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„Über Behringtunnel noch mal reden“

Kommunalwahl-Interview: Dirk Bamberger „Über Behringtunnel noch mal reden“

Zum Abschluss unserer Kurzinterview-Serie mit den Spitzenkandidaten der Parteien für das Stadtparlament lesen Sie heute das Gespräch mit Dirk Bamberger (CDU).

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Marburgs CDU-Chef Dirk Bamberger ist Spitzenkandidat seiner Partei für die Kommunalwahl am 6. März.Foto: Ruth Korte

Quelle: Ruth Korte

Marburg. OP: Welches ist das zentrale Wahlkampfthema der CDU in diesem Wahlkampf?

Dirk Bamberger: Wir haben natürlich mehr als nur ein wichtiges Thema. Aber selbstverständlich steht die Verkehrspolitik aus aktuellem Anlass weit oben auf der Agenda. Wir sind mit der Verkehrssituation in Marburg nicht zufrieden. Der Verkehrsversuch im Nordviertel hat sich nicht bewährt und muss beendet werden. Nach wie vor stehen Autos auf der Stadtautobahn im Stau, wenn sie Richtung Nordviertel abbiegen wollen. Das ist gefährlich. Wir fordern einen Masterplan, der alle Verkehrsprobleme, alle Verkehrsströme in Marburg untersucht und Lösungen entwickelt. Eines ist klar: Der Berufsverkehr zu den Behringwerken morgens und von den Behringwerken in Richtung Osten lässt sich nicht wegdiskutieren. Es fehlt an alternativen Routen durch die Stadt in Ost-West-Richtung. Ich bin zumindest dafür, dass man das Thema Behringtunnel (passender wäre eigentlich Wannkopftunnel) noch einmal bespricht. In jedem Fall müssen wir aber eine Lösung finden, die die Verkehrsströme vernünftig leitet und umleitet. Dazu gehört auch ein Parkleitsystem, um den Parksuchverkehr in der Innenstadt zu reduzieren.Wir haben in der Innenstadt an bestimmten Punkten, zum Beispiel rund um die Justizgebäude, eindeutig zu wenig Parkplätze. Das muss man sich genau anschauen und ergebnisoffen diskutieren, wo Parkplätze entstehen können.

OP: Das klingt deutlich versöhnlicher als man das gerade in Verkehrsfragen von der CDU gewohnt ist. Rücken Sie die CDU ein wenig näher an das linke Lager in Marburg heran?

Bamberger: Wir haben in der CDU nie nur den Autoverkehr gesehen. Aber es gilt weiterhin, dass SPD und Grüne den motorisierten Individualverkehr massiv behindern. Das lassen wir nicht zu - aber wir sind mehr als nur eine Autofahrerpartei. Es ist doppelzüngig von Rot-Grün, auf der einen Seite den Autoverkehr massiv zu verteufeln und auf der anderen Seite nichts zu tun für die Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer. Wir wehren uns gegen die rot-grüne Verkehrspolitik, die ausschließlich die Gängelei der Autofahrer zum Inhalt hatte.

OP: Wie soll die Wohnungsnot in Marburg gelindert werden?

Bamberger: Die Wohnungssituation ist nicht neu, sie war vor 20 Jahren schon prekär. Sie ist das Resultat einer verfehlten Stadtentwicklungspolitik. Wir brauchen dringend zusätzlichen Wohnraum. Das ist nicht nur ein Thema für den sozialen Wohnungsbau, sondern wir brauchen auch neue Baugebiete in den Außenstadtteilen, damit etwa Menschen, die keinen Anspruch mehr auf eine Sozialwohnung mehr haben, oder junge Familien ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen können. Auch die Mittelschicht hat Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum. Ich bin zwar für eine ergebnisoffene Prüfung der Wohnbebebauung auf den Lahnbergen, stehe dieser Idee aber eher skeptisch gegenüber. Anders sieht das bei der Nahversorgung auf den Lahnbergen aus. Diese Idee befürworte ich tendenziell, bin aber auch hier für eine ergebnisoffene Prüfung. Ein Teil der 9000 Menschen, die täglich auf die Lahnberge pendeln, könnten auf den Lahnbergen einkaufen, ohne noch einmal nur deswegen in die Innenstadt zu müssen.

OP: Mit welchem Partner wollen Sie nach der Wahl am 6. März regieren?

Bamberger: Der Wunschtraum eines jeden Parteivorsitzenden ist es, nach der Wahl die Regierungsgeschäfte allein führen zu können. Das ist für die CDU in Marburg eher unrealistisch. Wir wollen uns für ein sehr gutes Ergebnis engagieren. Wir werden uns aber in keinem Thema an irgendeine Partei anbiedern. Wenn es das Ergebnis hergibt, muss man sehen, wo es Schnittmengen mit anderen Parteien gibt. Ich bin sehr vorsichtig in der Bewertung der Zuverlässigkeit der Wahlversprechen von SPD und Grünen. Das hat die letzte Legislaturperiode gezeigt, siehe Seilbahn, siehe Ortsbeiräte. Die Option „große Koalition“ mag die wahrscheinlichste neben Rot-Grün sein, aber das lässt sich erst nach dem 6. März endgültig bewerten.

von Till Conrad

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