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UKGM bietet Krebskranken Zweitdiagnose an

Angebot für Krebskranke UKGM bietet Krebskranken Zweitdiagnose an

Die Diagnose Krebs kommt für viele Menschen völlig unerwartet. In Zusammenarbeit mit der AOK Hessen bietet das Uniklinikum einen Zweit-meinungsservice an, der den Befund absichern soll.

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Geschaftsführer Professor Jochen Werner (von links), Dr. Sylvia Heinis, Telefon-Beraterin Nicol Marquardt, Thomas Burmann von der AOK Hessen, Professor Rudolf Arnold und Professor Andreas Neubauer vor dem „Zweitmeinungsbüro“.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. „Vier Augen sehen oft mehr als zwei“, sagt Professor Andreas Neubauer, Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie am UKGM. Aus diesem Grund sei es für viele Patienten zunehmend wichtiger, eine zweite Meinung zu hören - gerade dann, wenn die Diagnose so schwerwiegend ausfällt wie bei Krebs. Seit Dezember 2013 gibt es im „Anneliese Pohl Krebszentrum“ des Klinikums ein „Zweitmeinungsbüro“, in dem eine Beratung für Erkrankte geboten wird. Ein Service, der bereits jetzt „von den Patienten sehr gerne angenommen wird“, wie Professor Rudolf Arnold, Direktor des Krebszentrums, berichtet.

Die AOK Hessen bietet ihren Mitgliedern nun künftig eine kostenlose Zweitberatung im UKGM an. „Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, das viele Patienten nach einer derartigen Diagnose verunsichert sind“, begründet Thomas Burmann diesen Schritt der Krankenkasse. Die Versicherten wollten häufig eine Zweitmeinung hören und die AOK wolle ihnen „die Gelegenheit bieten, damit zu guten Spezialisten zu kommen“. Man habe gute Erfahrungen mit der Arbeit im Uniklinikum gemacht und wähle es daher nun als einen von zwei Standorten in Hessen aus.

Beratung durch „Zweitmeinungsbüro“

Neben Marburg erfolgt die Beratung landesweit ausschließlich in Frankfurt, sodass der Einzugsbereich des UKGM sich auch über ganz Nord- und Osthessen erstrecke.

„Wir freuen uns, dass die AOK uns ausgewählt hat, zumal die Onkologie unseren medizinischen Kern darstellt“, erklärte daher UKGM-Geschäftsführer Dr. Holger Thiemann. Doch auch Nicht-AOK-Kunden sind für eine Zweitberatung willkommen, betont Arnold. Nicol Marquardt, Telefonistin im Zweitmeinungsbüro nehme die Anrufe der Patienten zunächst einmal entgegen und höre sich den Fall an, sodass sie die Unterlagen an den am besten geeignetsten Spezialisten übergeben könne. Anschließend begutachte dann der Arzt die Unterlagen und lade den Patienten, falls notwendig, ein, um eine fundierte Diagnose stellen zu können. Demnächst soll eine zweite Telefonistin zur Unterstützung Marquardts eingestellt werden.

Obwohl bereits jeweils ein Spezialist für die verschiedenen Tumorformen ausgewählt werde, „beraten wir uns alle noch einmal zusammen und kontrollieren uns gegenseitig“, sagt Neubauer. Dies schaffe zwar viel Arbeit, doch auch aus ärztlicher Sicht sei es beruhigend, eine weitere Einschätzung zu haben. Kürzlich habe so etwa ein seltener Tumor identifiziert werden können, „der weltweit nur drei- bis fünfmal pro Jahr auftritt“. Doch selbst wenn die ursprüngliche Diagnose - wie in etwa 90 Prozent der Fälle - bestätigt werde, „fühlen sich die Menschen anschließend besser“, denn schließlich sei eine Krebs-Erkrankung ein tiefer Einschnitt in ein jedes Leben. Erst kürzlich habe ihm die Ehefrau eines Patienten beschrieben, dass es sei, „als ob ein Zelt über unserem Leben zusammenfällt und wir keine Luft mehr kriegen“. Die Gewissheit einer zweiten Diagnose könne helfen, ein solches Schicksal besser anzunehmen.

Das UKGM versuche Menschen, die zur Diagnose kommen, jedoch „nicht von ihrer Umgebung abzukoppeln und anschließend wieder nach Hause zu schicken“, erklärt Arnold.

von Peter Gassner

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