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Tucholsky-Zitat war rechtens

Anzeige Tucholsky-Zitat war rechtens

Jan Schalauske, Dr. Ulf Immelt und Dr. Alexandra Kurth haben sich nicht der Beleidigung schuldig gemacht, als sie ein Transparent mit einem Tucholsky-Zitat präsentierten.

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Anti-Marktfrühschoppen-Demonstration mit Tucholsky-Plakat im Juni. 

Quelle: Archivfoto

Marburg. „Verbindungen sind ein Haufen verhetzter, irregeleiteter, mäßig gebildeter, versoffener und farbentragender junger Deutscher“ - dieses vernichtende Urteil über den farbentragenden akademischen Nachwuchs fällte der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky in der Weimarer Republik. Und Marburger Gegner des Marktfrühschoppens malten es auf ein Transparent, mit dem sie im Juli gegen die Durchführung der umstrittenen Veranstaltung auf dem Marktplatz demonstrierten.

Der Marktfrühschoppen wird traditionell von studentischen Verbindungen besucht, darunter auch jenen, die dem rechtsextremen Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ angehören, und ist deswegen seit Jahren ein kommunalpolitischer Dauerkonflikt. Das Transparent jedenfalls provozierte eine Strafanzeige: Der Stadtallendorfer Rechtsanwalt Dr. Richard Simon zeigte die Politikwissenschaftlerin und Verbindungsexpertin Dr. Alexandra Kurth von der Universität Gießen, Dr. Ulf Immelt, Organisationssekretär des DGB, und den Linken-Stadtverordneten Jan Schalauske an: wegen Beleidigung. Der Strafantrag war am 23. Juli bei der Staatsanwaltschaft Marburg eingegangen. Inzwischen ist das Ermittlungsverfahren eingestellt. In einem Schreiben an einen der Beschuldigten, das der OP vorliegt, heißt es, die Beschuldigten seien „nach dem Ergebnis der Ermittlungen unschuldig.“

Der Linken-Stadtverordnete Jan Schalauske bezeichnete die Einstellung des Verfahrens als einen Sieg für die Meinungsfreiheit. „Es wird also auch weiter möglich sein, Tucholsky in der politischen Auseinandersetzung zu zitieren“, sagte Schalauske der OP.

Die Strafanzeigen hatten in Marburg eine breite Solidarität mit den Betroffenen hervorgerufen. Unter anderem hatte de DGB eine „lange Tucholsky-Lesenacht“ auf dem Marktplatz organisiert.

„Immerhin haben uns die Strafanzeigen eine der schönsten Veranstaltungen in Marburg eingebracht“, sagt Schalauske: Mehr als 40 Menschen seien zusammengekommen, um sich gegenseitig mit Lesungen aus dem Werk Tucholskys zu erfreuen.

von Till Conrad

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