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Überfallene Frau leidet unter Angstzuständen

Berufungsprozess Überfallene Frau leidet unter Angstzuständen

Dreifache Berufung gegen mehrjährige Freiheitsstrafen - mit Erfolg. Zwei Angeklagte kommen mit Bewährung davon, der Dritte bleibt in Haft.

Marburg. Zwei der Täter sind erst 17 Jahre alt, der Dritte erst seit kurzem 21. Anfang des Jahres hatte das Marburger Jugendgericht die drei wegen gemeinschaftlicher, schwerer räuberischer Erpressung in zwei Fällen zu Gefängnisstrafen von zweimal zwei Jahren und elf Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Dagegen legten sie Berufung ein und mussten sich erneut vor Gericht verantworten.

Anfang November vergangenen Jahres begaben sich die drei mit einer Schreckschusswaffe und einem Messer bewaffneten Angeklagten in die Marburger Innenstadt. Mit dem festen Vorsatz, sie zu berauben, verfolgten sie eine 23-jährige Frau bis zu ihrer Wohnung. Dort stellten sich ihr zwei der Angeklagten in den Weg. Einer zückte das etwa sieben Zentimeter lange Messer und bedrohte die Studentin, forderte ihr Geld. Der jüngste der Täter, damals 16 Jahre alt, zog die Schusswaffe und zielte mit dieser in Richtung der Frau, während der dritte Jugendliche die Umgebung sicherte. Nachdem das Opfer das wenige Bargeld sowie das Telefon ausgehändigt hatte, verschwanden die drei. Seit der Tat leidet die Frau unter Angstzuständen, trug erhebliche traumatische Folgen davon. Sie befindet sich in therapeutischer Behandlung.

Täter halten FrauSchusswaffe an den Kopf

Ende November ereignete sich eine ähnliche Tat. Die drei Angeklagten fuhren wieder nach Marburg, mit der Absicht einen weiteren Raub zu begehen. Wieder folgten sie einer jungen Frau. Der jüngste Täter riss diese dermaßen hart von ihrer Wohnungstür fort, dass sie zu Boden fiel. Sodann hielt er der am Boden Knieenden die Schusswaffe direkt an den Kopf, nahm ihr Geld und Mobiltelefon ab. Das Opfer erlitt einen Schock, jedoch keine bleibenden Schäden.

Während der ersten Verhandlung hatte die Staatsanwaltschaft sogar über dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Jetzt betonte der vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf, dass es sich dabei bereits um ein maßvolles Urteil handele angesichts der Schwere der Taten. Er riet den Angeklagten zu Beginn der Verhandlung, das überflüssige Berufungsverfahren zurück zu ziehen. „Sie sind bereits mit drei blauen Augen aus der Sache raus gekommen“, so der Richter.

Die deutlichen Worte hinterließen einen großen Eindruck bei den Angeklagten, die Berufung nahmen sie jedoch nicht zurück. Alle drei brachten ihr Bedauern über ihre Taten zum Ausdruck. Gemeinsam mit ihren Verteidigern versuchten sie ein milderes Strafmaß zu rechtfertigen und sich in ein besseres Licht zu rücken. Sie haben sich mittlerweile schriftlich bei ihren Opfern entschuldigt und zahlen diesen Schmerzensgeld.

17-Jähriger seit mehreren Monaten in U-Haft

Alle drei sind in den vergangenen Jahren bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten. Der jüngste Beschuldigte befindet sich seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft. Seit der Verurteilung haben sich die beiden anderen bemüht, private und berufliche Veränderungen herbei zu führen, konnten eine feste Arbeit beziehungsweise eine Ausbildung sicher stellen. Der Älteste, der seit Jahren viel Alkohol trinkt, hat eine Suchtberatung wahrgenommen. Beide beteuerten ihr festes Vorhaben, ihr Leben zu ändern und Wiedergutmachung zu leisten. „Wir werden zu Recht bestraft. Es ist unsere eigene Schuld“, sagten alle vor Gericht.

Zweien der Verurteilten bestätigte die Jugendgerichtshilfe gestern eine positiven Lebenswandel und glaubhafte Bestürzung über ihre Taten. Sie seien nicht gefestigt, aber auf einem „guten Weg“. Eine Bewährungsstrafe hielt die Jugendhilfe für sinnvoll.

Auf den jüngsten Täter traf dies nicht zu. Dieser fiel bereits durch wiederholte Konflikte mit dem Gesetz, Jugendheimen und -ämtern auf.

Die Jugendgerichtshilfe sprach von zahlreichen erfolgten Erziehungshilfen für den aus einer Pflegefamilie stammenden Jugendlichen, weitere mögliche pädagogische Maßnahmen gebe es nicht.

Der Staatsanwalt sah keine ausreichende Grundlage, die Strafen abzumildern. Die Taten seien mit erheblicher krimineller Energie geplant und durchgeführt worden.

Striktes Alkoholverbot wird gerichtlich kontrolliert

Das Gericht wandelte schlussendlich die Urteile aus erster Instanz ab. Zwei der Verurteilten erhielten zweijährige Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Älteste hat zudem ein striktes, gerichtlich kontrolliertes, Alkoholverbot einzuhalten. Der jüngste Täter bleibt im Gefängnis, seine Haftstrafe wurde auf zwei Jahre und drei Monate verkürzt.

von Ina Tannert

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