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Tür an Tür mit dem Gewerbe

Wohnbebauung Tür an Tür mit dem Gewerbe

Um mehr Platz für Wohnungen zu schaffen, plant die Stadt Marburg die Umwandlung von zwei Gewerbegebieten in Mischgebiete. Zudem sollen neue Baugebiete erschlossen werden.

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Am Fußballstadion leben Studenten bereits über Gewerbebetrieben. Auch auf dem Gelände daneben könnte in der Gisselberger Straße bald Wohnen neben dem Gewerbe möglich sein. Die Stadt möchte das Gebiet in ein Mischgebiet umwandeln.Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. In Marburg fehlt es an Wohnraum, Bauplätzen und Gewerbeflächen. Die Stadt beschäftigt sich daher mit mehreren Projekten, um sowohl neuen Wohnraum, als auch neue Gewerbeflächen anbieten zu können. In den Gremien der Stadt herrscht dabei große Einmütigkeit. Die Ausschüsse haben sich gerade erst für die Einleitung mehrerer Bauleitplanungen und Rahmenplanungen für neue Wohnraumprojekte ausgesprochen.

Einige Bürger beschäftigt dabei die Möglichkeit, dass am oberen Rotenberg ein neues­ Baugebiet entstehen könnte.­ Nadia Otero, Sprecherin einer Bürgerinitiative, hat im Bauausschuss die Bedenken einiger Marbacher hervorgebracht - dabei ging sie davon aus, dass die Bebauung beschlossene Sache sei und auf dem Gelände hinter der Gärtnerei Philipps Platz für 80 Einfamilienhäuser und einen Tegut-Markt geschaffen werden solle. „Wir sehen eine große Gefahr, denn wir wollen dieses Areal zur Naherholung erhalten“, so Otero.

„Der Regionalplan Mittelhessen 2010 sieht vor, dass der obere Rotenberg ein mögliches Baugebiet ist“, so Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies im Gespräch mit der OP. Daher könne eine Wohnbebauung hinter der Häuserreihe im Höhenweg bereits bauleitplanerisch umgesetzt werden. „Irgendwo müssen die Menschen auch wohnen, die in Marburg leben wollen.“ Dennoch sei noch gar nicht klar, ob dort überhaupt gebaut werde. Erst mal müsse ein Aufstellungsbeschluss gefasst werden, dann könnten Kritiker und Befürworter Anmerkungen einbringen. „Die Bürger können und sollen sich in diesem Rahmen beteiligen“, sagte­ Spies. Danach würde das Für und Wider von den städtischen Gremien abgewogen - und unter öffentlicher Beteiligung entschieden, wie und ob die Planungen umgesetzt würden.

Der Bauausschuss stimmte für einen Antrag von SPD, CDU und BfM. Demnach soll nun geprüft werden, ob sich die Bereiche Höhenweg am Rotenberg und Hasenkopf im Stadtwald für den Wohnungsbau eignen. Laut Beschluss sind die Bürger hierbei „frühzeitig einzubinden“.

Naherholung trotz neuer Baugebiete erhalten

„Uns ist an einer Nachverdichtung gelegen, wenn nicht alle Wiesenflächen wegfallen“, erklärte Tanja Bauder-Wöhr (Linke). „Die Möglichkeiten für bezahlbaren und guten Wohnraum in Marburg sind etwas ausgeschöpft“, ergänzte Renate Bastian (Linke). Dennoch müssten die beiden potenziellen Baugebiete sensibel betrachtet werden: „Das Naherholungsgebiet dazwischen wird sonst schnell in die Zange genommen.“

Reinhold Kulle vom Fachdienst Stadtplanung versprach, dass die Stadt über den Sommer einen Kriterienkatalog aufstellen werde, um beide Gebiete sachlich gegenüberzustellen. Dies könne dann ab Herbst als Grundlage für weitere Diskussionen herangezogen werden.

Daneben plant die Stadt, zwei Gewerbegebiete in Innenstadtlage in Mischgebiete umzuwandeln, damit auch dort Wohnhäuser gebaut werden können. Zum einen soll laut Kulle der Bereich Gisselberger Straße/Willy-Mock-Straße zum Mischgebiet werden. „Der Bereich hat seinen Charakter als Gewerbe­gebiet bereits verloren“, erklärte­ er. Laut Bauamtsleiter Jürgen Rausch würden Grundstücke suboptimal genutzt, investiert wurde seit Jahrzehnten nicht. „Daher sollten wir das Gebiet für neue Perspektiven öffnen, die eine sukzessive Entwicklung ermöglichen.“ Alle ansässigen Gewerbe seien Mischgebietsverträglich - auch die Tankstelle. „Es wird vor allem das Thema Lärmemission betrachtet werden müssen, denn es ist eine unserer Hauptverkehrsadern.“

Von Eigentümern gut aufgenommen wird laut Kulle auch die Idee, das Gebiet zwischen der Temmlerstraße und der Cappeler Straße in ein Mischgebiet umzuwandelnd. „Das Verfahren wird aber eine Weile dauern, da wir einige Gutachten beauftragen müssen“, kündigte­ er an. Für die Umwandlung ­habe die Stadt zunächst ein kleineres Areal in den Blick genommen, in dem sie unter anderem mit dem Stadtbüro selbst größte­ ­Eigentümerin sei. „Als Akteur können wir hier vorausgehen und so die anderen Eigentümer dazu ermuntern, auch in anderen Bereichen dieses Gebiets die Bebauung neu zu planen, etwa am Krekel“, so Kulle.

Für Bebauung sollen außerdem die Voraussetzungen geschaffen werden in Hermershausen „Am Kuhweg“ und in Dilschhausen „Am Nesselberg“.

von Patricia Grähling

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