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Trotz Brexit weiter verbunden

Städtepartnerschaft mit Northampton Trotz Brexit weiter verbunden

Northamptons neuer ­Bürgermeister versprach bei seinem Marburg-­Besuch, die partnerschaftlichen Beziehungen nicht abreißen zu lassen.

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Bürgermeister Dr. Franz Kahle hält das Geschenk der britischen Gäste, zwei Krawatten mit zwei Rugby-Teams Northamptons, in den Händen. Sein englischer Kollege Christopher Malpas bekam diverse Kleinigkeiten aus Marburg überreicht.

Quelle: Yannic Bakhtari

Marburg. „Egal ob wir inner- oder außerhalb der EU sind, wir werden die Partnerschaft aufrechterhalten“, sagte Northamptons Bürgermeister Christopher Malpas. Auch wenn die Briten die EU nach ihrem Brexit-Votum irgendwann verlassen werden, wollen Marburger und Bürger Northamptons den Kontakt zueinander nicht verlieren, sondern festigen. Viele von ihnen engagieren sich leidenschaftlich für die Städtepartnerschaft der deutschen und der englischen Stadt.

Jedes Jahr stattet eine Delegation der jeweils anderen Stadt einen Besuch ab, dazu gibt es noch privaten Austausch aufgrund von in den 90er-Jahren begründeten Freundschaften zwischen Briten und Deutschen.

Zusammen mit seiner Ehefrau Lynne und seiner achteinhalbjährigen Blindenhündin Verity besuchte der fast komplett blinde Malpas die Universitätsstadt und wurde zuerst von Marburgs Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im Historischen Rathaussaal begrüßt. Kahle beschrieb Marburgs besonderes Engagement für blinde Menschen durch die Deutsche Blindenstudienanstalt (Blista), die von den britischen Gästen noch besucht werden sollte. Auch ein kurzer Geschichtsexkurs fehlte nicht und so berichtete Kahle seinen Gästen von der Stadtpatronin Elisabeth. Abschließend ließ er sie das Credo der Universitätsstadt wissen: „In Marburg gibt es keine Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund und aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität.“ Malpas zeigte sich begeistert vom „Sehnsuchtsort Marburg“, doch wohnen wolle er dort nicht, „weil das Hinauf- und Hinuntersteigen der Hügel zu anstrengend ist“.

Interesse an beiden Seiten gebe es auch nach all den Jahren noch, obwohl die Städtepartnerschaft bereits seit 1992 besteht. „Wir sind interessiert am englischen Leben“, sagte Christa Stoffregen. Die Vorsitzende des Freundeskreises Marburg-Northampton bedrücke es aber, dass keine jungen Leute an der partnerschaftlichen Beziehung des Freundeskreises zu England teilnehmen. „Wahrscheinlich reisen junge Leute einfach so hin. Viele sind ohnehin oft sehr international vernetzt“, sagte Stoffregen. Außerdem habe sie als Rentnerin einfach mehr Zeit.

Junge Menschen vernetzen sich anders als ältere

Auch von britischer Seite kamen ähnliche Vermutungen im Hinblick auf den hohen Altersdurchschnitt. „Junge Menschen scheinen eine Städtepartnerschaft gar nicht für ein Kennenlernen zu benötigen, das klappt vor allem durch Schüleraustausch und das Internet“, erklärte Trevor Bailey, Vorsitzender der Twinning Association (Pendant zum Freundeskreis).

Doch neben den Aktionen des Freundeskreises vernetzen sich gleichwohl auch junge Menschen miteinander, aber auf andere Weise als die Älteren. Das MaNo-Musikfestival findet seit 21 Jahren jedes Jahr im März in Marburg statt und zieht etliche Leute in die Universitätsstadt. Bands der Stadt treten zusammen mit Musikern aus allen sechs Partnerstädten auf, um den partnerschaftlichen Gedanken zu intensivieren.

Gegründet wurde das Festival von Musikern aus Marburg und Northampton. Seit 16 Jahren ­organisiert der durch das KFZ bekannte Go(dehard) „Zuppi“ Cziba das Musikfestival. „Andersherum fahren auch Marburger nach Northampton zu einem Partnerfestival, dem Northampton Music Festival“, erklärte Cziba. „Wir sind quasi die Jugendabteilung des Freundeskreises“, scherzte er. Wer weiß, ob die „Alten“ demnächst nicht mal mitmischen werden beim MaNo-Musikfestival.

von Yannic Bakhtari

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