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Übergriffe in Marburg nicht bekannt

Flüchtlingscamp in Cappel Übergriffe in Marburg nicht bekannt

Im Flüchtlingscamp an der Umgehungsstraße hat es bislang keine polizeibekannten Fälle sexueller Übergriffe gegeben. Die Frauenbeauftragte der Stadt fordert aber Verbesserungen für Frauen.

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Das größte der Flüchtlingszelte in der Zeltstadt an der Umgehungstraße in Cappel ist umgesetzt worden. Nächste Woche wird mit dem Aufbau von Holzhäusern begonnen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Der ehrenamtliche Ombudsmann der Stadt für die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel, Karl Otto Beckmannn, bestätigte gestern Nachmittag im Gespräch mit der OP, dass es im Camp an der Umgehungsstraße bislang keine Fälle sexueller Gewalt gegeben habe. Anderslautende Gerüchte, die vor Wochen die Runde machten, hätten sich als „frei erfunden“ herausgestellt, sagte Beckmann.

Nach einem Bericht in der Onlineausgabe der Bild-Zeitung vom Sonntag sollen seit Januar dieses Jahres insgesamt 15 Frauen und Kinder missbraucht worden sein, die meisten davon in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen. Diese Zahlen hatte Innenminister Peter Beuth (CDU) in einer Sitzung des Landtags-Innenausschusses genannt.

Frauenzelt wurde nicht angenommen

Beckmann berichtete, dass ein zunächst eingerichtetes Frauenzelt im Camp an der Umgehungsstraße von den betroffenen Frauen nicht angenommen worden sei. Auch das Angebot des Regierungspräsidiums an alleinstehende Frauen, sie zentral in Darmstadt unterzubringen, sei - jedenfalls was Marburg angeht - nicht angenommen worden, berichtete die Marburger Frauenbeauftragte Christa Winter.

„Einige der alleinstehenden Frauen haben sich in Marburg Familien angeschlossen und fühlen sich in diesem Verbund sicher“, sagt Winter. Auch an sie sind bisher keine Fälle von sexueller Gewalt herangetragen worden. Winter setzt sich aber dafür ein, dass separate, abschließbare Toiletten und Duschen für Frauen zur Verfügung gestellt werden. „Es geht auch darum, Frauen die Angst vor solchen Taten zu nehmen, sie sollen sich sicher fühlen in Marburg“, sagt Winter.

Beckmann geht noch einen Schritt weiter. Er hat vorgeschlagen, etwa auf dem Gelände der Vitos-Klinik, leerstehende Räume vorzuhalten für Frauen, die vorübergehend außerhalb des Lagers in der Umgehungsstraße besser untergebracht seien - für Schwangere beispielsweise oder für Frauen, die sich bedroht fühlen. Bislang sind solche Initiativen allerdings immer versandet.

Umbauarbeiten haben in Cappel begonnen

Unterdessen ist am Wochenende mit der Umrüstung des Flüchtlingscamps für die dauerhafte Unterbringung begonnen worden. Das größte Zelt wurde auf den Sportplatz versetzt - mit erheblichen Einschränkungen für die Menschen, die in diesem Zelt untergebracht sind. Sie mussten, so berichtet Beckmann, den Tag vom frühen Morgen an bis spät in die Nacht im Freien verbringen.

Erst kurz vor Mitternacht sei das große Zelt wieder bezugsfertig geworden. „Das war eine schwierige organisatorische Aufgabe“, sagt Beckmann, und die Sozialarbeiter hätten alle Hände voll zu tun gehabt.

Nach zum Teil zehn Wochen Unterbringung in Cappel, zehn Wochen des Wartens und der Tatenlosigkeit, wächst die Besorgnis, dass es zu Konflikten im Zeltlager kommen kann. Tatsächlich kam es gelegentlich bei der Essensausgabe oder der Kleiderausgabe zu Reibereien, berichtet Beckmann. In der vergangenen Woche versammelten sich zudem nach OP-Informationen einige Dutzend Flüchtlinge vor dem Lager und protestierten mit Parolen und lautem Trommeln gegen eine Maßnahme der Lagerleitung.

Proteste liefen glimpflich ab

Im Vergleich zu anderen Erstaufnahmeeinrichtungen liefen diese Proteste bisher aber glimpflich ab. Karl Otto Beckmann sagte gestern der OP, von Zuständen wie in Calden, wo es am Sonntag zu einer Massenschlägerei zwischen 300 Albanern und 70 Pakistani gekommen war, sei man in Marburg weit entfernt.

Alle Fachleute sind sich aber einig, dass die Unterbringung in den beengten Verhältnissen, in Zelten mit bis zu 200 Betten, ohne Privatsphäre, mit knappen Sanitäranlagen und langen Wartezeiten bei der Essensausgabe, zu Gewaltausbrüchen führen können.

von Till Conrad

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