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Übung bringt Retter an ihre Grenzen

Katastrophenschutz Übung bringt Retter an ihre Grenzen

Mehr als 300 Einsatzkräfte aus dem Landkreis probten den Ernstfall: Von Samtstagabend bis in die frühen Morgenstunden hatten sie es mit Waldbränden, einem Autounfall und einem Unglück bei einer Grillfeier zu tun.

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Herausforderungen für die Einsatzkräfte: Es galt, eingeklemmte Menschen mit hydraulischem Gerät aus Unfallautos zu befreien und die Verletzten angemessen zu versorgen.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Die Idylle bei der Grillfeier an der Forstkapelle zwischen Stadtallendorf und Neustadt wird gegen 20.30 Uhr jäh zerstört: Ein kurzes, heftiges Unwetter lässt Bäume umknicken, die auf Menschen fallen. Durch Blitzschlag werden Feiernde verletzt. Eine Gasflasche explodiert, setzt Teile des Walds in Brand: Großalarm für die Rettungskräfte.

Dies war nur eins der drei anspruchsvollen Szenarien der nächtlichen Katastrophenschutzübung am Samstagabend in Stadtallendorf. Rund 300 Helfer von Katastrophenschutz, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst stellten sich den hochrealistischen Aufgaben, in die auch Erkenntnisse aus dem Einsatz während des Elbe-Hochwassers im vergangenen Jahr einflossen. 36 angehende Rettungsassistenten des DRK-Rettungsdiensts Mittelhessen wirkten mit – diese Übung zum Ende ihrer theoretischen Ausbildung bot eine Trainingsmöglichkeit.

Bäume sind umgestürzt und haben Feiernde eingeklemmt - die Feuerwehr muss die Verletzten freischneiden, damit diese vom Rettungsdienst weiter versorgt werden können.

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Zwei weitere Szenarien hatten die Helfer zu bewältigen: Ein ausgedehnter Waldbrand musste bekämpft werden – fernab von jeglicher Wasserversorgung. Also mussten die Einsatzkräfte einen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen aufbauen – kein einfaches Unterfangen auf den engen Waldwegen. Daher wurden in Zusammenarbeit mit der Forstbehörde Fahrtrouten und ein Einbahnstraßenverkehr festgelegt, das THW leuchtete die Einsatzstelle aus.

Szenario drei sah einen schweren Verkehrsunfall mit zwei Fahrzeugen vor, bei dem mehrere Personen aus den Autos geschleudert wurden, andere waren hingegen eingeklemmt.

Stephan Schienbein, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis, erläuterte: „Wir haben hier eine außergewöhnliche Übung, die es in dieser Form so noch nicht gegeben hat.“ Die Szenarien seien „sehr anspruchsvoll“ gewesen. Doch die Einsatzkräfte hätten „trotz der vorgerückten Stunde und trotz der körperlichen Anstrengungen eine hervorragende Arbeit geleistet“. Gleichwohl seien solche Übungen dazu da, Defizite aufzuzeigen. So habe es beispielsweise Probleme bei der Orientierung im unbekannten Gelände auf den Waldwegen gegeben. „Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen noch einiges aufarbeiten“, so Schienbein.

Etwa ein viertel Jahr lang habe man an den Szenarien gearbeitet. „Die Besonderheit war, dass wir Einheiten aus dem gesamten Landkreis zusammengefasst haben, die in dieser Form noch nie miteinander gearbeitet haben.“ Das sei jedoch sehr gut gelungen – man habe die Kräfte „in diesem geschützten Rahmen ganz bewusst an ihre Grenzen führen wollen, dafür sind solche Übungen da“.

Landrätin Kirsten Fründt begleitete die Übung als Beobachterin, rückte erst gegen 3 Uhr morgens ab. Sie sagte: „Mich hat beeindruckt, dass wir in diesem schwierigen Gebiet Wagen und Helfer so unglaublich gut koordiniert haben – ich hätte erwartet, dass es hektischer zugeht.“ Alle wären zwar aufgeregt gewesen, „aber sie wussten, was sie tun“. Es sei ein „unglaublich gutes Gefühl, zu sehen, wie gut die unterschiedlichen Organisationen ineinandergreifen und miteinander arbeiten können“.

von Andreas Schmidt

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