Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Tropen-Feeling mitten im Marburger Winter

Tropennacht im Botanischen Garten Tropen-Feeling mitten im Marburger Winter

Eine "Tropennacht" auf den verschneiten ­Lahnbergen erlebten 20 ­Besucher des Schau-­Gewächshauses im Neuen Botanischen Garten.

Voriger Artikel
Bündnis will mehr Teilhabe durchsetzen
Nächster Artikel
Positive Erwartung hilft Bypass-Patienten

Gerhard Kost (rechts), Professor der Botanik an der Universität, zeigt den Besuchern das „Amazonasgebiet“ in den Schaugewächshäusern, wo es Wasserbiotope zu sehen gibt. Foto: Freya Altmüller

Marburg. „Den Wert dieses Gartens kann man nicht in Euro ausdrücken“, erklärt Gerhard Kost, Marburger Professor für Botanik. Am Sonntagabend in den Schaugewächshäusern des Neuen Botanischen Gartens zeigt er den Gästen, „was Biodiversität bedeutet.“ Auch, wenn es auf dem ganzen Gelände insgesamt nur zwischen 9000 und 10000 Pflanzen gebe: Wer ­ihre Schönheit entdecke, verstehe auch den Wert, den ihre Erhalrung habe.

Rund 20 Besucher fanden an dem verschneiten Abend den Weg auf die Lahnberge für die „Tropennacht“, die der Freundeskreis des Botanischen Gartens veranstaltet hatte.

„Orchideen sind sehr trickreich“, erklärt Kost. Während die ersten noch Nährstoffe in Form von Fetten an die Insekten verfütterten, gäben spätere nur noch Zucker. „Die hochentwickeltsten Orchideen locken mit Parfüm und täuschen nur noch vor, dass etwas zu holen wäre.“ Ein Exemplar mit kleinen weißen Blüten verströmt einen süßlichen Duft, der nicht nur für Insekten betörend riecht.

Wie viele andere gehören auch Orchideen zu den sogenannten Epiphyten, den Aufsitzerpflanzen, die auf Bäumen wachsen, erläutert der Professor. „Je höher man lebt, desto mehr Licht bekommt man ab“, so Kost.

Unten sei es im Regenwald sehr dunkel, weil alles in den Baumkronen abgefangen werde. Daher gebe es auch Pflanzen, die die Unterseiten ihre Blätter rot gefärbt haben. Das diene zum Abdunkeln, damit unter ihnen keine anderen Pflanzen wachsen könnten. Mit der Taschenlampe deutet der Professor auf die Gewächse, über die er spricht. Durch die schmalen Gänge drücken sich die Besucher an ausladenden Zweigen vorbei. Das Gewächshaus habe­ gegenüber den Tropen einige Vorteile, erklärt Kost. Stechmücken, Schlangen und tropische Krankheiten müssten die Gäste nicht fürchten. Auch die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit seien deutlich geringer.

Aus Lautsprechern tönen die Geräusche, die man nachts in den Tropen hört: Zikaden und quakende Frösche.

Unter Bromelien, die aussehen wie herabhängende blassgrüne Wurzeln, tauchen die Besucher hindurch in das Farnhaus. „Wir machen einen Sprung um Jahrmillionen“, erklärt Kost. Denn Farne seien bereits 500 Millionen Jahre alt. Botanikern hätten die Farne anfangs Rätsel aufgegeben. Sie haben keine Blüten, daher habe man sich gefragt, wie sie sich vermehrten. „Deshalb nannte man Farne kryptogam, weil sie es im Verborgenen getrieben haben.“ Später habe man herausgefunden, dass sie sich über Sporen vermehren, die beispielsweise­ eine pünktchenartige Struktur­ haben. Die ersten Pflanzen hingegen, die vor 650 Millionen Jahren aus dem Wasser gekommen seien, seien dicht am ­Boden entlang gekrochen. Von den uralten Arten finde man die meisten in den Tropen, wegen der Feuchtigkeit, dem gleichmäßigen Klima und weil es dort keinen Frost gebe.

Robin Hasler aus Gießen, der die Führung zur Berufsorientierung besucht, hat eine andere Lieblings-Pflanzenfamilie. „Die Aronstabgewächse sind einfach schön“, erklärt der 20-Jährige. Der gebürtige Schweizer züchtet zu Hause einige von ihnen. „Ich sammle Pflanzen, so wie andere CDs.“ Auch eine „Amorphophallus titanum“ habe er.

Professor Kost erklärt über die Titanenwurz: „Wenn sie blüht, werden Sie es sofort merken.“ Um Aasfliegen zum Bestäuben anzulocken, stinke sie „wie die Pest“. Damit die Duftstoffe besser verteilt werden, produziere die Pflanze sogar extra Wärme. Noch handele es sich aber um die Pflanze im Schauhaus um ein junges Exemplar, das bisher nicht geblüht habe. Um älter zu wirken, trage sie Flecken auf dem Stamm. Für pflanzenfressende Insekten wirke sie damit weniger attraktiv.

von Freya Altmüller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr