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Trude Simonsohn: „Am Ende alles Schwindel“

Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn: „Am Ende alles Schwindel“

Theresienstadt, Dachau, Auschwitz - diese Orte und das, wofür sie stehen, sind bis heute Teil von Trude Simonsohns Leben.

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Trude Simonsohn.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Ghetto in Theresienstadt, wo sie ihren Ehemann Berthold kennenlernte, und die Deportation nach Ausschwitz er- und überlebte sie selbst, in Dachau entkam der Gatte nur knapp dem Tod.

Während dieser allerdings bereits 1978 starb, lebte Trude Simonsohn (Archivfoto: Thorsten Richter) weiter, ist mittlerweile 94 Jahre alt und kämpft irgendwie immer noch. Nicht mehr gegen Hunger oder Kälte, sondern gegen das Vergessen, auf Lesungen aus ihren Büchern, wie dem 2013 erschienenen „Noch ein Glück“, und mit einfachen Erzählungen aus ihrem Leben wie am Mittwochabend im Historischen Rathaussaal. Unterstützt wurde sie dabei von Elisabeth Abendroth, die kommentierte und ergänzte.

200 Zuhörer imHistorischen Rathaussaal

Die Stühle des Historischen Rathaussaals waren alle besetzt, die Fensterbänke ebenfalls, und auch auf den Gängen und in den Ecken suchten Zuhörer mal sitzend, mal stehend Platz. „Wir haben heute bestimmt an die 200 Menschen hier, was uns natürlich zeigt, wie groß die Nachfrage nach solchen Zeitzeugenberichten ist. Wir werden versuchen noch in diesem Jahr einen weiteren Termin in einem größeren Saal zu ermöglichen, da viele keinen Platz mehr bekommen haben. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, wie anstrengend es in diesem Alter ist, so lange öffentlich zu sprechen“, erklärte Manfred Paulsen von der kulturellen Aktion „Strömungen“.

Vielleicht war die Lesung auch deshalb so gut besucht, weil heute die mahnende Erinnerung an die Nazi-Verbrechen so wichtig ist wie lange nicht - angesichts der „besorgten Bürger“, die sich gegen Fremde zusammenrotten.

In Auschwitz „schaffte es niemand lange“

Trotz der großen Anzahl herrschte unter den Zuhörern absolute Stille, als Simonsohn über die Zeit im Ghetto sprach, bevor sie selbst kurz vor dem Ende des Krieges nach Auschwitz kam, an das sie sich aufgrund des Traumas kaum erinnern kann.

„Abschließend kann ich über Theresienstadt sagen, dass es trotz aller Bemühungen unter uns, es vor allem den Kindern so erträglich wie möglich zu machen, am Ende alles Schwindel war“, berichtete Simonsohn. „Wer zu jung oder zu alt war, hatte kaum eine Überlebenschance, denn die kamen zuerst nach Auschwitz, und dort schaffte es niemand lange. Für die Kinder gab es etwa einen Chor, in dem sie singen konnten, wo sie mehrere Besetzungen einplanen mussten, da allen klar war, dass schon bei der zweiten Aufführung nicht mehr alle da sind.“

von Marcus Hergenhan

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