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Überfall war erstunken und erlogen

Drei Festnahmen Überfall war erstunken und erlogen

Nicht alles, was in der Zeitung steht, stimmt. Dabei war die Quelle der Nachricht die hiesige Polizei. Doch wurde diese dreist angelogen. Der angezeigte Raubüberfall auf eine Spielothek in Wallau hatte niemals stattgefunden.

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Spielotheken werden immer mal wieder überfallen. Doch der Überfall in Wallau im Oktober 2012 war fingiert.

Quelle: Uwe Meinhold

Marburg. Wer hat am 22. Oktober 2012 nach 3 Uhr diese Männer gesehen? Mann eins, etwa 1,60 Meter groß und schlank, athletische Figur, blaue Augen. Er trug schwarze Handschuhe, Jeans, eine schwarze Jacke und ein rotes T-Shirt. Mann zwei, deutlich größer als Mann ein, schlank dunkle Hose. Mann drei, dunkel gekleidet. Mann eins trug beim Überfall eine blaues Tuch über Mund und Nase, die beiden anderen schwarze Motorradhauben.Bei welchem Überfall? Beim Überfall auf die Spielothek in der Bahnhofstraße in Wallau. Am 22. Oktober. Stand doch alles in der Zeitung.

Kassierer ließ sich fesseln

Nun Zeugenaussagen aufgrund dieser Meldung blieben wohl aus. Kein Wunder, denn man kann niemanden sehen, den es gar nicht gibt. - Ja alles was da über den Überfall in der Zeitung stand war falsch. Der allein in der Spielothek anwesende Kassierer wurde gar nicht überfallen und auch nicht mit einem Messer bedroht. Wohl ließ er sich fesseln, damit die Spuren an seinem Körper echt wirkten. Zudem ließ er sich leichte Schnittverletzungen zufügen, um der Geschichte mehr Glaubwürdigkeit verleihen zu können. Praktischerweise sollen die Täter die Videoüberwachungsanlage zerstört und belastendes Material mitgenommen haben.Die Polizei weiß es nun besser: Die Überfall-Geschichte dachten sich drei Männer aus, um an Geld zu kommen. Zwei der drei Männer schuldeten dem dritten Geld und gemeinsam hofften sie, es auf diesen Wege zu bekommen.

Trio ergaunert sich Summe m sechsstelligen Bereich

Dieser Betrug war vielleicht der Höhepunkt einer langen Reihe von Betrügereien, die die beiden 23 und 29 Jahre alten Männer in der Regel zusammen mit einer 35-jährigen Frau begangen hatten.Seit sechs Monaten liefen polizeiliche Ermittlungen gegen das Trio, in der vergangenen Woche klickten drei Mal die Handschellen. Der 29-Jährige wurde in Marburg festgenommen, der 23-Jährige und die Frau jeweils in Wohnungen in Stadtallendorf. „Die beiden Männer befinden sich in Untersuchungshaft. Den Haftbefehl gegen die Frau setzte der Richter unter Auflagen außer Vollzug“, sagt Polizeisprecher Martin Ahlich.

Betrug an Reisebüros und Fluggesellschaften

Das Trio betrieb in Stadtallendorf ein Dienstleistungsunternehmen der ganz besonderen Art. Nach den Ermittlungen der Polizei zu urteilen, ging es dabei nicht darum, einen zufriedenen Kundenstamm aufzubauen und damit Geld zu verdienen, sondern darum, möglichst leicht an das Geld der Kunden zu kommen, um dieses für private Zwecke nutzen zu können. So betrogen sie nicht nur Bürger, die Reisen buchen wollten, sondern auch Fluggesellschaften und Reisebüros. Martin Ahlich: „Sie ließen sich beispielsweise Flugreisen bar bezahlen, buchten aber nicht wie versprochen. Zahlreiche Kunden standen dann am Flughafen und konnten den Heimflug nicht antreten. Sie waren gezwungen, den Rückflug selbst zu organisieren und quasi erneut zu finanzieren“, Ferner ließen die drei Geschäftsleute Lastschriften durch ungedeckte Konten platzen.

Mit den Betrügereien ergaunerten sich die drei eine erhebliche Geldsumme im sechsstelligen Bereich. Unter anderem nutzten sie das Geld auch dazu, in Wallau eine Spielothek zu betreiben.

Nichtsdestoweniger hatten die beiden Männer bei einem dritten Schulden angehäuft, die sie offenbar nicht bezahlen konnten. So entstand wohl die Idee, einen Überfall auf die Spielothek vorzutäuschen. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen nach den heutigen Erkenntnissen davon aus, dass der Überfall, so wie zunächst angenommen gar nicht stattgefunden hat. Die drei maskierten Männer entstammten allein der Fantasie des Betreibers der Spielothek.

von Götz Schaub

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