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Tunesierin ist begeistert von Marburg

Austausch Tunesierin ist begeistert von Marburg

Vor sechs Monaten kam Sana Chakroun aus der tunesischen Partnerstadt Sfax nach Marburg, um Deutsch zu lernen. Nun möchte sie an der Universität ihre Doktorarbeit schreiben.

Marburg. „Das Wetter erinnert ja mehr an Weihnachten als an den arabischen Frühling“, scherzt Bürgermeister Dr. Franz Kahle und bringt damit auch Sana Chakroun zum Lachen. Die Tunesierin erzählt: „Es ist sehr kalt, aber das ist schön. In Marburg habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen.“ Seit Oktober ist die 27-Jährige in Deutschland und hat dabei Eindrücke gewonnen, die ihr aus ihrer nordafrikanischen Heimat fremd sind.

Sfax, die zweitgrößte Stadt Tunesiens, ist schon seit 1970 Marburgs Partnerstadt. Auch die Stadt am Mittelmeer besitzt eine historische Altstadt und beherbergt eine große Anzahl an Studenten: Es sind derzeit rund 50.000. Daher existiert bereits seit vielen Jahren ein reger Austausch zwischen den beiden Städten, und erst vor wenigen Tagen machte sich die Medienwissenschaftlerin Stefanie Klos auf den Weg zum Austausch in die tunesische Wirtschaftsmetropole (die OP berichtete).

Nun also ist es Sana Chakroun, die ihren Aufenthalt verlängert und ein neues Kapitel des Austauschs schreibt. Unterstützt wird sie dabei von der Stadt Marburg, die ihr das Stipendium in Kooperation mit ihren Partnern ermöglicht. Im Vilmarhaus der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) wohnt sie kostenlos, in der Mensa bekommt sie Essen gegen die Pflege einiger Pflanzen und bei „speak + write“, der Gesellschaft für Sprachunterricht, erhält sie freien Deutschunterricht.

„Am Anfang war Deutsch sehr schwierig, aber ich liebe diese Sprache“, sagt Chakroun. Sie lernt sehr ehrgeizig und empfindet es als eine „schöne Herausforderung mit der komplexen Grammatik“. Auch die große Entfernung in ihre Heimat scheint sie nicht zu belasten.

Sie berichtet von freundlichen Menschen und strahlt, als sie von einer Reise nach Berlin erzählt. Für den Kontakt mit ihrer Familie nutze sie den Internet-Telefonanbieter Skype und ihre Webcam, sagt sie.

Dem weiteren Verbleib in Deutschland steht also nichts im Wege und die 27-Jährige strebt das auch nach ihrem im September endenden Stipendium an.

Doktorarbeit zum„Arabischen Frühling“

In ihrer Masterarbeit an der Universität in Sfax hat sie UN-Resolutionen zum Palästina-Konflikt sowohl auf die linguistischen als auch auf die politischen Inhalte hin analysiert. Nun aber, sagt sie, hat in Tunesien die Revolution stattgefunden und vielleicht könne man „Palästina auch helfen, wenn man die Schlüsse aus der Revolution in Tunesien zieht“. Zu diesem Zweck möchte sie ihre Doktorarbeit zum Thema „Arabischer Frühling in Tunesien“ an der Philipps-Universität schreiben und hofft auf ein Doktoranden-Stipendium ab dem kommenden Herbst. Und vielleicht kann sie dann auch noch häufiger mal Schnee sehen.

von Peter Gassner

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