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Türkei-Austausch soll weitergehen

Philipps-Universität Türkei-Austausch soll weitergehen

Der Ausnahmezustand in der Türkei nach dem gescheiterten Putsch gegen die Regierung von Präsident Erdogan hat vorerst keine Auswirkungen auf den Austausch der Marburger Universität mit türkischen Hochschulen.

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Auch die Anhänger der türkischen Oppositionspartei demonstrierten in Istanbul nach der Ausrufung des Ausnahmezustandes durch Präsident Recip Erdogan.

Quelle: Cem Turkel

Marburg. Die Anzahl türkischer Wissenschaftler und Doktoranden, die derzeit an der Philipps-Universität sind, liegt derzeit bei 15. erläuterte Uni-Pressesprecherin Andrea Ruppel der OP auf Anfrage. Hinzu kommen aber auch Gastwissenschaftler, die bilateral mit Lehrstühlen und Bereichen kooperieren, deren Anzahl aber nicht zentral erfasst ist. „Nach unserer Kenntnis sind keine Wissenschaftler, die Beschäftigte der Philipps-Universität sind, zur Rückkehr aufgefordert“, so Ruppel. Den türkischen Wissenschaftlern steht in allen relevanten Fragen das „Welcome Center“ der Universität für Unterstützung und Beratung zur Verfügung.

Die Philipps-Universität Marburg unterhält derzeit mit 28 Hochschulen in der Türkei Kooperationen. Im Wintersemester 2015/16 waren 43 Studierende aus der Türkei zum Austausch in Marburg. „Wie viele von ihnen noch hier sind, können wir derzeit nicht sagen“, erklärt die Pressesprecherin. 66 Studierende aus Marburg waren im gleichen Zeitraum in der Türkei. Momentan sind noch sieben Marburger Studierende in der Türkei vor Ort. Mit ihnen hat die Universität Kontakt aufgenommen und Unterstützung angeboten. Alle anderen haben ihr Austauschsemester abgeschlossen und sind zurückgekehrt. Wegen der ungeklärten Lage und vieler offener Fragen hat die Wahrung der Interessen der Wissenschaftler und Studierenden Priorität. Daher möchte die Universität in der momentanen Situation keine türkische Wissenschaftler und Studierende oder Gastgeber türkischer Gastwissenschaftler als Gesprächspartner vermitteln.

Generell schließt sich die Philipps-Universität Marburg dem Statement der Hochschulrektorenkonferenz vom vergangenen Mittwoch zur Entwicklung in der Türkei an. Die Philipps-Universität Marburg nehme mit großer Sorge die Nachrichten über die Entwicklung in der Türkei und insbesondere an den Hochschulen zur Kenntnis, heißt es in einer Erklärung der Uni-Leitung.

Das hat aber vorerst keine Auswirkungen auf die Austausch-Programme. „Wir machen weiter. Unsere Angebote bleiben bestehen“, sagte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause auf OP-Anfrage zur Zukunft der Austauschprogramme mit türkischen Partner-Hochschulen.

DAAD-Linie befolgt

Darüber hinaus befolge die Uni-Leitung die Linie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes bei Erasmus-Austausch-Programmen. Die Verantwortung für die Auswahl des Ziellandes für eine Erasmus-Mobilität liege bei den Geförderten selbst. Empfohlen werde auf jeden Fall eine Registrierung in der Krisen-Vorsorgeliste des Auswärtigen Amtes. Sollten für die Türkei nominierte Studierende nicht reisen wollen, werde die Uni Marburg in Absprache mit den Fachbereichs-Koordinatoren versuchen, diesen Studierenden einen Studienplatz in einem anderen Land anzubieten.

Am Centrum für Nah- und Mitteloststudien ist die Türkei seit einigen Jahren auch ein Forschungsthema. „Die Türkei gehört zum Nahen Osten“, erläutert Rachid Ouaissa, Professor für Politik des Nahen und Mittleren Ostens. Zugleich werde zur Türkei am CNMS auch aus islamwissenschaftlicher Sicht geforscht. Am CNMS gibt es derzeit eine Reihe türkischstämmiger Studierender, gleichzeitig werden die Türkisch-Sprachkurse ausgebaut.

Aus Sicht von Ouaissa sollte es zum Anfang des kommenden Wintersemesters eine öffentliche Uni-Veranstaltung geben, an der es um den aktuellen Stand der Demokratie in der Türkei nach dem gescheiterten Putsch und den Reaktionen des Erdogan-Regimes gehen sollte.

Den Austausch der Philipps-Universität mit den türkischen Partner-Universitäten sollte man „ein bisschen bremsen“, sagte Ouaissa auf OP-Anfrage. „Ich würde ungern mit einem diktatorischen Staat zusammenarbeiten“, sagte Ouaissa. Wenn die Marburger Studierenden und Gastwissenschaftler in der Türkei nicht mehr sicher seien, dann müsse man mit Sorgfalt überprüfen, ob der Austausch so weitergehen könne wie bisher, so der Politikwissenschaftler.

von Manfred Hitzeroth

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