Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Treue Pappkameraden

Internationaler Tag des Bieres Treue Pappkameraden

Bierdeckel sind wahre Alleskönner. Sie können ruckzuck zu einer Urkunde werden. Oder zu einem Spielzeug. Und jeder einzelne kann eine kleine Geschichte erzählen.

Voriger Artikel
Zeltcamp kann wieder voll belegt werden
Nächster Artikel
Fall Aimee: Politik schaltet sich ein

Bierdeckel in den verschiedensten Farben und Formen erreichten die OP-Redaktion. Auch Werner Weitzel zeigte einige seiner gesammelten Exemplare.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Er ist der treue Kamerad des Trinkers. Es gibt kaum eine Kneipe im Landkreis, in der zum Feierabendbier kein Untersetzer aus Pappe gereicht wird. Sei es zum Notieren der ausgeschenkten Getränke, als Vermittler von Werbebotschaften oder einfach, um Wasserflecken auf der Tischplatte oder dem Tischtuch zu vermeiden. Denn eigentlich haben Bierdeckel nur diesen einen Zweck: als Unterlage für Gläser und Krüge.

Dass sie noch viel mehr können, zeigen die Exemplare auf dieser Seite, die uns zahlreiche OP-Leser passend zum Internationalen Tag des Bieres am morgigen Freitag zugesandt haben. Bierdeckel können ganze Geschichten erzählen und für Unterhaltung sorgen, wie die Karikaturen von Bruno Haberzettl, die Kristin Frey gesammelt hat. Sie können zur Orientierung dienen, wie die Landkarte des Allgäus beweist, die Claudia Boldt gemailt hat. Sie können witzige Aussagen über den Trinker verbreiten, wie der Bierdeckel aus einer Marburger Kneipe zeigt, den Hanna Schlang mit nach Hause nahm. Und sie können auf soziale Missstände aufmerksam machen, wie jener des Studentenwerkes Marburg aus der „Wohnraum-gesucht“-Aktion des Studentenwerks von Anfang der 1990er-Jahre.

Doch warum heißt der Bierdeckel eigentlich Bierdeckel und nicht Bier-Untersetzer? Seine Geschichte beginnt im 19. Jahrhundert: Damals tranken die reicheren Leute das Bier aus Bierseideln mit Deckeln aus Zinn oder Silber. Die einfacheren Leute benutzten hingegen Krüge ohne Deckel. Sogenannte Bierfilze dienten ihnen als Untersetzer. Trank man das Bier unter freiem Himmel, legte man diese Filze auf den Krug, damit kein Ungeziefer oder anderer Dreck in das Getränk hineinfiel. Im Laufe der Jahre wurde der Filz aus hygienischen Gründen durch eine Pappe ersetzt. Es entstanden die typischen Bierdeckel mit 107 Millimetern Durchmesser.

Mittlerweile gibt es Bierdeckel in jeglichen Formen, Farben und Größen. Sie werden zumeist aus frischem Fichtenholz hergesellt.  Dessen lange Fasern sind nämlich besonders saugfähig.

Bierdeckel wird zur offiziellen Urkunde

Und was kann so ein Bierdeckel noch? Ruckzuck wird er zu einer offiziellen Urkunde im Sinne des materiellen Strafrechts nach Paragraph 267 Abs. 1 StGB. Dann nämlich, wenn der Gastwirt darauf handschriftlich die Menge und Art der an den Gast ausgeschenkten Getränke vermerkt. Veränderungen an dieser Urkunde durch den Gast sind dementsprechend als Urkundenfälschung, ein Vernichten des Bierdeckels als Urkundenunterdrückung strafbar.

Unter dem Schlagwort „Bierdeckelsteuer“ stellte der CDU-Politiker Friedrich Merz im Jahr 2003 zudem sein Konzept zur Steuerreform vor: Er wollte die Steuererklärung so verkürzen und vereinfachen, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Gelungen ist das bislang nicht.
Für Werner Weitzel aus Bauerbach spielt es keine Rolle, ob eine Steuererklärung auf seine gesammelten Bierdeckel passt oder nicht. Für ihn zählt das, was die Deckel ziert: „Wenn ich einen Bierdeckel mit einem schönen Motiv sehe, nehme ich ihn mit“, berichtet er und zeigt eine Auswahl seiner Sammlung: Klassiker wie die Licher-Vogelkunde gehören ebenso dazu wie Raritäten, etwa von der Lagerbierbrauerei Janka aus Zwiesel. Und zu jedem Stück könnte er eine Geschichte erzählen...

von Katharina Kaufmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr