Crosser. Auf seiner vierjährigen Umlaufbahn um die Sonne kreuzt er auch die Mars-Umlaufbahn. Er schwebt rund 600 Millionen Kilometer von der Erde entfernt durch das All und existiert seit ungefähr 4,5 Milliarden Jahren. UlliLotzmann ist benannt nach dem Marburger Zahnmediziner Professor Ulrich Lotzmann und ist ein Asteroid.

Dass es zu dieser außergewöhnlichen Ehrung für den Marburger kam, hat der Spezialist für das Thema Zahnerhaltung der Marburger Universität vor allem seiner langjährigen Mitarbeit beim Nasa-Online-Journal „Apollo Lunar Surface“ und seinen Verdiensten bei der Erforschung der bemannten Raumfahrt zu verdanken.

Ken Glover und Dr. Eric Jones, die beiden Herausgeber der ­Nasa-Zeitschrift, hatten die ­Namensbenennung angeregt. Im offiziellen Namenseintrag für den Asteoriden, der ganz korrekt „(16274) UlliLotzmann=1995 YV3“ heißt, sind auch zwei Sätze der Erklärung zu dem Namensgeber enthalten. Darin heißt es: „Ulrich (Ulli) Lotzmann ist ein deutscher Weltraumhistoriker, Künstler und Astro-Fotograf. Er ist ein Experte in Sachen Ausrüstung der bemannten Weltraumflüge der Apollo-Ära und wichtiger Mitarbeiter des Apollo Lunar Space Journals“.

Am 9. Juni dieses Jahres erhielt Lotzmann die Nachricht über die Benennung des Asteroiden nach ihm bei einem Treffen mit Apollo-Astronauten im Kitt ­Peak-Nationalobservatorium in der Wüste bei Tucson in Arizona (USA). Für ihn war es eine große Überraschung, die ihn aber auch mit besonderem Stolz erfüllte.

Die Überbringung der freudigen Botschaft geschah übrigens an dem Ort im Andrew-Observatorium, wo der Asteroid mithilfe eines Spiegelteleskops am 28. Dezember 1995 von dem Astronom James Scotti entdeckt worden war. Zwei der Teleskope im Nationalobservatorium der Vereinigten Staaten werden vom „Spacewatch“-Projekt ­speziell zur Lokalisierung und Bestimmung von Asteroiden und Kometen eingesetzt. Dabei sind für die Astronomen besonders diejenigen Himmelskörper interessant, die als „Earth-­Crosser“ während ihrer Umlaufbahn um die Sonne auch die Umlaufbahn der Erde kreuzen und ­dabei durchaus eine Bedrohung für die Erde werden können. Die „Mars-Crosser“, wie der Asteroid „UlliLotzmann“, hingegen ­könnten höchstens auf der Mars-Oberfläche einschlagen.

Asteroid wurde 466 Mal beobachtet

Es gibt derzeit rund eine halbe Million Asteroiden, die am Sternenhimmel entdeckt worden sind. Doch nicht allzu häufig werden die Kleinplaneten, die einen Durchmesser von mehr als zehn Kilometern haben können, nach Namenspaten benannt. Auf jeden Fall hat der Entdecker ein Vorschlagsrecht in Bezug auf Asteroiden-Namen. Dann muss die dafür zuständige Organisation IAU ­(Internationale Astronomische Union) darüber entscheiden, ob sie dem Vorschlag zustimmen will.

Der nach Lotzmann benannte Asteroid wurde seit seiner Erstentdeckung übrigens bereits 466 Mal beobachtet. Wo, wie und wann? Darüber wird von den Astronomen genau Buch geführt. Aufgrund der vielfachen Beobachtung sind auch die Eigenschaften dieses speziellen Asteroiden sehr gut bestimmt. Es ist ein fünf bis 10 Kilometer großer Asteroid mit einer absoluten Helligkeit von 13,9, der auf einer exzentrischen Umlaufbahn die Sonne mit einer Distanz zwischen 235 und 525 Millionen Kilometern umkreist.

Hobby-Astronom und Raumflug-Fan Lotzmann muss allerdings wohl noch ein bisschen warten, bis er „seinen“ Asteroiden auch einmal selber durch ein Teleskop betrachten kann. In den Jahren 2018 und 2019 wird „UlliLotzmann“ auf seiner Umlaufbahn der Erde voraussichtlich besonders nahe sein, sodass er dann auch ohne besonders hochleistungsfähige Spezialteleskope beobachtbar sein könnte. Immerhin hofft Lotzmann, dass er von dem Entdecker des Asteroiden demnächst zumindest schon einmal ein „Beweisfoto“ zugesandt bekommt, auf dem man den Asteroiden dann als einen kleinen weißen Punkt sehen kann.

von Manfred Hitzeroth

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